Sauerland-Gruppe erwog Anschläge auf Flughäfen in NRW
Reuters | 11. August 2009 — Düsseldorf (Reuters) - Die sogenannte Sauerland-Gruppe hat nach Angaben eines Angeklagten Anschläge auf die Flughäfen in Düssel…
Düsseldorf (Reuters) - Im Prozess gegen die Terrorverdächtigen der sogenannten Sauerland-Gruppe hat der Hauptangeklagte Fritz Gelowicz seinen Weg vom atheistischen Bürgersohn zum islamischen Gotteskrieger geschildert.
"Die Amerikaner und andere Länder führen einen Krieg gegen den Islam", sagte Gelowicz am Dienstag vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf. "Deshalb habe ich mich entschlossen, in den Dschihad zu gehen." Zu seiner Radikalisierung hätten die Reaktionen des Westens auf die Anschläge des 11. September, der Einmarsch im Irak und die Fotos folternder US-Soldaten im irakischen Gefängnis Abu Ghraib sowie die Berichterstattung aus dem US-Gefangenenlager Guantanamo beigetragen.
Gelowicz hatte am Vortag eingeräumt, mit seiner Gruppe Anschläge auf US-Soldaten in Deutschland geplant zu haben. Laut Anklage hatten seine drei Mitangeklagten und er genug Chemikalien gehortet, um 550 Kilogramm Sprengstoff herzustellen. Sie waren nach monatelanger Überwachung im Herbst 2007 in einem Ferienhaus im Sauerland festgenommen worden.
Der 29-jährige gebürtige Münchener stammt aus einer gutbürgerlichen Familie. Nach seinem Umzug nach Ulm trat er kurz vor seinem 16. Geburtstag zum Islam über. Das Thema Religion habe in seinem Elternhaus keine Rolle gespielt, zum Islam sei er über einen Mitschüler gekommen, berichtete Gelowicz. Vom Sommer 2002 an habe er sich dann intensiver mit dem Islam befasst. Dabei verkehrte Gelowicz auch im Multikulturhaus in Neu-Ulm, das immer wieder mit radikalen Islamisten in Verbindung gebracht worden ist. Die Anschläge des 11. September habe er zunächst abgelehnt, dann habe er sie befürwortet, denn: "Der Westen hat sein wahres Gesicht gezeigt. Er führt offen Krieg gegen den Islam." Zudem sei der Krieg auch in seiner Moschee in Neu-Ulm angekommen, als der ebenfalls in dem Neu-Ulmer Zentrum verkehrende Khaled el-Masri von den US-Behörden entführt worden sei. "Er saß immer nur drei Meter von mir in der Moschee." Die Entführung habe das "Faß zum Überlaufen gebracht".
Er habe nun als Gotteskrieger in den Irak oder nach Tschetschenien gewollt. "Dass ich an Kampfhandlungen teilnehmen will (..) das war meine Vorstellung." Schließlich sei aber die Entscheidung gefallen, Anschläge in Deutschland zu verüben.
Gelowicz bestritt zugleich, dass Geheimdienste seine Gruppe beeinflusst hätten. "Ich habe die Tat nicht gemacht, weil ein Geheimdienst es wollte." Es sei auch "niemand vom Geheimdienst ferngesteuert" worden. Die Verteidiger wollen im Prozess auch klären, welche Rolle der türkische Geheimdienst bei den Anschlagsplänen spielte. Ein Teil der Zünder für die geplanten Bomben war in der Türkei übergeben und von dort nach Deutschland geschmuggelt worden.
Erschienen 11. August 2009 bei http://www.reuters.com.
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