Opposition fordert Aufklärung über Festnahmen im Kosovo

Berlin (Reuters) - Die Opposition hat vor einer Sitzung des Geheimdienst-Ausschusses energisch Aufklärung über die Festnahme von drei mutmaßlichen BND-Mitarbeitern im Kosovo verlangt.

Die Bundesregierung habe die Pflicht, das Parlamentarische Kontrollgremium (PKG) umfassend zu informieren, betonte der FDP-Politiker und stellvertretende PKG-Vorsitzende Max Stadler unmittelbar vor dem Treffen hinter verschlossenen Türen am Donnerstag in Berlin. Der Linkspolitiker Wolfgang Neskovic und sein Grünen-Kollege Wolfgang Ströbele verlangten vor allem Aufklärung über Status und Auftrag der mutmaßlichen BND-Mitarbeiter. An der Sitzung nahm auch BND-Chef Ernst Uhrlau teil.

Stadler forderte die Bundesregierung auf, den Verdacht gegen den Bundesnachrichtendienst nicht im Raum stehen zu lassen. Die Regierung müsse auch öffentlich für Klarheit sorgen und dürfe sich nicht darauf beschränken, das geheim tagende PKG zu informieren, sagte er. Die drei Deutschen sitzen seit dem Wochenende im Kosovo in Untersuchungshaft. Die kosovarischen Behörden verdächtigen sie, einen Anschlag auf die EU-Verwaltung in Pristina verübt zu haben.

Der SPD-Politiker Thomas Oppermann, der ebenfalls im Geheimdienst-Ausschuss sitzt, nannte die Vorwürfe abwegig. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass deutsche Beamte in solche Anschläge verwickelt sind", sagte er. Er rechne mit einer raschen Freilassung der drei Deutschen, da gegen sie offenkundig kein belastendes Material vorliege. Der Unionspolitiker Bernd Schmidbauer griff die kosovarischen Behörden scharf an und sprach von einem Schurkenstück. "Das macht man unter Freunden nicht", sagte er.



Quelle: Reuters (27. November 2008)

  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Berlin , Kosovo , Opposition , Bnd

Erschienen 27. November 2008 bei http://www.reuters.com.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Regierung bekennt sich zu BND-Mitarbeitern im Kosovo

Reuters | 27. November 2008Berlin (Reuters) - Die Bundesregierung hat erstmals eingeräumt, dass es sich bei den drei inhaftierten Deutschen im Kosovo tats…

Kreise: BND-Agenten im Kosovo kurz vor Freilassung

Reuters | 28. November 2008 — Pristina (Reuters) - Die drei im Kosovo inhaftierten BND-Agenten stehen nach Angaben aus Kreisen der Regierung in Pristina kurz…

Anwalt: BND-Agenten in Pristina sind frei

Reuters | 29. November 2008 — Pristina (Reuters) - Die drei im Kosovo inhaftierten BND-Agenten sind wieder auf freiem Fuß. Dies erklärte ein Anwalt der Män…

BND-Chef Uhrlau wegen Auslandsaktivitäten unter Druck

Reuters | 8. Dezember 2008Berlin (Reuters) - Der Chef des Bundesnachrichtendienstes, Ernst Uhrlau, gerät wegen mehrerer umstrittener Auslandsaktivitäten …

Zeitung: In Pristina inhaftierte BND-Beamte kommen Freitag frei

Reuters | 28. November 2008Berlin (Reuters) - Die drei im Kosovo inhaftierten Beamten des Bundesnachrichtendienstes (BND) kommen einem Zeitungsbericht zuf…

BND-Chef Uhrlau unter Druck

Reuters | 8. Dezember 2008Berlin (Reuters) - Der Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND), Ernst Uhrlau, gerät wegen mehrerer umstrittener Aktionen seine…

Minister - Vorerst kein weiterer Bundeswehr-Abzug aus dem Kosovo

Reuters | 29. März 2010 — Pristina (Reuters) - Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg will frühestens im Herbst einen weiteren Truppenabz…

Bundesregierung verurteilt serbisches Parlament im Kosovo

Reuters | 30. Juni 2008Berlin (Reuters) - Die Bundesregierung hat die Einrichtung einer eigenen parlamentarischen Versammlung nationalistischer Serben…

Geheimdienst-Ausschuss lässt sich über NPD informieren

Reuters | 17. Dezember 2008Berlin (Reuters) - Nach dem Messerangriff auf den Polizeichef in Passau befasst sich der Geheimdienstausschuss des Bundestages …

Bund will 14.000 ehemalige Flüchtlinge in den Kosovo abschieben

Reuters | 14. Oktober 2009Berlin (Reuters) - Die Bundesregierung will 14.000 ehemalige Flüchtlinge in den Kosovo abschieben. Noch im Laufe des Herbsts …