Quelle erhält staatlichen Millionenkredit

Berlin (Reuters) - Die Fortführung des insolventen Versandhauses Quelle ist vorerst gesichert.

Eine hochrangige Runde aus Vertretern von Bund und Ländern einigte sich am Montagabend in gut vierstündigen Verhandlungen, dem Unternehmen einen staatlichen Massekredit von 50 Millionen Euro zu gewähren. Die Genehmigung der Hilfe durch die EU-Kommission wird nach Angaben von Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon im Laufe des Dienstags erwartet. Danach könne der Kredit endgültig gebilligt werden. Ihn teilen sich je zur Hälfte der Bund sowie die Länder Bayern und Sachsen.

Der Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes sagte, der Kredit sei als Rettungsbeihilfe bereits in der vergangenen Woche angemeldet worden. "Wir werden darüber so schnell wie möglich entscheiden", ergänzte er. Ob eine Entscheidung schon am Dienstag fallen würde, wollte er nicht sagen. Eine Rettungsbeihilfe nach EU-Recht ist auf einen Zeitraum von sechs Monaten begrenzt. Soll die Hilfe länger gewährt werden, muss ein Restrukturierungsplan vorgelegt werden, der den dauerhaften Bestand eines Unternehmens sicherstellt.

Mit dem Kredit erhalte Quelle die Chance, sich zu reorganisieren, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg. Man solle aber nicht erwarten, dass dies "ein Selbstgänger" werde, ergänzte er mahnend. Die beiden Landesregierungen von Bayern und Sachsen wollen am Dienstag die für die Kreditgewährung notwendigen Kabinettsbeschlüsse fassen. Der Bund will über das Wirtschaftsministerium und das Finanzministerium parallel die Staatsbank KfW mit der Kreditgewährung beauftragten. Die Verhandlungen wurden von mehreren Beteiligten als schwierig bewertet. Sie hätten zwischenzeitlich auch schon einmal vor dem Aus gestanden, sagte ein Gesprächsteilnehmer.

Mit Hilfe des Kredits wird die Fortführung des Unternehmens bis Ende des Jahres abgesichert. Quelle lebt bereits seit Tagen von der Großzügigkeit seiner Lieferanten und Partnerfirmen. Das langfristige Überleben des Versandhändlers allerdings ist damit noch nicht gewährleistet.

Die Kreditsumme soll nach Angaben der Beteiligten zu 25 Millionen Euro vom Bund, zu 20,5 Millionen Euro von Bayern und zu 4,5 Millionen Euro von Sachsen kommen. Eine wichtige Voraussetzung für das letztlich positive Votum für die Finanzhilfe sei gewesen, dass die für die Quelle-Kundenzahlungen zuständige Valovis-Bank "im notwendigen Umfang auf Aufrechnungsmöglichkeiten" für ausstehende Forderungen an das Versandhaus verzichtet habe, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Bundes- und der Länderseite. Darauf hatte insbesondere Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk gedrängt. Er hatte gefordert, der Kredit müsse beim Insolvenzverwalter der Quelle landen und nicht bei den Banken.

Fahrenschon sprach von einem "langersehnten positiven Signal" für die mehr als 8000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Quelle. Jurk wertete es als Erfolg, dass die angemessene Beteiligung der Banken an der Lösung der akuten Finanzsorgen des Unternehmens erreicht worden sei. Das gelte für die Valovis-Bank, die Commerzbank und die Bayerische Landesbank. Quelle-Chef Konrad Hilbers dankte der öffentlichen Hand für die Unterstützung. "Wir sind heute Abend sehr dankbar", sagte er.



Quelle: Reuters (30. Juni 2009)

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Erschienen 30. Juni 2009 bei http://www.reuters.com.

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