Rauschtrinken bei Jugendlichen weiter im Trend

Berlin (Reuters) - Bei deutschen Jugendlichen liegt massiver Alkohol-Konsum weiter im Trend.

20,4 Prozent von ihnen seien mindestens einmal im Monat betrunken, sagte die Drogenbeauftragte Sabine Bätzing am Montag in Berlin bei der Vorstellung ihres Drogen- und Suchtberichts. Fast jeder zehnte Jugendliche (8,2 Prozent) zwischen zwölf und 17 Jahren weise einen riskanten oder gefährlichen Konsum von Alkohol auf. Alarmierend sei auch, dass 23.165 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 20 Jahren im Jahr 2007 zum Teil bewusstlos wegen einer Alkoholvergiftung in einer Klinik hätten behandelt werden müssen. Dies ist die höchste Zahl seit der ersten Erhebung im Jahr 2000 und entspricht einer Zunahme um 143 Prozent seither.

Als positiv hob Bätzing hervor, dass weniger Jugendliche (17,2 Prozent) überhaupt Alkohol tränken. 2001 seien es noch 21,2 Prozent gewesen. Auch die Anzahl rauchender Jugendlicher zwischen zwölf und 17 Jahren sank im selben Zeitraum von 28 Prozent auf 15,4 Prozent. Dennoch rauchten in Deutschland im europäischen Vergleich nach wie vor zu viele Kinder und Jugendliche, mahnte die SPD-Politikerin. Bätzing forderte die Union auf, einen bereits ausgehandelten Kompromiss für ein nationales Aktionsprogramm zur Tabak- und Alkoholprävention nicht länger zu blockieren. CDU und CSU dürften "wahlpolitischen und wirtschaftlichen Interessen" keinen höheren Stellenwert zubilligen als dem Jugendschutz.

In dem Aktionsplan gehe es unter anderem darum, dass der Jugendschutz besser kontrolliert und eingehalten werde, damit Alkohol nicht an Jugendliche gelange. Auch gehe es dabei um eine bessere Selbstregulierung der Werbung, ein Verbot von Werbeplakaten für Tabak ab 2012 und Warnhinweise mit Bild auf Zigarettenschachteln. Bätzing bemängelte, die SPD habe viele Zugeständnisse an die Union gemacht. Diese sage aber nicht konkret, worauf sie ihre weitere Ablehnung stütze.

BIS ZU SIEBEN PROZENT DER INTERNETNUTZER ONLINESÜCHTIG

Der Bericht warnt erstmals auch vor den Suchtgefahren durch Computer und Internet. Studien zufolge gälten schon jetzt drei bis sieben Prozent der Internetnutzer als "onlinesüchtig", ebenso viele würden als stark suchtgefährdet eingeschätzt, sagte die Drogenbeauftragte. Diese Entwicklung werde sich fortsetzen. Erforderlich seien daher gute Beratungs- und Hilfsangebote.

Besorgt zeigte sich Bätzing über die erneut gestiegene Zahl an Drogentoten. Nach den bereits im März vorgelegten Zahlen starben im vorigen Jahr 1449 Menschen und damit vier Prozent mehr als im Vorjahr an einer Überdosis Rauschgift. Auch in den kommenden Jahren sei wegen des angeschlagenen Gesundheitszustandes vieler älterer Drogensüchtiger mit einem Anstieg zu rechnen. Bätzing warb in diesem Zusammenhang für die fortgesetzte Behandlung von Schwerst-Opitatabhängigen mit Diamorphin, da sich mit der Ersatzdroge der Gesundheitszustand verbessere und die Chancen auf eine Drogenabstinenz erhöhten.

Insgesamt geht Studien zufolge der Konsum von Kokain, Opiaten, Amphetaminen oder Ecstasy stabil oder leicht zurück. Rund ein Prozent der Bevölkerung nehme Amphetamine und Ecstasy, Kokain benutzten 0,4 Prozent der Deutschen, sagte Bätzing.



Quelle: Reuters (4. Mai 2009)

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Erschienen 4. Mai 2009 bei http://www.reuters.com.

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