Rücktritt vom Erbvertrag wegen nicht erfolgter Pflege
Rechtslupe | 29. Oktober 2010 — Ist mit einem Erbvertrag, durch den der Erblasser den Bedachten zum Erben bestimmt, ein gegenseitiger Vertrag unter Lebenden ve…
Schließen der Erblasser und der Berechtigte einen Vertrag unter Lebenden, welcher Pflichten der beiden Parteien begründet (hier: Pflicht zur Pflege des Erblasser), und wird eine solche Vertragspflicht verletzt, so kann der Erblasser von dem Vertrag unter Lebenden gem. §§ 349, 323 Abs. 1 BGB und gleichermaßen vom Erbvertrag gem. § 2295 BGB zurücktreten.
Der Rücktritt ist jedoch erst dann möglich, wenn der Erblasser dem Berechtigten eine Frist zur Erfüllung der geschuldeten Leistung gesetzt hat. Erst nach dem erfolglosen Ablauf der Frist kann der Erblasser von seinem Rücktrittsrecht gem. § 349 Gebrauch machen.
BGH, Beschluss vom 5. 10. 2010 – IV ZR 30/10 (OLG Oldenburg) BGB §§ 2295, 323
Zum Sachverhalt:
Die Kl. nimmt den Bekl. auf Feststellung der Unwirksamkeit eines Erbvertrags in Anspruch. Mit Vertrag vom 15. 4. 1981 setzte die Kl. den Bekl. zu ihrem Erben ein. Ferner verpflichtete sie sich, ihr Hausgrundstück ohne Zustimmung des Bekl. weder zu veräußern noch zu belasten. Im Falle eines Verstoßes sollte der Bekl. berechtigt sein, die sofortige unentgeltliche Übertragung des Grundstücks zu verlangen. Der Bekl. seinerseits verpflichtete sich, „die Erschienene zu 1 in kranken und alten Tagen zu hegen und zu pflegen, ohne dass dafür Geldwertmittel von mir oder meinen Rechtsnachfolgern aufzuwenden sind”.
Der Bekl. wohnte seit 1980 zunächst in einer eigenen Wohnung im Haus der Kl., bis er Anfang 1993 auszog. Am 19. 4. 1999 forderte die Kl. den Bekl. schriftlich unter Hinweis auf den Erbvertrag auf, bis zum 1. 5. 1999 in ihrer Wohnung vorstellig zu werden. Pflegeleistungen durch den Bekl. wurden in der Folgezeit nicht erbracht. Am 20. 6. 2007 zog die Kl. in ein Alten- und Pflegeheim, wo sie sich auch gegenwärtig noch aufhält. Am 18. 1. 2008 erklärte sie den Rücktritt vom Erbvertrag unter Berufung darauf, dass sie seit Frühjahr 1999 geringfügig und seit Anfang des Jahres 2005 in größerem Umfang auf Pflege angewiesen gewesen sei.
Das LG hat nach Beweisaufnahme die Klage abgewiesen. Das BerGer. (OLG Oldenburg, Urt. v. 12. 1. 2010 – 12 U 67/09, BeckRS 2010, 26230) hat ihr stattgegeben. Auf die Nichtzulassungsbeschwerde des Bekl. wurde das Berufungsurteil aufgehoben; die Sache wurde zur neuen Verhandlung und Entscheidung zurückverwiesen.
Aus den Gründen:
II. Die Entscheidung des BerGer. ohne weitere Sachaufklärung verletzt den Anspruch des Bekl. auf Gewährung rechtlichen Gehörs (Art. 103 I GG) in entscheidungserheblicher Weise und rechtfertigt die Zulassung der Revision zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung nach § 543 II 1 Nr. 2 Alt. 2 ZPO.
1. Nicht verfahrensfehlerfrei hat das BerGer. zunächst die Feststellung getroffen, die Kl. sei gem. §§ 2295, 323 I BGB wirksam vom Erbvertrag zurückgetreten, da der Bekl. seine Pflegeverpflichtung nicht erfüllt habe.
a) Nach § 2295 BGB kann der Erblasser von eine…
» Vollständiger ArtikelErschienen 23. September 2011 auf http://www.erbfall.eu.
Rechtslupe | 29. Oktober 2010 — Ist mit einem Erbvertrag, durch den der Erblasser den Bedachten zum Erben bestimmt, ein gegenseitiger Vertrag unter Lebenden ve…
Andere Ansicht | 2. Juni 2005 — Kitzeln ist schön. Kitzeln dient dem Wohlbefinden. Kitzeln ist keine Körperverletzung und schon gar nicht rechtswidrig. Aber: Kitz…
Erbrecht | 5. März 2011 — Der Streitwert einer Auskunftsklage hat sich an dem Aufwand für die Erstellung der Unterlagen, der Recherche der Nachlassgege…
beck-blog | 16. November 2010 — Hat ein durch Erbvertrag Begünstigter sich im Gegenzug zu Pflegeleistungen verpflichtet und kommt diesen nicht nach, so kann de…
Jurabilis | 17. Juni 2010 — Die Klägerin verlangt die Herausgabe von Werkstücken ihrer Dissertation. Die Kl. hat zur Erlangung des Doktortitels beim Fachbe…
Jurabilis | 13. August 2009 — Oft wird vom "ewigen Gedächtnis des Internets" gesprochen, dem Raum, der nie vergisst und nichts verliert. Das gilt laut dem OLG F…
mindermeinung.de | 6. März 2007 — Aus der Rechtsprechung des OLG Kiel, zum § 1570 BGB (selbstverständlich a.F. - 1931)"Die Kl. hat die anormalen geschlechtlichen Be…
Verkehrsrecht Blog | 1. Dezember 2009 — Die Voraussetzungen für einen Anspruch auf Schadensersatz oder auch für einen Rücktritt liegen nur vor, denn der Käufer dem Ver…
mindermeinung.de | 6. März 2007 — Aus der Rechtsprechung des OLG Kiel, zum § 1570 BGB (selbstverstÀndlich a.F. - 1931)"Die Kl. hat die anormalen geschlechtlichen …
Jurabilis | 19. Juli 2005 — Am 11.6.2003 machte der Geschäftsführer der Bekl., der über 80 Jahre alt ist, einen Kontrollgang unter anderem durch die sani…