Prozess gegen "Sauerland"-Gruppe hat vor OLG Düsseldorf begonnen
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Düsseldorf (Reuters) - Die mutmaßlichen Anschlagsplaner der "Sauerland-Gruppe" wollten nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft ein Fanal ähnlich den Attentaten vom 11. September 2001 setzen.
Ziel der vier deutschen und türkischen Angeklagten sei es gewesen, mit Autobomben Anschläge in der Größenordnung des Angriffs auf das World Trade Center zu verüben, sagte Bundesanwalt Volker Brinkmann zum Prozessauftakt am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf.
Alle vier Angeklagten erschienen mit Vollbärten vor Gericht. Adem Yilmaz provozierte die Richter offen, indem er sich weigerte, die Gebetskappe abzunehmen und sich zur Vereidigung der Dolmetscher zu erheben. Er wurde vom Vorsitzenden Richter Ottmar Breidling abgemahnt, der sich schon in früheren Terror-Prozessen einen Namen als harter Verhandlungsführer gemacht hat. Der auf zwei Jahre angesetzte Mammut-Prozess findet unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen und begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot statt.
Die Angeklagten Fritz Gelowicz, Daniel Schneider, Yilmaz und Atilla Selek sollen im Herbst 2007 drei Autobomben-Anschläge in Deutschland geplant haben. Laut Anklage wollten sie zeitgleich in Pubs, Diskotheken und auf dem US-Fliegerhorst Ramstein möglichst viele Amerikaner töten. Mit den Anschlägen wollten sie wohl die kurz darauf anstehende Entscheidung des Bundestags über die Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes beeinflussen. Die Anklage rechnet die Verdächtigen der extremistischen Islamischen Dschihad-Union (IJU) zu. Bei einem Schuldspruch drohen ihnen bis zu 15 Jahre Haft wegen Mitgliedschaft in einer in- beziehungsweise ausländischen Terrorvereinigung sowie wegen der Vorbereitung von Anschlägen und der Verabredung zum Mord.
ANKLAGE: MEDIENWIRKSAMES ZEICHEN DES TERRORS GEPLANT
Triebfeder der Angeklagten im Alter zwischen 23 und 30 Jahren sei ein abgrundtiefer Hass auf die USA als "größter Feind des Islam" gewesen, erklärte die Bundesanwaltschaft. Die geplante Tat habe aber auch der deutschen Gesellschaft gegolten. "Sie wollten ein deutliches und medienwirksames Zeichen des Terrors setzen." Die Angeklagten hätten Autobomben mit der gewaltigen Sprengmasse von jeweils 250 Kilogramm bauen wollen und mit 150 Todesopfern gerechnet. Die jungen Männer hätten sich schon in Deutschland radikalisiert und später Kontakt ins Ausland gesucht. "Die Angeklagten waren Teil eines islamistischen, länderübegreifenden Netzwerkes mit Kontakten nach Pakistan und Iran", sagte Brinkmann.
Nach einem Tipp eines US-Geheimdienstes hatten rund 600 deutsche Ermittler die Verdächtigen monatelang überwacht und beobachtet, wie sie sich rund 700 Kilogramm Wasserstoffperoxid beschafften. Diese Menge reicht zur Herstellung von etwa 550 Kilogramm Sprengstoff aus. Beim Aufkochen der Chemikalie, die auch für die Anschläge von Djerba, London und Casablanca verwendet wurde, nahm die Polizei die Männer Anfang September 2007 im Sauerland fest.
Erschienen 22. April 2009 bei http://www.reuters.com.
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