Röttgen verspricht Anwohnern in Gorleben größtmögliche Offenheit

Gorleben (Reuters) - Bundesumweltminister Norbert Röttgen hat den Anwohnern in Gorleben ein Höchstmaß an Offenheit bei der Erkundung des Salzstocks als Atomendlager zugesagt.

"Ich bringe ein Angebot für Transparenz und Information mit, dass es in den vergangenen 35 Jahren hier noch nicht gegeben hat", sagte der Minister am Donnerstag in 840 Meter Tiefe bei einem Besuch des Schachts. "Vertrauensbildung ist ganz wichtig." Anders als beim Bahnhofsprojekt Stuttgart21 stehe man noch am Anfang des Projekts und könne die Region umfassend beteiligen. "Ich halte das demokratisch für notwendig, um Akzeptanz zu erreichen", sagte der Minister bei seinem ersten Besuch in der Region.

Unter anderem solle ein Forum im Internet für Transparenz sorgen. Der stellvertretenden CDU-Vorsitzende betonte erneut, die Erkundung bedeute nicht, dass hier auch das Endlager für hochradioaktiven Müll entstehen werde. "Es kann sein, dass wir schon nach kurzer Zeit ein KO-Kriterium finden".

Im Oktober hatte Röttgen das von Rot-Grün verhängte Moratorium über die Erkundung des Gorlebener Salzstocks unter heftigem Protest der Anwohner aufgehoben. Sie argumentieren wie die Opposition im Bundestag, dass mit der Erkundung eine Vorentscheidung für einen Bau getroffen sei. Auf Unverständnis trifft vor allen, dass die Regierung derzeit keine weiteren Standorte für das Lager prüfen will. Die Opposition hat zudem einen Untersuchungsausschuss des Bundestages eingesetzt, mit dem sie nachweisen will, dass Gorleben vor rund 40 Jahren allein aus politischen Gründen als mögliches Endlager bestimmt wurde.

In Gorleben wollte sich Röttgen auch mit Vertretern von Gemeinden und Kirchen sowie dem Rechteinhaber für den Salzstock treffen. Im Zuge der Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke hatte Schwarz-Gelb allerdings auch eine Enteignung möglich gemacht.

Die Laufzeitverlängerung hatte die gesamte Atomdebatte in Deutschland neu angeheizt und auch die Proteste in der Region Gorleben neu entflammen lassen. Zehntausende hatten im November gegen einen Atommülltransport in das Zwischenlager in Gorleben protestiert.



Quelle: Reuters (2. Dezember 2010)

  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Germany , Cdu , Protest , Bundestag , Western Europe , Europe , Opposition , Lager , Norbert , Gorleben , Kirchen , Moratorium , Nuclear Power , German Language - General , German Language - Equities , Government / Politics , Endlager

Erschienen 2. Dezember 2010 bei http://www.reuters.com.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Merkel für weitere Erkundung von Gorleben als Atommüll-Endlager

Reuters | 4. September 2009Berlin (Reuters) - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich für eine weitere Erkundung des Salzstocks Gorleben als Atommüll-Endla…

Opposition: Regierung hat sich auf Atomlager Gorleben festgelegt

Reuters | 16. September 2010Berlin (Reuters) - Die Opposition hat der Bundesregierung vorgeworfen, sich bereits auf Gorleben als Atommüllendlager festgeleg…

Gorleben-Ausschuss nimmt Arbeit auf

Reuters | 22. April 2010Berlin (Reuters) - Der Untersuchungsausschuss zum geplanten Atommüll-Endlager Gorleben nimmt heute (Donnerstag) seine Arbeit au…

Gorleben wird wieder auf Eignung als Atomendlager untersucht

Reuters | 13. März 2010Berlin (Reuters) - Der Gorlebener Salzstock soll nach zehnjähriger Unterbrechung wieder auf seine Eignung als Endlager für ho…

Gabriel lehnt weitere Erkundung von Atommüll-Lager Gorleben ab

Reuters | 3. September 2009 — Remlingen (Reuters) - Bundesumweltminister Sigmar Gabriel schließt eine weitere Erkundung des Salzstocks Gorleben als Atommüll-…

SPD und Grüne einig über Gorleben-Untersuchungsausschuss

Reuters | 24. Februar 2010Berlin (Reuters) - SPD und Grüne haben sich auf den erwarteten Untersuchungsausschuss zum geplanten Atommüll-Endlager in Gorleb…

Umweltministerium nutzt Haushalt für neue Debatte um Atompolitik

Reuters | 22. Juli 2009Berlin (Reuters) - Das Umweltministerium hat den Haushaltsplan der Regierung für eine neue Kontroverse um die Atompolitik und d…

Greenpeace warnt vor Gas im geplanten Atomlager Gorleben

Reuters | 2. November 2010Berlin (Reuters) - Die Umweltorganisation Greenpeace hat vor größeren Mengen Gas im geplanten Atommülllager Gorleben gewarnt. …

Offener Streit in Bundesregierung über Gorleben-Vorwürfe

Reuters | 23. September 2009Berlin (Reuters) - Der Manipulationsverdacht gegen die frühere Regierung Kohl beim geplanten Atommüll-Endlager Gorleben wird ni…

Niedersachsens Umweltminister: Weitere mögliche Atomlager testen

Reuters | 10. November 2010 — Berlin (Reuters) - Der niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander befürwortet die Erkundung von alternativen Zwischen…