Schadensminderungspflicht
Der Kollege hatte es nicht einfach mit seinem Mandanten. Der war bockig, uneinsichtig und beratungsresistent. Trotzdem gab der Verteidiger sein Bestes, um für “seinen” Angeklagten zu retten, was noch zu retten war.
Mein Mandant war Nebenkläger. Er ist von dem Angeklagten ziemlich übel zugerichtet worden.
Es war spätabends, als mein Mandant zur Tankstelle ging, um Zigaretten zu kaufen. Aus sicherer Distanz sah er eine Gruppe angetrunkener Jugendlicher, die an der Tankstelle die Niederlage der deutschen Nationalelf “feierten”. Erst nach kurzem Zögern entschied sich mein Mandant gegen seinen Fluchtinstinkt und für seine Nikotinsucht.
Unmittelbar nach dem Kauf der Zigaretten wurde er von dem späteren Angeklagten - ebenfalls nikotinabhängig, angetrunken und vollgepumpt mit Testosteron, aber ohne Geld für eigene Zigaretten - zusammengeschlagen und beraubt.
Der bedauernswerte Verteidiger versuchte nun in seiner Not, auf der Glatze eine Locke zu drehen.
In seinem Schlußvortrag deutete er an, daß mein Mandant eine (geringe) Mitschuld an …
» Vollständiger ArtikelThemen: Vortrag , Retten , Distanz , Verteidigung , Schadensminderungspflicht
Erschienen 19. Januar 2009 auf http://www.kanzlei-hoenig.de.
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