Reeder der "Hansa Stavanger" weist Vorwürfe zurück

Hamburg/Berlin (Reuters) - Die Reederei des freigelassenen Frachters "Hansa Stavanger" macht die Piraten für die schleppende Lösung des Geiseldramas verantwortlich.

"Piraten sind keine verlässlichen Gesprächspartner... Das hat eine Lösung erheblich erschwert, und das hat viele wertvolle Zeit gekostet", erklärte der Reeder Frank Leonhardt am Dienstag in Hamburg. Er wies damit Vorwürfe zurück, seine Reederei sei ihrer Fürsorgepflicht für die Besatzung während der Geiselnahme nicht hinreichend nachgekommen.

Die "Hansa Stavanger" und ihre Crew, unter ihnen fünf Deutsche, nahm derweil Kurs auf die kenianische Hafenstadt Mombasa. Sie wird von der deutschen Fregatte "Brandenburg" eskortiert.

"Meine Verantwortung hat während dieser langen Zeit in erster Linie der sicheren Befreiung unserer Seeleute gegolten", betonte Leonhardt. Das Verhandlungsgebaren der Piraten habe eine Lösung jedoch erschwert. Viele Aussagen seien schon wenige Stunden später nichts mehr wert gewesen. "Bei den Piraten haben wir es mit skrupellosen Kriminellen zu tun, welche den psychischen Druck auf die Besatzung und deren Angehörige rücksichtslos zum Durchsetzen ihrer Ziele benutzen", kritisierte der Reeder. Die Seeleute und ihre Angehörigen hätten für eine unerträglich lange Zeit eine unzumutbare seelische Belastung ertragen müssen.

In Mombasa werde ein Team der Reederei die Besatzung der "Hansa Stavanger" empfangen, kündigte Leonhardt an. Vor dem Rückflug in ihre Heimatländer würden sich die Seeleute zunächst in einem Hotel von den größten Strapazen erholen. Der Besatzung gehe es den Umständen entsprechend gut. Unklar war zunächst, wann der Frachter Mombasa erreichen wird. Das Schiff kommt nach Aussage von Marineexperten nur langsam voran, weil sich in der langen Liegezeit Muscheln an seinem Rumpf festgesetzt haben.

Die deutschen Fregatten "Rheinland-Pfalz" und "Brandenburg" waren dem Frachter schon am Montagabend kurz nach der Freigabe durch die Piraten zur Hilfe geeilt. Soldaten seien an Bord der "Hansa Stavanger" gegangen, hätten die Besatzung mit Lebensmitteln versorgt und medizinische Hilfe angeboten, erklärte die Bundeswehr. Die Piraten hätten auf dem Frachter größere Mengen Patronenhülsen und Blindgänger zurückgelassen. Feldjäger sicherten die Spuren. Die Bundeswehr habe die "Hansa Stavanger" von Beginn der Geiselnahme an permanent mit mindestens einem Schiff und einem Aufklärungsflugzeug beobachtet, um dem Krisenstab ein umfassendes Lagebild zu liefern.

Die Piraten hatten die "Hansa Stavanger" und ihre Besatzung am Montag nach vier Monaten freigegeben und dafür nach eigenen Angaben ein Lösegeld von 2,7 Millionen Dollar erhalten. Das 20.000 Tonnen große Schiff war am 4. April 400 Seemeilen von Somalia entfernt gekapert worden. An Bord sind fünf Deutsche, drei Russen, zwei Ukrainer und 14 Philippiner. Ein Versuch, die Seeleute mit Hilfe der Polizei-Elitetruppe GSG 9 zu befreien, war vor einigen Wochen kurz vor Beginn der Aktion abgebrochen worden.

Die Piraten machen seit einigen Jahren den vielbefahrenen Seeweg zwischen Europa und Asien im Indischen Ozean und im Golf von Aden unsicher. Sie haben viele Millionen Dollar Lösegeld erpresst. Zur Bekämpfung der Piraterie ist eine internationale Flotte von Kriegsschiffen im Einsatz, an der sich auch die deutsche Marine beteiligt.



Quelle: Reuters (4. August 2009)

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Themen: Somalia , Berlin , Germany , Hamburg , Legislation , Western Europe , Europe , National And International Security , Diplomacy; International Relations , German General News , Crime; Law Enforcement , European Union , Judicial Processes/court Cases/court Decisions , Africa , Schiff , Defence , Marine (sub-industry) , Kenya , Marine Services

Erschienen 4. August 2009 bei http://www.reuters.com.

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