Schiffe versenken auf australisch
am 26.03.2006 von http://www.strafblog.de
Das nordkoreanische Frachtschiff Pong Su wurde am Donnerstag der vergangenen Woche von australischen Marinebooten aus dem Hafen von Sydney 140 Kilometer weit auf das Meer hinausgezogen und dort nach allen Regeln moderner Militärkunst versenkt. Das berichtet faz.net in einem Beitrag vom 23.3.06. Verletzt oder gar getötet worden sei dabei niemand; das Schiff sei unbemannt gewesen.
Hintergrund der Aktion war ein abenteuerliches Verfahren wegen Drogenhandels. Das Schiff war bereits vor rund 3 Jahren von der australischen Küstenwache vor Melbourne aufgebracht worden, nachdem zuvor ein Schlauchboot mit 2 Drogenkurieren und 150 Kilo Heroin ausgesetzt worden war. In dem anschließenden Strafverfahren versuchte die australische Justiz nachzuweisen, dass das Regime in Pjöng Jang an dem versuchten Deal zur Finanzierung seines heruntergewirtschafteten kommunistischen Systems beteiligt war. Letztlich wurden zwar 4 Besatzungsmitglieder verurteilt, der Kapitän des Schiffes sowie der Erste Steuermann, der Chefingenieur und der Politische Sekretär wurden jedoch Anfang März 2006 freigesprochen. Weder Mitwisserschaft noch Komplizenschaft konnte ihnen nachgewiesen werden. Die australische Regierung war danach nicht mehr bereit, für den Unterhalt des beschlagnahmten Schiffes aufzukommen. Ohnehin waren die bislang aufgelaufenen Kosten exorbitant. Durch Hafengebühren und Instandhaltungskosten belief sich der tägliche Aufwand für die Pong Su auf 1300 Euro, das macht in 3 Jahren überschlägig 1, 4 Millionen Euro. Die Prozesskosten sollen bei ca. 1,5 Millionen Euro gelegen haben.
Und wahrscheinlich kommt jetzt noch eine Schadensersatzforderung der Reederei hinzu. Gleichwohl war die australische Polizei der Meinung, der Versenkung des Schiffes komme eine hohe symbolische Bedeutung zu. Man dokumentiere damit, dass nicht nur mit beschlagnahmten Drogen und Drogenerlösen, sondern auch mit den Transportmitteln in angemessener Weise verfahren werde.
Wenn das kein Trost ist ....
Autor: RA Rainer Pohlen
Kanzlei POHLEN + MEISTER
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