Regierung rechnet mit sinkenden Rentenbeiträgen ab 2015
Reuters | 18. November 2009 — Meseberg (Reuters) - Die Renten werden nach Einschätzung der Bundesregierung bis zum Jahr 2023 um durchschnittlich gut 1,6 Proz…
Berlin (Reuters) - Nach der Nullrunde in diesem Jahr können die rund 20 Millionen Rentner wieder mit einer Anhebung ihrer Bezüge rechnen.
Zum 1. Juli 2011 könnten die Renten nach ersten Berechnungen der Deutschen Rentenversicherung um etwa ein Prozent steigen, wie Vorstandschefin Annelie Buntenbach am Dienstag in Würzburg mitteilte. Die genaue Höhe legt die Bundesregierung im Frühjahr fest.
Die Ruheständler profitieren damit von der Erholung der Wirtschaft. Sie sorgt für steigende Löhne und Gehälter, an deren Entwicklung die Rente gekoppelt ist. Aber auch die Beitragszahler können mittelfristig auf eine Entlastung hoffen: Der Beitragssatz könnte nun doch schon im Jahr 2014 um 0,6 Punkte auf 19,3 Prozent sinken.
BUNTENBACH: ANHEBUNG WOMÖGLICH UNTER HARTZ-IV-ANPASSUNG
Das Arbeitsministerium verwies darauf, dass die endgültigen Daten des Statistischen Bundesamtes zur Lohnentwicklung erst im März vorlägen. "Die Trends sind unbestreitbar positiv", sagte eine Ministeriumssprecherin. "Dabei gilt wie immer: Wenn die Löhne stärker steigen, tun dies auch die Renten."
Die Renten waren zuletzt 2009 im Westen Deutschlands um 2,41 Prozent und im Osten um 3,38 Prozent gestiegen. Im laufenden Jahr hatte nur die Rentengarantie verhindert, dass die Bezüge wegen der 2009 krisenbedingt gesunkenen Löhne gekürzt wurden.
Die Berechnungen stützen sich auf die Annahmen der Regierung zur wirtschaftlichen Entwicklung in diesem und im nächsten Jahr. Obwohl die Lohn- und Gehaltssumme deutlich zulegt, steigen die Renten geringer, da noch die Ausgaben der Arbeitnehmer für die private Altersvorsorge sowie ein Ausgleich für unterbliebene Rentenminderungen der vergangenen Jahre abgezogen werden.
Diese Renten-Dämpfer könnten dazu führen, dass die Renten langsamer steigen als das Arbeitslosengeld II für Bezieher von Hartz IV. "Sollten tatsächlich die Regelsätze höher als die Renten angepasst werden, könnte dies die Akzeptanz der gesetzlichen Rentenversicherung in der Bevölkerung belasten", warnte Buntenbach, die auch DGB-Vorstandsmitglied ist.
Der Sozialverband VdK erklärte, die Rentner würden von der positiven wirtschaftlichen Entwicklung abgehängt. "Die Schere zwischen den Einkommen der Arbeitnehmer und den Einkommen der Rentner geht weiter auseinander", sagte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. Der VdK fordere, die Renten wieder im Gleichschritt mit Löhnen und Gehältern ohne Abstriche anzuheben. Zusatzbeiträge der Krankenversicherung erhöhten den Kaufkraftverlust der Rentner. "Das sind unterm Strich keine guten Zukunftsaussichten für Rentnerinnen und Rentner", erklärte Mascher.
BEITRAGSSENKUNG 2014 MÖGLICH
Die gute Erholung der Konjunktur beschert zudem der Rentenversicherung schneller als erwartet volle Kassen. Bereits im Jahr 2014 könne der Beitragssatz zur Rentenversicherung nach ihren Schätzungen um 0,6 Punkte auf 19,3 Prozent gesenkt werden. Vor wenigen Wochen war die Behörde noch davon ausgegangen, dass die für 2014 geplante Entlastung der Beitragszahler ausfällt.
Für dieses Jahr rechnet die Rentenversicherung mit einem Überschuss von 1,3 Milliarden Euro, mit dem sie ihre Reserven auffüllt. Zum Jahresende hätte die Rentenkasse dann rund 18 Milliarden Euro auf der hohen Kante, was 1,07 Monatsausgaben entspreche. Erst wenn das Polster das 1,5-fache einer Monatsausgabe erreicht hat, darf der Beitragssatz sinken.
Erschienen 9. November 2010 bei http://www.reuters.com.
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