Schlaraffenland

Nachdem ich schon gestern davon berichtete, wie sehr mein Job hier in NYC an ein Schlaraffenland erinnert, kann ich heute völlig entgeistert nahtlos an die Berichte anschließen. In der Kanzlei, in der ich zuletzt arbeitete, wurde mir im Bewerbungsgespräch das Blaue vom Himmel versprochen: Ich werde so richtig den Business-Alltag der Entertainment-Industrie erleben, bei Meetings dabei sein, bei Mandantengesprächen und bei Telefonkonferenzen. Tja, was soll ich sagen? Trotz meines irgendwann beständigen Nachfragens nach Abwarten einer Höflichkeitswartephase ist davon nur eines in die Tat umgesetzt worden: Am letzten(!) Tag war ich bei einer kleinen Telefonkonferenz dabei. Aber auch nur, weil ich an eben diesem letzten Tag nochmals äußerte, dass es jetzt langsam ein bißchen eng wird, was die Versprechungen anbelangt. Da habe ich mich wirklich gefragt, ob die eigentlich selbst glauben, was die in Bewerbungsgesprächen erzählen? Gibt ja einen eingeschränkten Horizont hinter den Scheuklappen. Tja, lange Rede, kurzer Sinn, hier im Ami-Land erlebe ich dann wieder das genaue Gegenteil: Heute, am zweiten(!) Tag, wurde mir eröffnet, dass es morgen eine Telefonkonferenz mit einem sehr wichtigen Kunden geben wird, weshalb mein (bereits erwähnter) "welcome lunch" auf Freitag verschoben werden muss. Stattdessen wurde mir aber offenbart, dass man mich bei der Telefonkonferenz gerne dabei hätte. Ich solle doch bis dahin beizeiten mal etwas über den Kunden ergooglen, damit ich eine Vorstellung von dessen Service bekomme. Es ist wirklich wie im Schlaraffenland! Metaphorisch gesprochen muss ich nicht um Essen betteln, sondern bekomme es direkt verabreicht. Die leckeren Beeren fliegen in meinen weit offenen Mund, ohne dass ich mich nach ihnen bücken muss. Das ist aber noch nicht alles! Gegen Mittag erreicht mich eine Rundmail, dass es an einem Abend in der nächsten Woche eine "Intern Appreciation"-Party geben wird, "to share the love for our interns and their fantastic work", wobei der Ort noch nachgereicht wird. Wie jetzt? Man ist hier nicht einfach billige Arbeitskraft, sondern die Arbeit wird anerkannt? Träum ich oder wach ich? Wenn das ein Traum ist, will ich nicht mehr aufwachen. Und mir als musikabhängigem Junkie gefällt noch eine andere Sache gut. Ich teile mir z.Zt. ein Großraumbüro mit sieben bis acht weiteren Leuten, vier davon sind fest eingestellt, die anderen drei bis vier (je nachdem, hängt von Univeranstaltungen ab) sind auch "interns". Der Chef der Abteilung sorgt nebenbei für Musik im Raum, die fleißig kommentiert wird. Dass es bei der Arbeit Musik gibt, ist natürlich auch großartig, aus meiner Sicht jedenfalls. Ir…

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Themen: Referendariat , New York , Usa , Rede , Job , Love , Ausland

Erschienen 3. März 2010 auf http://stattaller.blogspot.com/.

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