Regierung bekennt sich zu BND-Mitarbeitern im Kosovo

Berlin (Reuters) - Die Bundesregierung hat erstmals eingeräumt, dass es sich bei den drei inhaftierten Deutschen im Kosovo tatsächlich um BND-Beamte handelt.

Die Regierung habe das Parlamentarische Kontrollgremium (PKG) informiert, dass die Männer im Kosovo für den Bundesnachrichtendienst tätig gewesen seien, sagte der SPD-Politiker und PKG-Vorsitzende Thomas Oppermann am Donnerstag in Berlin nach einer Sondersitzung des geheim tagenden Gremiums. Zum konkreten Auftrag der BND-Leute wollte er sich nicht äußern. Die Opposition forderte die Regierung auf, den Fall endlich selbst in der Öffentlichkeit zu erklären und nicht nur hinter verschlossenen Türen im Geheimdienst-Ausschuss.

Der Linkspolitiker Wolfgang Neskovic sprach verärgert von einem völlig überflüssigen Treffen, nach dem der Sachverhalt weiter unklar sei. Eine Bewertung des Falles sei weiter unmöglich, kritisierte er. Vor dem Sitzungssaal und laufenden Kameras lieferte sich Neskovic ein Wortgefecht mit dem Unions-Abgeordneten Bernd Schmidbauer, der seiner Darstellung heftig widersprach.

Auch Grüne und FDP verlangten von der Bundesregierung weitere Informationen im Geheimdienst-Ausschuss. Nach derzeitigem Kenntnisstand lasse sich aber nicht erkennen, mit welchen Beweisen die kosovarischen Behörden die Inhaftierung der drei Deutschen rechtfertigen wollten, sagte der Liberale und stellvertretende PKG-Chef Max Stadler. Ihm seien weder überzeugende Beweise noch ein plausibles Motiv ersichtlich.

Oppermann forderte eine sofortige Freilassung der drei BND-Mitarbeiter. Sie seien seit neun Tagen unter nicht hinnehmbaren Bedingungen in Haft, obwohl es keine Anhaltspunkte für ihre Verwicklung in den Anschlag auf die EU-Verwaltung in Pristina gebe, kritisierte der SPD-Politiker. Die drei Männer würden in sechs bis acht Quadratmeter großen Zellen festgehalten, die sie sich jeweils mit zwei weiteren Gefangenen teilen müssten.

Zum konkreten Auftrag der BND-Beamten wollte sich Oppermann nicht äußern. Er verwies lediglich darauf, dass die Bundeswehr mit knapp 2700 Soldaten im Kosovo im Einsatz ist. Aufgabe des BND sei es, mit seinen Erkenntnissen die Sicherheit der Soldaten zu gewährleisten, sagte Oppermann. An der Sondersitzung nahm auch BND-Chef Ernst Uhrlau teil.

Die drei Deutschen sitzen seit dem Wochenende im Kosovo in Untersuchungshaft. Die kosovarischen Behörden verdächtigen sie, einen Anschlag auf die EU-Verwaltung in Pristina verübt zu haben.



Quelle: Reuters (27. November 2008)

  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Berlin , Kosovo , Regierung , Bnd

Erschienen 27. November 2008 bei http://www.reuters.com.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Opposition fordert Aufklärung über Festnahmen im Kosovo

Reuters | 27. November 2008Berlin (Reuters) - Die Opposition hat vor einer Sitzung des Geheimdienst-Ausschusses energisch Aufklärung über die Festnahme vo…

Kreise: BND-Agenten im Kosovo kurz vor Freilassung

Reuters | 28. November 2008 — Pristina (Reuters) - Die drei im Kosovo inhaftierten BND-Agenten stehen nach Angaben aus Kreisen der Regierung in Pristina kurz…

Zeitung: In Pristina inhaftierte BND-Beamte kommen Freitag frei

Reuters | 28. November 2008Berlin (Reuters) - Die drei im Kosovo inhaftierten Beamten des Bundesnachrichtendienstes (BND) kommen einem Zeitungsbericht zuf…

Anwalt: BND-Agenten in Pristina sind frei

Reuters | 29. November 2008 — Pristina (Reuters) - Die drei im Kosovo inhaftierten BND-Agenten sind wieder auf freiem Fuß. Dies erklärte ein Anwalt der Män…

BND-Chef Uhrlau wegen Auslandsaktivitäten unter Druck

Reuters | 8. Dezember 2008Berlin (Reuters) - Der Chef des Bundesnachrichtendienstes, Ernst Uhrlau, gerät wegen mehrerer umstrittener Auslandsaktivitäten …

Minister - Vorerst kein weiterer Bundeswehr-Abzug aus dem Kosovo

Reuters | 29. März 2010 — Pristina (Reuters) - Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg will frühestens im Herbst einen weiteren Truppenabz…

Bund will 14.000 ehemalige Flüchtlinge in den Kosovo abschieben

Reuters | 14. Oktober 2009Berlin (Reuters) - Die Bundesregierung will 14.000 ehemalige Flüchtlinge in den Kosovo abschieben. Noch im Laufe des Herbsts …

BND-Chef Uhrlau unter Druck

Reuters | 8. Dezember 2008Berlin (Reuters) - Der Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND), Ernst Uhrlau, gerät wegen mehrerer umstrittener Aktionen seine…

14.000 Menschen sollen in den Kosovo abgeschoben werden

Reuters | 14. Oktober 2009Berlin (Reuters) - Die Bundesregierung bereitet die Abschiebung von 14.000 Flüchtlingen in den Kosovo vor. Noch im Laufe des …

Guttenberg reist zu Truppenbesuch auf den Balkan

Reuters | 29. März 2010Berlin (Reuters) - Bundesverteidigungsminister Karl- Theodor zu Guttenberg reist heute (Montag) zu einem zweitägigen Truppenbes…