Politiker und Banker sehen Ende der Eurozonen-Krise
Reuters | 29. Januar 2011 — Davos/Berlin (Reuters) - In der europäischen Schuldenkrise stehen die Zeichen auf Entspannung: Auf dem Weltwirtschaftsforum i…
Berlin (Reuters) - Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat Forderungen nach einer Ausweitung des Euro-Rettungsschirms scharf kritisiert.
"Wer die Debatte auf diese Frage konzentriert, verhindert, dass wir zu einer tragfähigen Gesamtlösung kommen", sagte Schäuble dem Magazin "Wirtschaftswoche" laut Vorabbericht am Samstag. Es sei "nicht sinnvoll, die Frage, ob der Fonds eventuell aufgestockt oder besser ausgeschöpft werden kann, isoliert aufzugreifen". Die EU-Kommission verlangt eine Aufstockung des Schirms, der bislang 750 Milliarden Euro zur Rettung von überschuldeten Euro-Staaten wie Irland enthält. Damit will sie sicherstellen, dass auch weiteren Staaten wie Portugal oder Spanien unter die Arme gegriffen werden kann.
Wie Bundeskanzlerin Angela Merkle plädierte Schäuble stattdessen für eine solidere Haushaltspolitik der Euro-Staaten und eine effektivere Ausschöpfung der bereitgestellten Mittel. Es sei ein wirksamerer Stabilitäts- und Wachstumspakt in der Euro-Zone nötig, "eine bessere Koordinierung der Wirtschafts- und Finanzpolitik sowie Strukturreformen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Mitgliedsstaaten".
Schäuble bestätigte Pläne, die Gläubiger des hochverschuldeten Griechenlands an einer Entlastung des Euro-Staates zu beteiligen. "Wir denken derzeit darüber nach, ob wir die Laufzeiten der Kredite verlängern sollten", sagte er. Eine Umschuldung lehnte der CDU-Politiker ab. Griechenland sei auf einem guten Weg und könne seinen Schuldendienst schaffen, betonte er. Sein Amtsvorgänger Peer Steinbrück hält dagegen eine Umschuldung für unvermeidlich. "Man sollte sich dieser Realität rechtzeitig stellen", sagte der SPD-Politiker dem "Mannheimer Morgen" (Samstagausgabe). "Wie soll Athen weiter die Kredite bedienen, ohne in die Knie zu gehen?", fragte er.
Erschienen 29. Januar 2011 bei http://www.reuters.com.
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