Rot-rot in Brandenburg plant dauerhaften Kfz-Massenabgleich

Die von einer schwarz-roten Koalition eingeführte Ermächtigung zum massenhaften Abgleich von Kfz-Kennzeichen durch die brandenburgische Polizei sollte eigentlich zum Ende des Jahres 2011 auslaufen. Ausgerechnet die rot-rote Regierungskoalition will die Befristung jetzt ersatzlos streichen und die Maßnahmen dadurch dauerhaft zulassen. Außerdem soll die Erhebung von Telekommunikations-Verkehrsdaten in erheblich weiterem Umfang zugelassen werden als bisher. Datei hatte der innenpolitische Sprecher der Linken im Landtag von Brandenburg Dr. Hans-Jürgen Scharfenber 2008 noch selbst erklärt: „Eine zwingende Notwendigkeit für die Beibehaltung derart einschneidender Maßnahmen, wie die automatische Kennzeichenerfassung …, ist nicht ersichtlich.“

Ich habe gegenüber dem Innenausschuss des Brandenburgischen Landtags eine Stellungnahme zu dem Gesetzentwurf abgegeben. Sie erläutert,

dass die durchgeführte Evaluierung die Erforderlichkeit des Kfz-Massenabgleichs nicht belegt, dass die geplante Ermächtigung zum Kfz-Massenabgleich in verschiedenen Punkten verfassungswidrig wäre, dass der gegenwärtige Einsatz des Kfz-Massenabgleichs im Vorfeld von Veranstaltungen und Versammlungen sowie zur Strafverfolgung rechtswidrig ist.

Meine Stellungnahme zum Entwurf eines Achten Gesetzes zur Änderung des Brandenburgischen Polizeigesetzes (Drs. 5/4163) im Wortlaut:

I. Eingriffe in die Telekommunikation (§ 33b bbgPolG-E) Während die geplante Einführung eines Richtervorbehalts zu begrüßen ist, sieht der Gesetzentwurf eine deutliche Ausweitung der Erhebung von Informationen über die Telekommunikation vor, ohne die Notwendigkeit zu begründen. Eingriffe in das Telekommunikationsgeheimnis waren nach § 33b Abs. 1 i.V.m. § 33a Abs. 1 Nr. 1 bbgPolG bislang nur zugelassen, „wenn bestimmte Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass dadurch Erkenntnisse erlangt werden, die für die Gefahrenabwehr von Bedeutung sind und dies zur Abwehr einer dringenden Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit einer Person unerlässlich ist“. Dass „bestimmte Tatsachen“ als Grundlage der polizeilichen Entscheidung künftig nicht mehr gefordert werden sollen, eine „dringende Gefahr“ nicht mehr vorausgesetzt werden soll und der praxisirrelevante „Bestand oder die Sicherheit des Landes“ Eingriffe in vertrauliche Kommunikation rechtfertigen sollen, ist im Gesetzentwurf nicht begründet, aus meiner Sicht nicht notwendig und daher zu kritisieren. Eigenmächtige Eingriffe der Polizei in die Telekommunikation ohne Mitwirkung der Netzbetreiber durch sog. IMSI-Catcher sind in zwei Jahren nur zweimal erfolgt. Es wird nicht mitgeteilt, ob die beiden Maßnahmen erfolgreich waren und weshalb sie gegebenenfalls nicht durch eine Inanspruchnahme des Netzbetreibers hätten ersetzt werden können. In dem Fall, in dem der Verdacht einer Kindesentziehung bestand, war die Strafprozessordnung einschlägig und ausreichend. Vor diesem Hintergrund halte ich die Notwe… » Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches
  • Links

Themen: Juristisches , Datenschutz IM Staatssektor , Metaowl-watchblog , Frühwarnsystem , Kfz-kennzeichenscanning , Brandenburg , Sprecher

Erschienen 2. Dezember 2011 auf http://www.daten-speicherung.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Rot-rot in Brandenburg plant dauerhaften Kfz-Massenabgleich [ergänzt am 23.01.2012]

Daten-Speicherung.de - minimum data, maximum privacy | 2. Dezember 2011 — Die von einer schwarz-roten Koalition eingeführte Ermächtigung zum massenhaften Abgleich von Kfz-Kennzeichen durch die brandenb…

Verfassungsbeschwerde gegen Kfz-Massenabgleich in Hessen

Daten-Speicherung.de - minimum data, maximum privacy | 12. Januar 2011 — Pressemitteilung vom 12.01.2011: Nur Tage, nachdem der hessische Innenminister Boris Rhein (CDU) die Wiederaufnahme des umstr…

Neuregelung des Kfz-Massenscannings in Bayern

Daten-Speicherung.de - minimum data, maximum privacy | 12. Juli 2008 — Neben der hoch umstrittenen Regelung zum geheimen Ausspionieren von Privatcomputern enthält die am 03.07.2008 beschlossene Ände…

Bericht über Kfz-Massenabgleich geleakt

Daten-Speicherung.de - minimum data, maximum privacy | 13. Januar 2012 — Auf der US-Enthüllungsplattform „Public Intelligence“ ist ein hochinteressanter Forschungsbericht nebst Präsentation über „Rech…

Verfassungsbeschwerde gegen automatischen Pkw-Kennzeichen-Massenabgleich in Baden-Württemberg eingereicht

Daten-Speicherung.de - minimum data, maximum privacy | 30. November 2009 — Presseerklärung der Humanistischen Union, Landesverband Baden-Württemberg, vom 30.11.2009: Verfassungsbeschwerde gegen automa…

Kfz-Massenabgleich in Bayern auf dem Prüfstand

Daten-Speicherung.de - minimum data, maximum privacy | 21. September 2009 — Pressemitteilung vom 21.09.2008: Am Mittwoch, den 23.09.2008 um 11 Uhr verhandelt das Verwaltungsgericht München[1] öffentlic…

Bericht über Kfz-Massenabgleich geleakt [ergänzt am 19.01.2012]

Daten-Speicherung.de - minimum data, maximum privacy | 13. Januar 2012 — Auf der US-Enthüllungsplattform „Public Intelligence“ ist ein hochinteressanter Forschungsbericht nebst Präsentation über „Rech…

Evaluierung von Überwachungsbefugnissen in Brandenburg

Daten-Speicherung.de - minimum data, maximum privacy | 8. Januar 2009 — Das brandenburgische Innenministerium hat nach dem Informationsfreiheitsgesetz einen Bericht über Überwachungsmaßnahmen der P…

Brandenburg will verfassungswidrige und unnötige Überwachungsermächtigungen verlängern

Daten-Speicherung.de - minimum data, maximum privacy | 7. Oktober 2008 — Aus einer E-Mail zur aktuell geplanten Verlängerung des Kfz-Massenabgleichs in Brandenburg: Für ein „Auslaufenlassen“ der…

Bayern: Kfz-Massenabgleich verursacht in 99 von 100 Fällen Fehlalarm

Daten-Speicherung.de - minimum data, maximum privacy | 26. Oktober 2011 — Unglaublich, aber – wenn man Bayern glauben darf – wahr: Wenn die 22 bayerischen Kfz-Kennzeichenlesegeräte das Passieren eines …

DIE LINKE - Fraktion im Landtag Brandenburg: Weitere Verlängerung von Kennzeichenfahndung und Handy-Ortung nicht erforderlich
Grüne Fraktion Landtag Brandenburg | Anhörung zur Polizeigesetznovelle hat unsere Bedenken bestätigt | Pressemitteilung | Pressemeldung

Anhörung zur Polizeigesetznovelle hat unsere Bedenken bestätigt Nach der von der Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN beantragten Anhörung zur Novelle des Polizeigesetzes sieht sich die innenpolitische Sprecherin der Fraktion, URSULA NONNEMACHER, in ihren Bedenken bestätigt. Sie kündigte Änderungsanträge ihrer Fraktion zu dem Gesetzentwurf an. „...


Dissens um Handy-Ortung - Der Innenminister will mehr Polizeibefugnisse – doch es gibt Widerstand - Märkische Allgemeine - Nachrichten für das Land Brandenburg

Märkische Allgemeine - Nachrichten - Brandenburg/Berlin - MAZ-Überblick: POTSDAM - Im Streitfall, wenn man sich partout nicht auf neue gesetzliche Regelungen wie bei der Polizei einigen kann, gibt es die Chance der „Befristung“. Dann darf die Befugnis – in diesem Fall die Handy-Ortung und automatische Autokennzeichenerfassung – zwar angewandt werden, aber unter zeitlichem Vorbehalt. In Brandenburg geht das so schon einige Jahre (siehe unten).