Realität trifft Schein “Anwalts Liebling” oder “Danni Lowinski”

Realität trifft Schein„Anwalts Liebling“ oder „Danni Lowinski“

Meine entzückende und noch sehr junge Praktikantin ist desillusioniert. Nicht weil sie nicht alle Seiten eines Kanzleialltags mitbekommen hätte, sondern weil sie sich die Arbeit in einer Kanzlei und den Berufsalltag eines Anwalts so gaaaaaanz anderes vorgestellt hat.

Morgens früh um acht bereits an einem Schreibtisch sitzen, ja- das sei normal. Den ganzen Tag Bücher wälzen, viel schreiben und telefonieren und immer wieder Mandanten mit langweiligen Kündigung, Mieterhöhung und so Alltäglichkeiten, so habe sie sich das nicht vorgestellt. Und vor Gericht, da würde praktisch ja auch nicht viel passieren – außer, dass die Anwälte ein bisschen was erzählen und der Richter dann noch nicht mal gleich ein Urteil spricht. Selbst die Strafsache wäre langweilig gewesen, da hätte man ja gar nicht vor Ort recherchiert und das obwohl die Fotos in der Akte doch so gruselig gewesen wären. Sie hätte gedacht, es sei alles viel spannender, man würde viel mehr draußen sein und viel beobachten, auch mal Leuten nachspionieren von denen man wisse, dass sie ja lügen, um sie zu überführen. Oder die Stalkerin, da hätte sie gedacht man sollte, dieser mal eine Falle stellen, das wäre doch spannend. Die Mandanten wären ja sehr nett, aber sie dachte man würde mit denen viel mehr unternehmen. Also Anwalt, das wäre dann doch eher nichts für sie. Viel zu langweilig. Sie habe gedacht, es sei viel spannender – eher so wie man es auch im Fernsehen sieht.

Ohaa, welch Bild des Anwaltsdaseins offenbart sich da? Anwalts Liebling, Danni Lowinski, Der Dicke, Ally McBeal, Edel & Stark, Boston Legal?

Ist den letzten drei wenigstens noch gemeinsam, dass die Kanzleien den Eindruck machen, dass man sich mit dem Beruf ernähren will und kann, so scheinen die ersten drei doch eher dem Hungertuch mit Herz und ganz viel freier Zeit verschrieben zu haben. Klar, das Herz an der rechten Stelle, aber der Magen hängt in den Knien; ab und an ein Käsebrötchen von der netten Mandantin und wenn´s gar nicht mehr geht, findet sich immer jemand der einem zum Essen einlädt- zwischen zwei „Recherchen“ vor Ort und einem Bierchen an der Theke.

Tja, ich bin „nur“ normal arbeitende Anwältin und muss meinen Lebensunterhalt selbst verdienen, die Kanzleiräume und meine Mitarbeiter bezahlen und da sind noch ganz viele andere Kosten, die die meisten sich nicht vorstellen wollen. Nein, ich bin keine Seelsorgerin, na ja ab und an vielleicht auch, keine Sozialarbeiterin der Straße und auch kein Detektiv, der sich nachts in fremden Wohnung rum treibt. Wer würde auch sonst hier die ganze notwendige Schreibarbeit erledigen, mit dem Gegner und den Mandanten telefonieren, Besprechungstermine wahrnehmen und vor Gericht die Mandanten vertreten?

Ich bin zwar blond und trage auch mal Overknee-Stiefel, aber mein Ausschnitt bei der Arbeit ist eher sittsam, der Rock…

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Themen: München , Telefonieren , Bild , Schreibtisch , Schein , Boston Legal , Ally Mcbeal , Danni , Simone Weber , Rechtsanwältin Simone Weber , Anwaltsliebling Oder Danni Lowinski , Danny Crane , Der Dicke , Edel& Stark , Kanzleialltag Versus Anwaltsserien , Nüchterne Anwaltsrealität , Realtität Trifft Schein

Erschienen 29. April 2011 auf http://rechtsanwalt-muenchen.net.

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