Schadensersatzklage auf eine halbe Million Euro wegen Mobbing

Ein Verhalten, das zum Schadensersatz oder Schmerzensgeld verpflichtet, liegt insbesondere dann vor, wenn unerwünschte Verhaltensweisen bezwecken oder bewirken, dass die Würde des Arbeitnehmers verletzt und ein durch Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen oder Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld geschaffen wird. Bei der Prüfung von Ersatzansprüchen ist auch zu berücksichtigen, dass im Arbeitsleben übliche Konfliktsituationen, die sich durchaus auch über einen längeren Zeitraum erstrecken können, aber sozial- und rechtsadäquat sind, nicht geeignet sind, die Voraussetzungen zu erfüllen.

Mit diesem Urteil hat das Landesarbeitsgericht Hamm einen Anspruch auf Schadensersatz wegen Mobbing verneint. Der 61 Jahre alte Kläger ist seit 1987 in einem Krankenhaus in Lünen beschäftigt. Der Kläger bewarb sich im Jahr 2001 erfolglos auf die Chefarztstelle der Neurochirurgischen Klinik. Die Stelle wurde dem beklagten Chefarzt übertragen. Im März 2003 erhob der Kläger erste Mobbingvorwürfe gegen den Beklagten. Der Kläger war danach in psychiatrischer Behandlung und für längere Zeit arbeitsunfähig. Er verklagte im Jahr 2004 seine Arbeitgeberin u. a. mit dem Antrag, den Chefarzt zu entlassen und Schmerzensgeld zu zahlen. Die Klage gegen die Arbeitgeberin wurde vom Arbeitsgericht und vom Landesarbeitsgericht Hamm abgewiesen. Nachdem das Bundesarbeitsgericht das Urteil des Landesarbeitsgerichts aufgehoben hatte, schloss der Kläger mit der Arbeitgeberin einen Vergleich. Der Kläger wird seither im medizinischen Controlling eingesetzt. Schadenersatzansprüche gegen den Chefarzt wurden in dem Vergleich allerdings nicht ausgeschlossen.

Diese Ansprüche verfolgt der Kläger im vorliegenden Verfahren. Der Kläger behauptet, er sei durch eine Vielzahl von Übergriffen des Beklagten psychisch erkrankt und arbeitsunfähig geworden. Dadurch habe er erhebliche Einkommenseinbußen erlitten. Der Kläger begehrt die Zahlung von etwa einer halben Million Euro als Schadensersatz.

Der beklagte Chefarzt hält dem entgegen, er habe sich nicht pflichtwidrig verhalten. Zwar sei es teilweise zu Auseinandersetzungen und Verstimmungen gekommen, was aber allein darauf zurückzuführen sei, dass der Kläger ihn als Chefarzt und Vorgesetzten mit Weisungsbefugnis nicht habe akzeptieren wollen.

Das Arbeitsgericht Dortmund hat die Klage abgewiesen. Das Landesarbeitsgericht Hamm hat diese Entscheidung bestätigt. Nach Auffassung des Landesarbeitsgerichts liegt ein zum Schadensersatz oder Schmerzensgeld verpflichtendes Verhalten insbesondere dann vor, wenn unerwünschte Verhaltensweisen bezwecken oder bewirken, dass die Würde des Arbeitnehmers verletzt und ein durch Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen oder Beleidigungen gekenn…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Bundesarbeitsgericht , Schmerzensgeld , Schadensersatz , Krankenhaus , Arb , Mobbing , Landesarbeitsgericht Hamm
Rechtsgebiet: Arbeitsrecht

Erschienen 24. Januar 2012 auf http://www.rechtslupe.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

LAG Hamm: Kein Anspruch auf 500.000 EUR Schadensersatz wegen Mobbing des Chefarztes

Arbeitsrecht & Mediation Berlin | 23. Januar 2012 — Die Mobbingklage eines Oberarztes gegen seinen ehemaligen Chefarzut blieb erfolglos. Das LAG Hamm hat das Arbeitsgericht bestät…

LAG Hamm: Oberarzt gegen Chefarzt - Mobbing im Krankenhaus

beck-blog | 23. Januar 2012Mobbing beschäftigt zunehmend auch die Gerichte. Eine ungewöhnliche Konstellation lag einem jetzt vom LAG Hamm (19.1.2012 – A…

LAG Hamm verhandelt am 25.7.11: Oberarzt verklagt Chefarzt auf 500.000 EUR Schadensersatz

Arbeitsrecht & Mediation Berlin | 19. Juli 2011 — Das Verfahren ist die Folge eines seit 2004 betriebenen Verrfahrens, das zunächst gegen das Krankenhaus geführt wurde und vom B…

Für Mobbing 500.000 EURO Schadensersatz

Arbeitsrecht Chemnitz | 20. Januar 2012 — Ein Arbeitnehmer des Krankenhauses in Lünen bewarb sich im Jahr 2001 erfolglos auf die Chefarztstelle der Neurochirurgischen Klini…

LAG Hamm: Schluss mit den Spitzensticheleien?

Jus@Publicum | 19. Januar 2012 — click Ich bin nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg wer…

Spitzensticheleien – Oberarzt klagt gegen Chefarzt auf halbe Million Schadensersatz wegen Mobbing

Jus@Publicum | 19. Juli 2011 — click Das LAG Hamm verhandelt am 25. Juli 2011 [AZ 11 Sa 722/10 - Termin: 25.07.2011, 10.00 Uhr, Saal 3] einen Rechtsstreit,…

Schadenersatzanspruch wegen Mobbings gegen Kollegen setzt sozialinadäquates Verhalten voraus

Breuning & Winkler Rechtsanwälte | 23. Januar 2012 — Ein Arbeitnehmer kann von einem Kollegen wegen Mobbings nur dann Schadenersatz und Schmerzensgeld verlangen, wenn durch die b…

Schadenersatzanspruch wegen Mobbings gegen Kollegen setzt sozialinadäquates Verhalten voraus

Breuning & Winkler Rechtsanwälte | 23. Januar 2012 — Ein Arbeitnehmer kann von einem Kollegen wegen Mobbings nur dann Schadenersatz und Schmerzensgeld verlangen, wenn durch die b…

LAG Hamm (11 Sa 722/10): Oberarzt mit 500.000 €-Mobbing-Klage gegen Chefarzt vorerst gescheitert

Kanzlei Blaufelder | 19. Januar 2012 — Konflikte am Arbeitsplatz sind noch kein Mobbing. Mobbing liegt erst vor, wenn ein feindliches Klima am Arbeitsplatz die Würd…

Mobbing: Oberarzt verklagt Chefarzt auf halbe Million Euro

Kanzlei Blaufelder | 20. November 2011 — Am 18.11.2011, 09:00 Uhr, wird vor dem Landesarbeitsgericht (LAG) Hamm der Mobbing-Rechtsstreit (AZ: 11 Sa 722/10) zwischen z…