Rezension Zivilrecht: Finanzmärkte

Thießen,Opportunismus und Finanzmärkte, 1. Auflage 2011, Gabler Vonref. iur. David Eckner, Düsseldorf/Vaduz In der Post-Lehman-Dekade ist es kein Leichtes ein Buch über Finanzmärkte unddessen Akteure zu schreiben, ohne dabei stets auf realisierte Gefahren, Regulierungsschwächenund Markt- respektive Staatsversagen hinzuweisen. In keiner anderen Branche hatsich der Fokus so sehr auf Krisenbewältigung verschoben, wie imKapitalmarktsektor. Dabei reichen die Horsd’Oeurves der zahlreichen Autoren von reißerischen Pamphleten wider dieHässlichkeit der Finanzmärkte bis hin zu fein ausmanövriertenErfahrungsberichten mit wissenschaftlichen Thesen, die den goldenen Weg derZukunft vorzeichnen oder dies jedenfalls versprechen. Im Wesentlichen kreist damit faktischjede Veröffentlichung seit 2007 um den Globus der Krise, nicht jedoch dieAbhandlung des Diplomvolkswirtes Friedrich Thießen, Professor fürFinanzwirtschaft und Bankbetriebslehre an der Fakultät fürWirtschaftswissenschaften der Technischen Universität Chemnitz. In seinerersten Auflage kommt „Opportunismus und Finanzmärkte“ merklich aktuell daher,ja geradezu als weitere Wegstrecke im Konus der vorbenannten Legion derKrisenliteratur. Dies täuscht jedoch. Thießen schreibt in Zeiten derBewältigung kein Buch für jene, die eine weitere Erklärung wollen. Er widmetsich einem neuen „alten“ Thema, das mehr als zuvor Beachtung verdient. Es magim Wesentlichen in die ökonomische Forschungsrichtung der Behavorial Approaches eingeordnet werden. Gewonnen ist für denAnsatz von Thießens Publikation damit jedoch wenig – da sie doch so viel mehrverspricht. Thießen untersucht eines der zentralenWechselspiele auf deutschen, europäischen und vor allem globalen Finanzmärkten,das so alt ist, wie die Märkte selbst, aber aktueller ist denn je: „Fressen undGefressen werden“ (Vorwort) alsDeterminanten menschlichen Verhaltens und ihre Wirkung auf die Märkte fürKapital. Sehr zur Freude des Rezensenten erfolgt gleich zu Beginn derUntersuchung die Feststellung, dass es nicht in der Macht des Autors liegt,eine moralische Bewertung von „gutem“ oder „bösem“ Opportunismus derMarktteilnehmer auszusprechen oder gar eine solche populärwissenschaftlicheKategorisierung durch die Hintertür zu „verwissenschaftlichen“. Und doch istdie Darstellung nicht wertungsfrei – ihr liegen jedoch andere Wertungen zuGrunde, als es der aufmerksame Leser von Finanzmarktliteratur in den letztenJahren gewohnt ist. Es geht dem Autor um eine Exegese jenes menschlichenVerhaltens, das als egoistisch zielbezogen definiert wird, und dessenKonsequenzen für die Märkte. Ersteres erfolgt nicht auf loser Grundlage odergar eigenen Kreationen wissenschaftlicher Thesen, sondern auf dem bewährtenKomplex biologisch begründetem Entscheidungsverhalten von Menschen. Man darfgerade diesen Ansatz in die höheren Gefilde der rational choice theory einsortieren. Das Gebrauchen klassischerbiologischer Resultate menschlichen Verhaltens macht …

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Themen: Chemnitz , Lehman
Rechtsgebiet: Zivilrecht

Erschienen 2. Dezember 2011 auf http://dierezensenten.blogspot.com.

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