Magdeburger Verfahren um Sterbehilfe und die Lehren
Kanzlei Menschen und Rechte | 27. Dezember 2008 — Die Anklage wegen Totschlags gegen einen ehemaligen Chefarzt und einen Stationsarzt wegen eines von der Betreuerin geforderten …
Der Bundestag hat das Thema voraussichtlich für nächste Woche auf die Tagesordnung gesetzt, eine gesetzliche Regelung für Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten steht in Aussicht; einige Politiker zweifeln noch daran, ob man in diesem Bereich der Behandlung am Lebensende wirklich als Gesetzgeber tätig werden muss, da führt die bundesdeutsche Justiz die Ärzteschaft, ihre Patienten und die Öffentlichkeit nochmal durch ein kleines Wechselbad der Strafverfolungsmaßnahmen. In Magdeburg wird immer noch vor dem Landgericht wegen Totschlags gegen einen ehemaligen Chefarzt verhandelt, weil er auf Anweisung der Betreuerin eines Patienten und auf dessen mutmaßlichen Wunsch hin die lebenserhaltende maschinelle Beatmung abstellte. In Berlin ermittelte dagegen die Staatsanwaltschaft jahrelang gegen einen Krankenhaus-Oberarzt, der die maschinelle Beamtmung eines Patienten auf der Intensivstation gerade nicht beendete - obwohl eine wirksame Patientenverfügung vorlag. Der Intensivmediziner qualifizierte das Abstellen der Beatmung aus seiner Sicht damals als “Mord.”
Jetzt ist vom Anwalt, der die Ehefrau des Patienten vertreten hat, die Mitteilung der Staatsanwaltschaft Berlin bekannt gemacht worden, mit der sie das Verfahren gegen den Arzt eingestellt hat: Nach § 153 Abs. 1 Strafprozessordnung ohne Auflagen, wegen geringer Schuld und fehlenden öffentlichen Interesses. Das könnte ein schöner Anlaß sein, darüber zu sinnieren, was “öffentliches Interesse” im strafrechtlichen Sinne meint. Der hier erwähnte Fall hatte zum Zeitpunkt der Tat immerhin einige Medien beschäftigt und es sogar ins Fernsehen gebracht, das Thema “Beachtung von Patientenverfügungen” wird seit Jahren intensiv und kontrovers debattiert - aber letzten Endes ist sich die Staatsanwaltschaft wohl Öffentlichkeit genug: Was sie interessiert, interessiert auch öffentlich und umgekehrt. Überraschend ist immerhin, dass auch der Rechtsanwalt der Anzeigenden mit der Einstellung des Verfahrens zufrieden ist und behauptet, man habe das Ziel erreicht, zu zeigen, dass Patientenverfügungen beachtlich sind. Das stand nämlich eindeutig schon vorher fest und ist seitdem - wenngleich, wie sich zeigt, mit nicht gerade durchschlagendem Erfolg - oft genug wiederholt worden. Das verhaltene Interesse mag mit Besonderheiten des Falls zu erklären sein (es hatte auch bereits ein zivilgerichtliches Verfahren gegeben und die Tat liegt Jahre zurück.
Irritierend an dem Berliner Verfahren ist noch eines: Die Staatsanwaltschaft erklärt klar und deutlich, dass die Weiterbehandlung trotz entgegenstehender Patientenverfügung eine Körperverletzung darstelle, dass dem Beschuldigten aber das Verhalten der Berliner Ärztekammer zu gute zu halten sei: “Die se…
» Vollständiger ArtikelErschienen 9. Dezember 2008 auf http://blog.menschenundrechte.de.
Kanzlei Menschen und Rechte | 27. Dezember 2008 — Die Anklage wegen Totschlags gegen einen ehemaligen Chefarzt und einen Stationsarzt wegen eines von der Betreuerin geforderten …
Kanzlei Menschen und Rechte | 4. Dezember 2008 — Aus den Feuilleton Blogs der FAZ Es gibt Strafverfahren, die versteht nur, wer sie nicht versteht. Das Verfahren vor dem Land…
Handakte WebLAWg | 17. März 2007 — Die Mordserie an der Berliner Charité ist nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft umfangreicher als bisher bekannt. Die Anklag…
Kleinblog | David Klein | 9. Oktober 2007 — Im Essener Klinik-Skandal um möglicherweise von schwerkranken Patienten erpresste Geldspenden hat die Staatsanwaltschaft am D…
Kanzlei Potthast Rechtsanwälte | 4. Februar 2010 — Was im Zusammenhang mit Arztfehlern zu beachten ist Bei Behandlungsfehlern des Arztes können Patienten Schadensersatz und Sc…
strafblog | 28. Juli 2006 — Ein früherer Chefarzt der Marburger Uni-Klinik soll bis zu 300 Patienten abgelaufene bzw. zu diesem Zweck nicht zugelassene Rinder…
Rechthaber | 30. Juni 2010 — Das Thema betrifft jeden. Seit der BGH-Entscheidung vom 25. Juni 2010 reden und schreiben auch wieder alle darüber. Nicht imm…
Recht und Alltag | 6. September 2006 — Die Geschäfte eines Berliner Apothekers und einer Hamburger Ärztin mit dem Medikament Botox (Botulinum-Toxin) waren rechtswidri…
Paluka.de: Blog | 27. September 2010 — Das Arbeitsgericht Düsseldorf hatte im Dezember 2009 darüber zu entscheiden, ob ein Assistenzarzt von seinem Arbeitgeber, einem…
Paluka.de: Blog | 27. September 2010 — Das Arbeitsgericht Düsseldorf hatte im Dezember 2009 darüber zu entscheiden, ob ein Assistenzarzt von seinem Arbeitgeber, einem…
F.A.Z.-Blogs ist die Startseite aller Blogs auf FAZ.NET. Redakteure der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Gastautoren schreiben über neueste Entwicklungen in ihrem Spezialgebiet wie der Internet-Wirtschaft oder geben Anregungen jenseits der tagesaktuellen Nachricht.
F.A.Z.-Blogs ist die Startseite aller Blogs auf FAZ.NET. Redakteure der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Gastautoren schreiben über neueste Entwicklungen in ihrem Spezialgebiet wie der Internet-Wirtschaft oder geben Anregungen jenseits der tagesaktuellen Nachricht.