Radsportler sind schliesslich keine Politiker
am 23.07.2007 von strafprozess
Die Staatsanwaltschaft Bonn führt ein Strafverfahren wegen Verdachts des Betrugs und Arzneimitteldelikten gegen Jan Ullrich. Im Rahmen eines Rechtshilfeverfahrens edierte die Staatsanwaltschaft des Kantons Thurgau Unterlagen über eine Bankverbindung Ullrichs in der Schweiz. Diese Unterlagen werden nun an die deutschen Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet. Die Beschwerden beim Bundesstrafgericht und nun auch beim Bundesgericht (Urteil 1C_138/2007 vom 17.07.2007) blieben ohne Erfolg.
Das Bundesgericht trat entsprechend seiner sich festigenden Praxis zu Art. 84 Abs. 2 BGG auf die Beschwerde Ullrichs gar nicht erst ein. Den möglichen Knackpunkt der beidseitigen Strafbarkeit (Doping kann nach schweizerischem Recht kaum als Betrug qualifiziert werden) knackten die Gerichte über das Bundesgesetz über die Förderung von Turnen und Sport, das systematisch bei der Schulgesetzgebung angesiedelt ist:
Gemäss Art. 11f des Bundesgesetzes über die Förderung von Turnen und Sport wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft, wer Mittel zu Dopingzwecken herstellt, einführt, vermittelt, vertreibt, verschreibt oder abgibt oder Methoden zu Dopingzwecken an Dritten anwendet (…). Nach der zutreffenden Ansicht der Vorinstanz wird das Y. im Rechtshilfeersuchen vorgeworfene Verhalten offensichtlich von dieser Strafbestimmung erfasst.
Damit ist das Erfordernis der beidseitigen Strafbarkeit erfüllt, sind Zwangsmassnahmen in der Schweiz folglich zulässig und es muss nicht geprüft werden, ob der im Ersuchen geschilderte Sachverhalt zusätzlich unter den Tatbestand des Betruges nach Art. 146 StGB falle. Hätte sich der Sachverhalt in der Schweiz zugetragen, hätten die hiesigen Behörden ein Strafverfahren wegen Widerhandlung gegen Art. 11f des Bundesgesetzes über die Förderung von Turnen und Sport eröffnen und die in Frage stehenden Bankunterlagen beschlagnahmen können. Wenn der Beschwerdeführer …
Ullrich verliert vor Gericht
Handakte WebLAWg / Die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts in Bellinzona (Schweiz) hat eine Beschwerde von Jan Ullrich gegen die Übermittlung von Beweismitteln an die deutschen Behörden abgelehnt. Nach der Hausdurchsuchung beim unter Doping-Verdacht stehenden Ul…
Gewonnen oder verloren?
strafprozess / In einem Strafverfahren kann man bekanntlich auch dann als Verlierer dastehen, wenn der Richter den Hauptanträgen der Verteidigung vollumfänglich entspricht.Einen solchen Fall hatte das Bundesgericht auf staatsrechtliche Beschwerde hin wegen Verwei…
Ein Fall für Strassburg?
strafprozess / Gegen X. wird ein Strafverfahren durchgeführt wegen Verdachts der Ausnützung einer Notlage und der sexuellen Belästigung. Im Zuge dieser Strafuntersuchung verfügten die Strafverfolgungsbehörden die Durchsuchung der Räumlihckeiten von X. nach po…
Hausdurchsuchung bei Jan Ullrich
strafprozess / Wie die NZZ berichtet, wurde das Wohnhaus von Jan Ullrich durchsucht. Die Durchsuchung fand im Rahmen eines Verfahrens der Bonner Staatsanwaltschaft amtshilfeweise in der Schweiz statt. Interessant daran ist u.a. die Begründung des Betrugsverdachts…
Reduzierte Gerichtsgebühr dank Fehlern der Bundesanwaltschaft
strafprozess / In einem bereits vom Ausgangssachverhalt her interessanten Rechtshilfeverfahren (in Deutschland verbotene Ausfuhr von Wafffen nach Guatemala via Schweiz) hat das Bundesgericht die Gerichtsgebühr auf CHF 2,000.00 reduzieren müssen, weil die Bundesa…
Adamov wird nach Russland ausgeliefert
strafprozess / Gemäss Pressemitteilung des Bundesgerichts wird der ehemalige russische Atomminister auf seine Beschwerde hin nach Russland und nicht in die USA ausgeliefert. Das Urteil 1A.288/2005 vom 22. Dezember 2005 ist online noch nicht verfügbar. Die wesent…
(Un)teilbarkeit des Strafantrags
strafprozess / Ein zur Publikation in der amtlichen Sammlung vorgesehener neuer Entscheid des Bundesgerichts (6S.48/2006 vom 23.11.2006) befasst sich mit dem Unteilbarkeitsprinzip nach Art. 31 Abs. 3 StGB. Die Beschwerde war fast ein Jahr am Bundesgericht hängig.…
Treu und Glauben im Völkerrecht
strafprozess / Das Bundesgericht hat die Beschwerde eines deutschen Staatsangehörigen abgewiesen(BGE 1A.199/2005 vom 09.11.2005), der im vereinfachten Verfahren wegen bestimmter Delikte ausgeliefert worden war, sich nun aber wegen schwererer Delikte in Deutschlan…
