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Karl Kroen, unterwegs auf einer Kreuzfahrt mit der ‘Costa Concordia’, berichtet von seinen Erlebnissen während der Havarie. Es ist nicht der einzige und fraglos nicht der letzte der Augenzeugen-Berichte, aber einer von den in der Sachlichkeit beachtlichen. Andere Augenzeugenberichte und -interviews verwundern dagegen. Darunter einige erstaunliche – wenn Passagiere sich bei allem Verständnis für die erforderliche Verarbeitung des Geschehnisses und der Ursachen – ohne entsprechende berufliche Backgrounds und gleichwohl zu technischen und nautischen „Sachverständigen“ berufen zu fühlen scheinen, Schuld- und Haftungs- und Beweisfragen „ganz klar“ zu beurteilen und zu äussern. Verständliche emotionale Aufgewühltheit mag da mitspielen und kann man verstehen. Und verständlich mag auch sein, Gäste und Betroffene solcher Katastrophen nicht wie andere Gäste vielleicht zu hinterfragen. Aus journalistischer und redaktioneller Sicht , die nüchterner, kompetenter als der naturgemäss emotionale der Augenzeugen und Betroffenen solcher Katastrophen sein muss, aber sollte es nicht auch noch ermutigt oder dann noch zusätzlich solche Äusserungen explizit initiiert werden. Betroffene sind Augenzeugen für Geschehnisse und dabei wahrgenommene Beobachtungen, Erlebnisse und Erfahrungen. Aber nicht Sachverständige für technische, nautische und juristische Bewertung. Die feine Grenze zu kennen und behutsam und journalistisch sauber herauszuarbeiten ist auch da vornehme Aufgabe, wo Schuldzuweisungen und Schuldfragen und Versäumnisse menschlichen Fehlerverhaltens auf dem Schiff, der Crew und – im Besonderen : des Kapitäns – so scheinbar ausser Frage stehen. Wo schon in den ersten Stunden nach dem Unglück mediale Vergleiche nicht nur wegen des datumsmässig so „praktischen“ 100. Jahrestages der Titanic gezogen werden konnten, sich anboten und gezogen wurden auch um der Berichterstattung eine – durch das Ereignis ohnehin bereits per se vorhandene – zusätzliche Dramatik zu geben und dazu auch die Zahlen betroffener Passagiere der Costa Concordia diese Dimension verstärkten, fehlt manchmal gleichwohl der Berichterstattung ein kleines, auch geschuldetes Maß , Augenmaß für die Relation: Von den Passagieren der Titanic starben zwischen 1490 und 1517 der über 2200 an Bord befindlichen Personen , von den mehr als 4000 Passagieren der Costa Concordia werden derzeit 29 als Vermisste vermutet, bislang sind zudem 6 Tote geborgen. Das macht die Katastrophe nicht kleiner als Havarie, das Ereignis nicht weniger dramatisch und einschneidend für jeden davon Betroffenen, das relativiert nicht jeden einzelnen der Passagiere und sein Leben. Und nicht die noch zu klärende Verantwortlichkeit und Verantwortung, Schuld, Haftung und daraus zu folgernde juristische Verantwortlichkeiten.

Manche Headlines Kapitän in schwerer Notallerdings muten angesichts der Not, in der Passagiere waren und es teils nicht und te…

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Themen: Medien , Kommentar , Schlagzeilen , Titanic , Linkedin , TV , Interviews , News & Medien , Urheber- Und Medienrecht , Print , Costa Concordia

Erschienen 17. Januar 2012 auf http://jusatpublicum.wordpress.com.

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