Regierung verteidigt Initiative zur Betreung Demenzkranker

Berlin (Reuters) - Die Bundesregierung hat den geplanten Einsatz von Langzeitarbeitslosen bei der Betreuung von Demenzkranken gegen Kritik von Pflegeexperten und Opposition verteidigt.

Vorgesehen sei, Arbeitslose mit Erfahrungen im Pflegebereich zu mobilisieren und nachzuschulen, erklärte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums am Montag in Berlin. Diese sollten Tätigkeiten übernehmen, für die die Fachkräfte in der Regel keine Zeit hätten: den Demenz-Kranken vorzulesen, mit ihnen zu spielen, zu basteln, zu singen oder einzukaufen. Damit werde ein humanes Projekt mit arbeitsmarktpolitischen Möglichkeiten verbunden. Auch das Arbeitsministerium sprach von einer Situation, die allen Betroffenen weiterhelfe.

Bezahlt werden dürften die Arbeitslosen wie andere Pflegehilfskräfte, erläuterte der Sprecher von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt. Von sogenannten "Ein-Euro-Jobs" sei "absolut nicht" die Rede.

In Betracht kämen für die Betreuung der kranken und alten Menschen vor allem die rund 15.000 Menschen in den Karteien der Bundesagentur für Arbeit (BA), die früher schon einmal in einem Pflegeberuf tätig gewesen seien. Oftmals handele es sich um Frauen, die wieder zurück ins Berufsleben wollten. Sie sollten möglichst schnell eingesetzt werden. Die Pflegeassistenten sind Bestandteil der Pflegereform, die am 1. Juli in Kraft trat.

Die konkrete Richtlinie für den Einsatz will der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) am Dienstag verabschieden. Danach hat das Gesundheitsministerium als Aufsichtsbehörde vier Wochen Zeit, um diese zu genehmigen oder abzulehnen.

Ein Entwurf der Richtlinie nennt eine Reihe von Anforderungen an die Betreuungskräfte, wie aus einem Reuters vorliegenden Papier der BA hervorgeht. Gefordert werden demnach eine "positive Haltung gegenüber Kranken, Behinderten und alten Menschen", soziale Kompetenz und kommunikative Fähigkeiten, Einfühlungs- und Beziehungsfähigkeit, die Bereitschaft und Fähigkeit zur nonverbalen Kommunikation sowie Fantasie, Kreativität und Flexibilität und Gelassenheit im Umgang mit verhaltensbedingten Besonderheiten. Zur zeitnahen Vermittlung sollen Bewerberpools eingerichtet werden.

Von Pflegeexperten und der Opposition war die Frage aufgeworfen worden, ob Langzeitarbeitslose für diese sensible Aufgabe geeignet sind.



Quelle: Reuters (18. August 2008)

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Themen: Berlin , Sprecher , Regierung , Opposition

Erschienen 18. August 2008 bei http://www.reuters.com.

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