Pannen im Atomlager Asse heizen Debatte um Atomkraft wieder an
am 26.06.2008 von http://www.reuters.com
Berlin (Reuters) - Die Pannen im Atommülllager Asse in Niedersachsen haben die Debatte über die Nutzung der Atomkraft erneut angeheizt.
Kernenergie ist nicht sauber, Kernenergie ist dreckig. Das beweist das Beispiel Asse, sagte der SPD-Abgeordnete Jörg Tauss am Donnerstag in einer Aktuellen Stunde im Bundestag. Wenn die Union die Atomkraft im Bundestagswahlkampf zum Thema machen wolle, habe er nichts dagegen: Da haben wir gute Argumente. Auch der stellvertretende Fraktionschef der Grünen, Jürgen Trittin, verwies auf die ungelöste Endlagerfrage für Atomabfälle. Asse ist das Vorbild für Gorleben, sagte er mit Blick auf das dort geplante Atommüllendlager. Wenn Atomkraft Ökoenergie ist, dann bin ich kein Öko mehr, sagte der Ex-Umweltminister. Die Union hatte die kohlendioxidfreie Atomkraft kürzlich als Ökoenergie bezeichnet.
Sprecher der Union warfen den Grünen vor, sie hätten die Debatte nicht wegen der Probleme in Asse, sondern wegen ihres Widerstands gegen Atomkraft insgesamt beantragt. Ihnen geht es darum, die Kernenergie schlecht zu reden, sagte der Abgeordnete Axel Fischer.
In Niedersachsen sorgt das Lager Asse seit Wochen für Wirbel. Dabei geht es vor allem darum, ob die Behörden die Öffentlichkeit ausreichend informiert haben. Dem Helmholtz-Zentrum als Betreiber und dem Bergamt als Genehmigungsbehörde ist bereits seit Jahrzehnten bekannt, dass Salzlauge in das als Atommüll-Endlager genutzte ehemalige Salzbergwerk eindringt. Das kann nach Meinung von Kritikern die Standfestigkeit der Stollensysteme gefährden und irgendwann könnte radioaktiv verseuchtes Wasser wieder an die Oberfläche gelangen. In Asse sind rund 130.000 Fässer mit schwach und mittelradioaktivem Abfall eingelagert. Nach bisherigen Plänen sollte Asse 2014 geschlossen werden, wobei das Lager geflutet werden könnte.
Zuständig für Asse ist indirekt auch das Bundesforschungsministerium von Annette Schavan (CDU). Es wurden wegen der Pannen Forderungen laut, die Aufsicht künftig dem Umweltministerium zu übertragen. Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD), Schavan sowie der niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) hatten sich am Dienstag auf ein Expertengremium verständigt, dass sich mit dem Zustand von Asse befassen soll. Gabriel nannte eine Änderung der Zuständigkeiten keinen Beitrag zur Lösung der Probleme.
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