OLG Karlsruhe: Keine Verlängerung der Frist bei Abmahnung bei Abwesenheit des Geschäftsführers

OLG Karlsruhe, Beschluss vom 17.02.2009, 4 W 59/08 - Der vom OLG Karlsruhe entschiedene Fall zum Bereich der Abmahnkosten zeigt, wie kurz die gesetzen Fristen sind und sein können. Zudem, wie weit reichend die Folgen der Anerkenntnisse sind, hier: Anerkenntnis der Dringlichkeit. Das Anerkenntnis - regelmäßig in Form einer strafbewehrten Verpflichtungs- und Unterlassungserklärung - war hier zu weit gehend gefaßt worden. Da Abmahnungen oft nicht die Materialien der späteren Antragsschrift umfassen, erweist es sich in der Praxis als misslich, dass zur Vermeidung von Kosten durch eine einstweilige Verfügung fast nur der Weg des Anerkenntnisses möglich ist. Und die zum Anerkenntnis erforderliche Unterlassungserklärung muss schnell abgegeben werden. In dieser Eile unterlaufen Fehler! Hinweis: Entsprechend ist bei der Ausformulierung eines Anerkenntnisses in Form einer Verpflichtungs- und Unterlassungserklärung darauf zu achten, dass nur hinsichtlich der Unterlassung und des Versprechens der erforderlichen Vertragsstrafe das Anerkenntnis erfolgt. Diese Begrenzung des Anerkenntnisses war im vorliegenden Fall offenbar nicht geschehen.

Rechtsanwalt Siegfried Exner, Kiel - www.jur-blog.de

OLG Karlsruhe, Beschluss vom 17.02.2009, 4 W 59/08: Keine Verlängerung der Frist bei Abmahnung bei Abwesenheit des Geschäftsführers

Aus den Gründen: [...] I. Die statthafte, form- und fristgerecht eingelegte sofortige Beschwerde des Antragstellers gegen das Urteil des Landgerichts Offenburg ist begründet.

1. Die Entscheidung über den (isolierten) Kostenwiderspruch der Antragsgegnerin ist mit der sofortigen Beschwerde gem. § 567 I S. 1 i.V.m. § 99 II ZPO analog anfechtbar (Zöller/Vollkommer, ZPO, 27. Aufl., § 925 ZPO, Rdnr. 11, m.w.N.). Der Beschwerdewert, der sich aus den von dem Antragsteller nach der Entscheidung des Landgerichts zu tragenden Anwalts- und Gerichtsgebühren errechnet, ist erreicht (§ 567 II ZPO). Dass das Landgericht, da die sofortige Beschwerde unmittelbar beim Beschwerdegericht eingereicht worden ist, über die Abhilfe nicht entschieden hat, hindert eine Entscheidung über die Beschwerde nicht (BGH ZIP 2007, 188).

2. Die sofortige Beschwerde ist begründet, da die Voraussetzungen einer Kostenentscheidung zu Lasten des Antragstellers nicht vorliegen. Grundsätzlich ist zwar § 93 ZPO in den Fällen eines isolierten Kostenwiderspruchs gegen die Beschlussverfügung analog anwendbar, jedoch liegen die Voraussetzungen nicht vor.

a) Mit ihrem isolierten Kostenwiderspruch hat die Antragsgegnerin geltend gemacht, sie habe sich innerhalb angemessener Frist am 14.08.2008 der begehrten Unterlassung unterworfen. Der Antragsteller habe eine unangemessen kurze Frist auf den 07.08.2008 gesetzt gehabt und sofort nach deren Ablauf die einstweilige Verfügung beantragt, so dass ihr eine Klaglosstellung verwehrt gewesen sei. Mit diesem Vorbringen anerkennt die Antragsgegnerin…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Abmahnung , Urteile , Rechtsanwalt , Unterlassungserklärung , Zpo , Abmahnungen , Abmahnkosten , Karlsruhe , Analog , Werbung , Fristsetzung

Erschienen 14. April 2009 auf http://www.jur-blog.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

OLG Karlsruhe: Der Geschäftsführer ist nicht da, mit etwas Glück wird Ihre Abmahnung aber demnächst bearbeitet

Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte | 15. April 2009 — OLG Karlsruhe, Beschluss vom 17.02.2009, Az. 4 W 59/08 § 12 UWG Das OLG Karlsruhe hat darauf hingewiesen, dass die Abwesenh…

LG Hamburg: Zur Unzulässigkeit einer “zur Unzeit” übersandten Abmahnung

Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte | 30. Juni 2009 — LG Hamburg, Urteil vom 19.06.2009, Az. 324 O 190/09 §§ 1004, 823, 253 BGB, Art. 1 Abs. 1, Art. 2 Abs. 1 GG; 93 ZPO Das LG H…

OLG Düsseldorf: Keine Erstattung von Abmahnkosten bei einer Schubladenverfügung

Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte | 24. Februar 2010 — OLG Düsseldorf, Urteil vom 09.11.2009, I-20 W 100/09 § 93 ZPO Das OLG Düsseldorf hat entschieden, dass die Kosten einer Abm…

LG Hamburg: E-Mail-Spam - Zur fehlenden Einwilligung des Empfängers

Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte | 30. April 2009 — LG Hamburg, Beschluss vom 04.08.2008, Az. 327 O 493/08 §§ 7 Abs. 2 Nr. 3 UWG Das LG Hamburg hat entschieden, dass von einer…

Serie: Die rechtsmissbräuchliche Abmahnung. Folge 2

IT-Prozessrecht | 30. Juni 2010 — Missbrächliche Mehrfachverfolgung – OLG München, Urteil vom 17.01.2008, Az.: 6 U 1880/07 Das OLG München hatte sich…

LG Berlin: Die Abgabe der Unterlassungserklärung bewirkt auch dann kein Anerkenntnis, wenn dem Antragssteller dadurch der Zeugenbe…

Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte | 20. Juli 2009 — LG Berlin, Beschluss vom 24.04.2009, Az. 15 O 757/07 § 12 UWG Das LG Berlin vertritt die Rechtsansicht, dass einer Unterlas…

Kündigungsschutz für den Geschäftsführer einer GmbH

SCHINDLER BOLTZE Rechtsanwälte | 31. Mai 2010 — Der II. Zivilsenat des Bundesgerichtshofes (BGH) hatte am 10.05.2010 die Frage zu beantworten, ob zugunsten des Geschäftsf…

Anbieter einer Blogging-Plattform ist für beleidigende Äußerungen verantwortlich

kanzlei.biz | 18. August 2011 — Eigener Leitsatz: Der Anbieter einer Plattform für Blogger ist für beleidigende und verleumderische Äußerungen verantwortlich, die…

Netzrose: Abmahnwelle e.V.: Skandal um NETZROSE, Teil 2

DPMS INFO | 2. Februar 2005 — DPMS INFO berichtete über den Fall AdvoGraf vs. Netzrose. Das Urteil in der Sache ist veröffentlicht. Netzrose hat sofort ane…

LG München I: Versand der Abmahnung per einfachem Postbrief und Fax genügt als Zugangsnachweis

IT-Recht Kanzlei - Nachrichten | 12. August 2011 — Das Landgericht München I hatte im Rahmen einer Kostenwiderspruchsentscheidung (Urteil vom 28.07.2011, Az.: 17 HK O 6767/11; En…