Regierung: Aufschwung wegen Aschewolke nicht in Gefahr

Berlin (Reuters) - Die Auswirkungen des Flugverbots auf die deutsche Wirtschaft halten sich nach Angaben der Bundesregierung in Grenzen.

"Für volkswirtschaftliche Worst-Case-Szenarien besteht kein Anlass", sagte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle am Mittwoch in Berlin. Produktionsausfälle könnten wieder aufgeholt. Der DIHK schätzt, dass der Wirtschaft in Folge der Vulkan-Aschewolke täglich etwa eine Milliarde Euro verloren geht. Vor allem auf die Airlines dürften immense Kosten zukommen. Der internationale Luftfahrtverband IATA schätzt, dass die ohnehin von der Wirtschaftskrise gebeutelten Fluggesellschaften allein bis Dienstag mehr als 1,27 Milliarden Euro Umsatz eingebüßt haben.

"Für eine Branche, die vergangenes Jahr knapp sieben Milliarden Euro Verluste gemacht hat, ist diese Krise zerstörerisch", sagte IATA-Chef Giovanni Bisignani. An den drei Tagen bis Montag, als die Unterbrechungen am massivsten waren, hätten sich die Ausfälle auf knapp 300 Millionen Euro täglich belaufen, so der Verband, der rund 230 Fluggesellschaften weltweit vertritt. In welchem Ausmaß Kosten auf den deutschen Branchenprimus Lufthansa zukommen, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar. "Den wirtschaftlichen Schaden für die Lufthansa kann ich heute noch nicht abschätzen, aber er ist erheblich", sagte Konzern-Chef Wolfgang Mayrhuber in Berlin. Analysten zufolge büßte die Airline wegen der Flugunterbrechungen täglich etwa 20 bis 25 Millionen Euro ein.

Mayrhuber sagte, er rechne binnen 48 Stunden mit einer Rückkehr zum regulären Flugbetrieb seines Unternehmens. Die Fracht-Tochter Lufthansa Cargo wollte ab Donnerstag wieder regulär fliegen. Bis die Fluggesellschaften den "Stau" abarbeiten, dürften Experten zufolge aber mehrere Tage oder sogar Wochen vergehen. British-Airways-Chef Willie Walsh sagte dem Fernsehsender BBC, es werde Wochen dauern, bis der Flugbetrieb wieder das normale Niveau erreicht haben werde.

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport bezifferte die Kosten wegen des Flugverbots auf bis zu 15 Millionen Euro. Dies sei jedoch eine erste grobe Rechnung, teilte das Unternehmen mit.

DIHK - NICHT EINSEITIG AUF FLUGVERKEHR SETZEN

Zu Engpässen kam es bereits bei BMW. Der Münchener Autobauer musste schon am Dienstag im Dingolfinger Werk die Bänder abschalten, weil wichtige Teile fehlten, die international eingekauft werden. Auch die Werke in Regensburg und München sind nach Firmenangaben betroffen. Die Produktion soll in allen drei Werken am Freitag wieder aufgenommen werden. BMW dürfte aber mit einem blauen Auge davonkommen. Die Produktion der rund 7000 Fahrzeuge, die insgesamt ausfällt, soll nachgeholt werden. Die Gespräche mit dem Betriebsrat laufen. Von dem Produktionsstopp ist auch der neue 5er betroffen, der erst seit März auf dem Markt ist und zu den verkaufsstärksten Reihen von BMW zählt.

Die Deutsche Post hofft, den Flugbetrieb an ihrem Drehkreuz in Leipzig bald wieder aufnehmen zu können. Dann könnte der Konzern dort auch wieder mit Nachtflügen beginnen, sagte ein Sprecher der Expresstochter DHL. An normalen Tagen kommt es in Leipzig zu bis zu 100 Starts und Landungen von Flugzeugen der Post. Die Interkontinental-Flüge liefen bereits wieder normal, sagte der Sprecher weiter. Die innereuropäischen Verbindungen sollten sich bis zum Abend weitgehend normalisieren. Zu Kosten wollte sich der Sprecher nicht äußern.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rief die Unternehmen auf, aus dem Flugchaos Lehren zu ziehen und ihre Abhängigkeit vom Flugzeug zu reduzieren. "Wir machen ja gerade jetzt die Erfahrung, dass wir nicht einseitig auf den Flugverkehr setzen können", sagte DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftman dem "Tagesspiegel". Wie die IATA forderte er kurzfristig eine Aussetzung des Nachtflugverbotes, damit Firmen die Verluste der vergangenen Tage wieder wettmachen könnten.

Der deutsche Luftraum ist seit Mittwochvormittag wieder voll geöffnet. Zu ersten Ausfällen und Unterbrechungen des Flugverkehrs in Europa wegen der Vulkan-Aschewolke aus Island war es am Donnerstag vergangener Woche gekommen. Nach Angaben der IATA waren im schlimmsten Fall 29 Prozent des internationalen Flugverkehrs und 1,2 Millionen Passagiere pro Tag betroffen.



Quelle: Reuters (21. April 2010)

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Themen: Germany , Schäden , Lufthansa , Western Europe , Europe , German General News , German Equities , Weather , Corporate Results , Corporate Results Forecasts , Zeitpunkt , Bbc , Airlines , Fernsehsender , Worst Case , Nordic Countries , Industrials , Air Transport , Transportation , Iceland

Erschienen 21. April 2010 bei http://www.reuters.com.

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