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Regierung pessimistisch bei Konjunktur

am 10.07.2008 von Reuters | Inlandsnachrichten

Berlin (Reuters) - In der Bundesregierung macht sich im Gegensatz zu den Konjunkturforschern des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Konjunkturpessimismus breit.

Die vorliegenden Indikatoren deuteten auf einen kräftigen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal hin, erfuhr Reuters von einer Person in der Regierung, die mit diesem Thema vertraut ist. Erste Berechnungen (...) kommen zum Ergebnis, dass das reale Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal saison- und kalenderbereinigt zwischen minus 0,75 und minus 1,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal abgenommen haben könnte, sagte die Person. Damit dürfte für das erste Halbjahr nur noch eine Entwicklung zwischen Stagnation und einem Wachstum von reichlich 0,25 Prozent bleiben. Das DIW geht dagegen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal mit einem Plus von 0,2 Prozent den Absturz ins Minus vermieden hat.

In Regierungskreisen jedoch hieß es, der erwartete Rückschlag nach dem stark wachsenden ersten Quartal sei stärker als erwartet ausgefallen. Die negative Entwicklung gehe vor allem auf die Industrie und den Bau zurück. Für eine weiter schwache Entwicklung auch im zweiten Halbjahr sprächen die rückläufigen Auftragseingänge. Allerdings erscheine es möglich, dass trotz dieser negativen Faktoren die Regierungsprognose eines Wachstums von 1,7 Prozent in diesem Jahr noch gehalten werden kann. Man gehe davon aus, dass aber viele Konjunkturexperten ihre gerade erst nach oben revidierten Prognosen werden wieder senken müssen. Die Regierung wird ihre Prognose am 16. Oktober aktualisieren.

Deutlich positiver äußerte sich das DIW. Er sieht zwar die Konjunktur nach dem kraftvollen Start ins Jahr zunehmend auf die Kriechspur geraten. Der Sommer, also das dritte Quartal, werde aber mit einem Plus von 0,3 Prozent wieder geringfügig besser ausfallen als im Vorquartal mit 0,2 Prozent. Dagegen hatte das Ifo-Institut zuvor bereits vorausgesagt, dass die Wirtschaft im zweiten Quartal ins Minus rutschen werde.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück geht von einem schlechten zweiten Quartal aus. Danach werde sich das Wachstum im dritten und vierten Quartal allerdings wieder verstetigen. Die Regierungsprognose für 2009 lautet auf 1,2 Prozent.

Angesichts zuletzt schwächerer Zahlen bei Produktion und Auftragseingang zeichnet sich laut DIW im Sommer für das Produzierende Gewerbe erstmals seit vier Jahren ein Rückgang ab. Das Minus werde nach dem kräftigen Wachstum im ersten Halbjahr jedoch mit 0,3 Prozent moderat ausfallen.

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