Röttgen hält sich bei AKW-Laufzeitverlängerungen bedeckt
Berlin (Reuters) - Aus der Koalition kommen widersprüchliche Signale zu einer Laufzeitverlängerung für die deutschen Atomkraftwerke.
Bundesumweltminister Norbert Röttgen lehnte es in einem am Samstag veröffentlichten Interview ab, sich auf konkrete Verlängerungen festzulegen. Auch zur Frage, ob schon 2010 Atommeiler abgeschaltet werden sollten, verwies der CDU-Politiker auf das geplante energiepolitische Konzept der Bundesregierung. Unionsfraktionschef Volker Kauder betonte dagegen, die Bundesregierung sei zu längeren Laufzeiten bereit.
Röttgen sagte der "Rheinischen Post" auf eine Frage nach dem Umfang längerer Laufzeiten: "Wenn es Laufzeitverlängerungen geben sollte, sollten die zusätzlichen Gewinne zu einem wesentlichen Teil in die Erforschung erneuerbarer Energien fließen." Im energiepolitischen Gesamtkonzept der Regierung, das bis Oktober vorliegen solle, werde der Weg ins Zeitalter der erneuerbaren Energien konkret beschrieben werden. "Darin wird auch die Nutzung der Kernenergie enthalten sein, aber als Brückentechnologie." In dieser Funktion diene sie "der Überführung in die regenerative Energienversorgung".
Der neue Minister hatte vor einigen Tagen erklärt, der Atomausstieg könne nicht rückgängig gemacht werden. Zugleich zweifelte er an, dass längere Laufzeiten für Atomkraftwerke Strom verbilligen würden.
Kauder sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" laut Vorabbericht, die Atomenergie solle solange genutzt werden, bis sie durch erneuerbare Energien verlässlich ersetzt werden könne. "Die Bundesregierung ist deshalb bereit, die unter rot-grün festgelegte ideologisch motivierten starren Laufzeiten der deutschen Kernkraftwerke zu verlängern", unterstrich er.
In einer Grundsatzrede vor dem CDU-Wirtschaftsrat hatte Röttgen die Atomenergie am Freitag überhaupt nicht erwähnt. Zugleich stimmte er die Wirtschaft auf ein radikales Umsteuern als Folge der Klimapolitik in den kommenden Jahren ein und sprach von einem wirtschaftlichen Paradigmenwechsel.
Union und FDP hatten sich in ihrem Koalitionsvertrag grundsätzlich für längere Laufzeiten von Atomkraftwerken ausgesprochen, Details aber offengelassen. Die erwarteten Zusatzgewinne der Betreiber RWE, E.ON, Vattenfall und EnBW sollen zu einem Teil für die Forschung und Vermarktung erneuerbarer Energien verwendet werden.
Quelle: Reuters (28. November 2009)
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Erschienen 28. November 2009 bei http://www.reuters.com.
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