Anklageerhebung gegen Aachener Anwalt
RA-Blog | 17. März 2006 — Die Staatsanwaltschaft Aachen hat Anklage wegen Untreue und Betrug in 330 Fällen gegen Hans-Jürgen S., den ehemaligen Anwalt un…
Untreue in 333 Fällen, 1.058.000 Euro Schaden, 80 Seiten Anklageschrift. Der Prozess gegen Ex-Anwalt und Ex-Insolvenzverwalter Hans-Jürgen S., der in 55 Konkurssachen in die Kasse gegriffen haben soll, hat letzte Woche vor dem Aachener Landgericht begonnen.
S. gestand am Donnerstag, sein Leben fast ausschließlich mit Konkursgeldern finanziert zu haben. Seine Abbuchungen trugen Verwendungszwecke wie “Vergütung”, “Fahrtkosten” oder “Umbuchung”. Bezahlt hat S. damit u.a. seine Abos “Der Riesenschnauzerzüchter” und “Der Hund”, die Beerdigung seiner Mutter, Telefon-, Strom- und Wasserrechnungen, Krankenversicherung, Kfz-Steuern, Leasing-Raten für seinen Mercedes Benz E 430 V8, nicht zu vergessen die 45,- Euro Umlage für verstorbene Kollegen des Anwaltvereins.
Als S. sich beim Gericht berühmte, seinen luxuriösen Lebensstil eingeschränkt zu haben, konnte Staatsanwältin Sylvia Jasper mit abweichenden Fakten aufwarten. “Nennen Sie das bescheiden, wenn Ihre Frau bei einer Parfümerie zwei Gesichtscremes für 1.171,46 Euro einkauft?” S. hatte das Geld (zuzüglich gut 100 Euro Mahnkosten) vom Anderkonto (Treuhandkonto) eines pleite gegangenen Aldenhovener Metzgers bezahlt.
Beim Landgericht, von dem S. als Insolvenzverwalter eingesetzt worden war, hatte man gemäß Sprecher Holger Brantin nichts geahnt, da sich nie jemand beschwert habe und S. es immer verstanden habe, seine Berichte hinauszuzögern.
Wie S. und seine beiden Verteidiger sich bisher geäußert haben, soll S. sich vor einigen Jahren “bei einem Immobiliendeal verhoben” haben. Nach einer anonymen Anzeige und einem mittlerweile eingestellten Steuerstrafverfahren seien die Mandate ausgeblieben. Dann habe es noch einen Streit mit S.’ Kanzlei-Partnerin gegeben, die ihm - so S. - noch 65.000 Euro schulden soll. S. hat zwischenzeitlich selbst Insolvenz beantragt.
“Das läuft auf Sozialhilfe hinaus”, mutmaßte Richter Harald Brandt. Herr S. sieht das anders. Er möchte sich noch nützlich machen, z.B. als fachkundige Schreibkraft in einer Anwaltskanzlei.
Quelle: Aachener Zeitung (Druckausgabe) vom 02.06.2006
Vorher in diesem Blog: Anklageerhebung gegen Aachener Anwalt (17.03.2006) Flüchtiger Aachener Anwalt festgenommen (03.02.2006) Aachener Anwalt mit reichlich Geld auf der Flucht (28.01.2006)
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