Scham angesichts mancher Medienberichte zur #loveparade

Bisher hatte ich zu den tragischen Vorkommnissen bei der Loveparade nur sehr wenig (und nur via Twitter) geschrieben. Da ich selbst mit der Veranstaltung nie etwas zu tun hatte und auch niemanden kenne, der hier involviert ist, war ich zwar von einer allgemeinen Trauer und tiefen Bestürzung erfasst (begleitet von zunehmender juristischer Fassungslosigkait ob der Umstände), sah aber keinen Anlass, dem noch einmal gesondert Ausdruck zu verleihen.

Das ändert sich aber momentan erheblich, da ich zunehmend mit Medienberichten zum Thema konfrontiert werde. So “durfte” ich heute morgen schon die Titelseite der “BILD” beim Bäcker zur Kenntnis nehmen und kann nur mit Abscheu feststellen, dass Opfer es nicht verdient haben, derart zur Schau gestellt zu werden.

Auch heute Mittag wurde mir dann via “Tagesschau.de” ein Satz eines Panikforschers gewahr, der wohl an dem Sicherheitskonzept zur Loveparade beteiligt gewesen sein soll. So stand in dem Artikel dann der Spruch:

“Es gibt aber immer Menschen, die sich nicht an die Spielregeln halten”

Was ich als Versuch verstehe, die Verantwortung – zumindest teilweise – den Opfern oder zumindest den weiteren Involvierten zuzuschieben. Leider ist der Artikel auf Tagesschau.de schon wieder entfernt bzw. inhaltlich geändert, man findet dazu aber noch einen sehr passenden Kommentar hier, dem ich erst einmal nichts hinzufügen möchte.

Dem Fass den Boden ausgeschlagen hat aber ein Kommentar von Eva Hermann, der inzwischen von der betreffenden Webseite entfernt wurde. Allerdings gibt es einen Screenshot davon (den ich aus urheberrechtlichen Gründen nicht verlinke). Dabei liest man Folgendes, stark zusammengeschnitten:

Die Loveparade in Duisburg ist zu einem Sodom und Gomorrha mit katastrophalen Folgen geworden [...] das amtliche Ende der “geilsten Party der Welt”, der Loveparade, dürfte mit dem gestrigen Tag besiegelt worden sein! Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen. Was das angeht kann man nur erleichtert aufatmen!

Das was ich dort herauslese, der Vergleich mit einem “Sodom und Gomorrha” und der biblischen Vernichtung selbiger Städte in Kombination mit einem “erleichterten Aufatmen”, ist für mich in meinem Empfinden nicht nur eine Beleidigung der Opfer, es ist schlicht widerlich. Angehörige und Freunde von Opfern haben es nicht verdient, zu Gunsten eines biblischen Bildes zu erleben, wie ihre geliebten Mitmenschen instrumentalisiert und auf den eigenen Emotionen herumgetrampelt wird. Als Jurist hatte ich bei diesen Zeilen übrigens direkt den §130 StGB (Volksverhetzung) im Hinterkopf, denke aber, dass Fr. Hermann hieran ganz knapp vorbei geschrabbt ist. Ich…

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Themen: Eva Hermann

Erschienen 25. Juli 2010 auf http://www.jurakopf.de.

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