OLG Hamm setzt Massenabmahnungen Grenzen

Versteigerungsplattformen im Internet wie eBay sind weiterhin ein beliebtes Feld für Firmen, die lieber schnelles Geld mit der angeblichen Verfolgung von Wettbewerbsverstößen machen, als mit harter Arbeit in ihren eigentlichen Geschäftsfeldern.

Die Verfolgung von Wettbewerbsverstößen kann für den Abmahner dabei durchaus finanziell interessant sein. Neben den krassen Ausnahmefällen, in denen es zu einem kollusiven Zusammenwirken zwischen Auftraggeber und Rechtsanwalt in der Form kommt, dass der Auftraggeber einen Teil der geltend gemachten Rechtsanwaltskosten erhält, ist es vor allem die Aussicht auf die Geltendmachung von Vertragsstrafen bei erneuten Verstößen, die hinter vielen Massenabmahnungen im Bereich des Wettbewerbsrechts stecken.

Zudem wird häufig versucht zumindest noch einen kleinen Betrag als Schadensersatzfür den Auftraggeber geltend zu machen obwohl ein solcher Anspruch bei einer wettbewerbsrechtlichen Abmahnung nur selten besteht.

Für den Abgemahnten ist es trotzdem schwer, den Nachweis der Rechtsmissbräuchlichkeit der Abmahnung zu führen.

Nach § 8 Abs. 4 UWG ist die Geltendmachung von wettbewerbsrechtlichen Ansprüchen unzulässig, wenn dies unter Berücksichtigung der gesamten Umstände missbräuchlich ist, insbesondere wenn es vorwiegend dazu dient, gegen den Zuwiderhandelnden einen Anspruch auf Ersatz von Aufwendungen oder Kosten der Rechtsverfolgung entstehen zu lassen.

Das OLG Hamm hat nun in drei aktuellen Entscheidungen konkretisiert, ab wann aus den Gesamtumständen, insbesondere aus einem auffälligen Missverhältnis zwischen Abmahntätigkeit und eigenem Geschäftsbetrieb eine Rechtsmissbräuchlichkeit hervorgeht.

I.

Mit Urteil vom 24.03.2009 (Az. 4 U 211/08) hatte das OLG Hamm in einem relativ eindeutigen Fall Rechtsmissbräuchlichkeit angenommen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass ein Interesse an der Erzielung von Rechtsanwaltsgebühren im Vordergrund stand.

In die Gesamtwürdigung ließ das Gericht vor allem einfließen, dass die Abmahnerin nur einen sehr geringen Jahresumsatz vom maximal 2.400 € aus eigener Geschäftstätigkeit erzielt, jedoch mindestens 12 Abmahnungen aussprechen ließ mit einem Gebührenwert von über 9.000 €. Zudem war der für die Abmahnerin tätig gewordene Anwalt der Neffe des Inhabers der Abmahnerin.

Als weiteres Indiz für eine Rechtsmissbräuchlichkeit wertete das Gericht die wenig konsequente und unstete Verfolgung der Wettbewerbsverstöße. So wurde immer nur derselbe Verstoß hinsichtlich der Widerrufserklärung auf eBay abgemahnt, während andere wettbewerbsrechtliche Verstöße nicht miteinbezogen wurden. Das Gericht sah es daher als fraglich an, dass es der Abmahnerin tatsächlich um die Beendigung von Wettbewerbsverstößen geht. Zudem hatte die Abmahnerin die weitere Verfolgung ihrer Ansprüche gegenüber einzelnen Gegnern ohne ersichtlichen Grund eingestellt oder beschränk…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches
  • Links

Themen: Ebay , Abmahnung , Olg Hamm , Grenzen , Rechtsmißbräuchliche Abmahnung , Rechtsmißbräuchlichkeit , § 8 Abs. 4 Uwg

Erschienen 16. Juli 2009 auf http://www.legal-media.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

OLG Hamm: Heinrich, die Abmahnkurbel bricht! / Zur 459sten rechtsmissbräuchlichen Abmahnung

Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte | 11. Juni 2009 — OLG Hamm, Urteil vom 28.04.2009, Az. 4 U 216/08 § 8 Abs. 4 UWG Das OLG Hamm hat erneut entschieden, dass u.a. ein Missverhä…

Serie: Die rechtsmissbräuchliche Abmahnung. Folge 11

IT-Prozessrecht | 27. August 2010 — KG Berlin, Beschluss vom 03.08.2010, Az.: 5 U 82/08 Das Kammergericht Berlin hatte in seiner Entscheidung eine außergewöhnlic…

OLG Hamm: Schon 12 Abmahnungen durch einen kleinen eBay-Händler können rechtsmissbräuchlich sein

Beckmann und Norda Rechtsanwälte Bielefeld | 6. Juni 2009 — Oberlandesgericht Hamm Urteil vom 24.03.2009 4 U 211/08 Schon 12 gleichgelagerte Abmahnungen können nach diesem Urteil des OLG Ham…

OLG Hamm zur Rechtsmissbräuchlichkeit einer wettbewerbsrechtlichen Anspruchsverfolgung

IT-Recht Kanzlei - Nachrichten | 18. Juni 2009 — Das OLG Hamm hat kürzlich gleich in zwei kurz aufeinander folgenden wettbewerbsrechtlichen Verfahren auf Rechtsmissbrauch entsc…

Serie: Die rechtsmissbräuchliche Abmahnung. Folge 13

IT-Prozessrecht | 9. September 2010 — LG Gera, Urteil vom 29.04.2010, Az.: 1 HK O 62/10 Das Landgericht Gera hat in einer weiteren Entscheidung den Antrag auf Erla…

OLG Hamm: Bereits zwölf gleichartige Abmahnungen sind gegebenenfalls rechtsmissbräuchlich.

IT-Rechtsinfo | 27. Mai 2009 — Hintergrund: Im vorliegenden Fall verschickte die Betreiberin eines eBay-Shops zwölf Abmahnungen an die Betreiber anderer Shops. A…

Serie: Die rechtsmissbräuchliche Abmahnung. Folge 26

IT-Prozessrecht | 14. November 2010 — OLG Thüringen, Urteil vom 06.10.2010, Az.: 2 U 386/10 Das Oberlandesgericht Thüringen hatte in der Berufung über ein Urteil d…

LG Dortmund: Mehr als 69 Abmahnungen in einem Jahr bei Jahresumsatz von ca. 73.000,00 € rechtsmissbräuchlich

Die Abmahnung | 24. Oktober 2009 — Das Landgericht Dortmund hat mit Urteil vom 06.08.2009 entschieden, dass das Aussprechen von mehr als 69 Abmahnungen in einem…

Serie: Die rechtsmissbräuchliche Abmahnung. Folge 10

IT-Prozessrecht | 23. August 2010 — OLG Hamm, Urteil vom 24.03.2009, Az.: 4 U 211/08 Das Oberlandesgericht Hamm hatte sich in einer weiteren Entscheidung mit den…

OLG Hamm: Rechtsmissbrauch schon bei 12 Abmahnungen

Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte | 8. Mai 2009 — OLG Hamm, Urteil vom 24.03.2009, Az. 4 U 211/08 § 8 Abs. 4 UWG Das OLG Hamm hat entschieden, dass ein rechtsmissbräuchliche…

Massen-Abmahnung: Schmidt Wellness GmbH, Wesel