Während der Prügel Pizza gegessen
schreibmaschine | 18. Oktober 2007 — Im Prozess um den so genannten "Pizzamord" in Würzburg hat die einzige Augenzeugin der Tat am Dienstag die Vorwürfe der Anklage we…
Gegenseitig belastet haben sich am Dienstag zwei 34 und 35 Jahre alte Männer, die sich wegen gemeinschaftlichen Mordes vor dem Würzburger Schwurgericht verantworten müssen. Ihnen liegt zur Last, am Abend des 17. Mai 2006 in einer Wohnung in Würzburg einen Bekannten totgeprügelt zu haben. Grund für die blutige Tat: Das Opfer soll sich geweigert haben, eine Pizza zu essen.
Eigentlich verstanden sich die drei Männer, die sich aus dem Bahnhofsmilieu kannten, gut miteinander. Das Opfer, ein Obdachloser aus den neuen Bundesländern, sei ein ruhiger, friedlicher Mensch gewesen, betonten beide Angeklagte. „Ich war gerne mit ihm unterwegs, er hat mir geholfen“, meinte der 35-Jährige. Der ehemalige Zugführer und Kurierfahrer soll die Mehrzahl der brutalen Schläge und Tritte geführt haben, die zum Tod seines Bekannten führten.
Am Abend des 17. Mai 2006 hielten sich die beiden Angeklagten nach einem gemeinsamen Zechgelage mit dem späteren Opfer in einer Würzburger Wohnung auf. Als der Obdachlose sich weigerte, eine Pizza zu essen, die die Wohnungsinhaberin auf seine Bitte hin zubereitet hatte, seien die beiden Angeklagten in Wut geraten, sagte Oberstaatsanwalt Erik Ohlenschlager. Zunächst soll der 35-Jährige mit Fäusten und Ellenbogen mehrere Minuten lang auf das Opfer eingeschlagen haben.
Die Schläge waren so massiv, dass eine große Menge Blut floss und das Bett und die Wände in der kleinen Wohnung verschmutzte. Dadurch seien die beiden Männer noch zusätzlich in Wut versetzt worden, so die Anklage. Deshalb sollen sie abwechselnd auf das inzwischen wehrlos am Boden liegende Opfer eingetreten haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Männer bei ihren Schlägen und Tritten den Tod ihres Bekannten billigend in Kauf genommen haben.
Die Anklage stützt sich vor allem auf die Aussage des 34-jährigen Angeklagten. Der mehrfach vorbestrafte Mann aus dem Raum Köln hat keinen festen Wohnsitz und war mit der Wohnungsinhaberin liiert. Er ließ am Dienstag von seinem Verteidiger Hanjo Schrepfer eine Erklärung verlesen, in der er den 35-Jährigen schwer belastet: „Er hat sich in einen Gewaltrausch hineingesteigert. Wir hatten große Angst vor ihm.“ Deshalb habe er auch zunächst nicht eingegriffen, als der 100-Kilo-Mann auf das Opfer einschlug. „Ich hätte auch nicht den Hauch einer Chance gehabt“, so die Einlassung des Hilfsarbeiters.
Er gab aber auch zu, sich später aus Verärgerung über die Blutflecken in der Wohnung an der Tat beteiligt zu haben. Er habe gegen den Kopf des Mannes getreten und seinen Fuß „in einer Art Siegerpose“ auf den Hals des Opfers gesetzt, sagte der…
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