Schadensersatzpflicht von Abo-Fallen-Betreibern

Das AG Mainz hat entschieden, dass der Betreiber der Internetplattform www.top-of-software.de zur Zahlung außergerichtlicher Anwaltskosten, die zur Abwehr einer unberechtigten Forderung entstanden sind, verpflichtet ist.

Der Kläger, der ursprünglich auf der Suchmaschine GOOGLE nach einer kostenlosen Virensoftware suchte, gelangte durch eine Verlinkung unter den oberen fünf Einträgen auf die Internetseite der Beklagten. Diese betreibt eine Datenbank mit Informationen über aktuelle Software, bei der es sich fast ausschließlich um solche des Lizenztyps "Freeware" handelt, welche kostenlos aus dem Internet heruntergeladen werden kann. Zugriff auf die Informationen der Beklagten einschließlich der Verlinkung zum betreffenden Download der Programme erhält man nur als sog. "Member". Hierzu muss man sich bei der Beklagten anmelden.

Der Kläger, erhielt dann, nachdem er sich bei der Beklagten angemeldet hatte, eine Rechnung i.H.v. EUR 96,00. Nachdem der Kläger auch nach Mahnung durch die Beklagte nicht zahlte, beauftragte die Beklagte einen Anwalt aus Osnabrück mit der Beitreibung der Forderung. Nachdem der Kläger seinen Rechtsbeistand einschaltete, verzichtete die Beklagte ohne weitere Begründung auf ihre Forderung. Eine Übernahme der klägerischen Rechtsanwaltskosten lehnte sie jedoch kategorisch ab.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Websites der Beklagten zum Zeitpunkt der Anmeldung des Klägers so gestaltet waren, dass von einer konkludenten Täuschung des Nutzers über die Kostenpflichtigkeit des Angebots ausgegangen werden musste (vgl. AG Mainz, Urt. v. 03.03.2011 - 89 C 284/10). Das Gericht führte u.a. wie folgt aus:

„... Einer konkludenten Täuschung im Sinne des § 263 StGB steht auch nicht entgegen, dass dem Nutzer der Seite bei aufmerksamer Prüfung der Kostenhinweis nicht entgangen wäre. Denn zu einer besonderen Aufmerksamkeit hat der Nutzer der Seite der Beklagten deshalb keinen Anlass, weil er davon ausgeht, lediglich kostenlos verfügbare Software herunterzuladen. Durch die Verlinkung über Google unter dem Stichwort der kostenlosen Software ist dies der Beklagten auch bekannt. Die Arglosigkeit des so Getäuschten nutzt die Beklagte zumindest mit bedingtem Vorsatz aus, indem sie einen…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches


Erschienen 15. März 2011 auf http://blog.mein-recht-im-netz.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Das Ende der Internetabzocke?

WK LEGAL Online Blog | 21. März 2011 — In einem aktuellen Urteil vom 3. März 2011 hat das Amtsgericht Mainz (AZ: 89 C 284/10) entschieden, dass der Betreiber der In…

AG Mainz: Wie sie von dem Betreiber einer Abofalle Ihre Anwaltskosten zurückbekommen

Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte | 23. März 2011 — AG Mainz, Urteil vom 03.03.2011, Az. 89 C 284/10 §§ 823 Abs. 2 BGB i.V.m. 263 Abs. 1, Abs. 2, 22, 23 StGB Das AG Mainz hat …

Schadensersatzpflicht für Abofallen-Anwältin

BLOG | MEIN-RECHT-IM-NETZ.DE | 28. Juli 2010 — Laut einer Entscheidung des AG Karlsruhe muss eine Rechtsanwältin, welche im Zusammenhang mit sog. Abo-Fallen im Internet zweifelh…

LG Mannheim: Abo-Falle hat Rechtsanwaltskosten für die Forderungsabwehr zu tragen

Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte | 1. Februar 2010 — LG Mannheim, Urteil vom 14.01.2010, Az. 10 S 53/09 §§ 155; 280 Abs. 1, 311 Abs. 1 BGB Das LG Mannheim hat dem Betreiber ein…

Abofalle zum Ersatz gegnerischer Anwaltskosten verurteilt

WOLF | RECHTSANWALT | 28. Januar 2010 — Erneut eine schlappe für den Betreiber der Website opendownload.de. Das Landgericht Mannheim hat die Betreiberfirma auch in zwe…

LG Berlin: Unzulässige Werbung durch Interstitials in kostenlosen Browserspielen - Nutzer muss die Möglichkeit haben, Werbung abzu…

Beckmann und Norda Rechtsanwälte Bielefeld | 23. September 2011 — LG Berlin Urteil vom 14.09.2010 103 O 43/10 Interstitials Das LG Berlin hat mit diesem fragwürdigen Urteil entschieden, dass Nutze…

AG Marburg (81 C 981/09 (81) Das Locken von Kunden mit kostenlosem Download in ein Abonnementverhältnis stellt einen Betrug dar. (…

Recht für Verbraucher | 10. Mai 2010 — Wer kostenlosen Download anbietet und den Kunden an versteckter Stelle in ein nicht zu erwartendes Abonnement lockt, begeht e…

Abo-Falle und Anwaltskosten

BLOG | MEIN-RECHT-IM-NETZ.DE | 22. Februar 2010 — Laut einer jüngst veröffentlichen Entscheidung des LG Mannheim kann sich in sog. „Abo-Fallen“ der jeweilige Anbieter nicht darauf …

AG Frankfurt a.M.: Abo-Falle - Preishinweis als überraschende Klausel unwirksam

Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte | 6. April 2011 — AG Frankfurt a.M., Urteil vom 23.03.2011, Az. 29 C 2583/10 (85)§ 305 c Abs. 1 BGB Das AG Frankfurt hat entschieden, dass die …

Ab mit den Zockern !

RA J. Melchior, Wismar | 10. Mai 2010 — Im Recht für Verbraucher wird eine Entscheidung des AG Marburg (81 C 981/09 (81) referiert, wonach das Locken in ein Abonnem…