OLG Hamm: Krankenfahrdienst darf auch im ortsfremden Telefonbuch inserieren, wenn die Vorwahl eindeutig auf die Betriebsstätte hinweist

OLG Hamm, Urteil vom 22.11.2011, Az. I-4 U 124/11§ 8 Abs. 1, Abs. 3 Nr. 2 UWG, § 3 UWG, § 5 Abs. 1, S. 2 Nr. 1 UWG

Das OLG Hamm hat entschieden, dass ein Inserat eines Krankenfahrdienstes aus dem Ort A im Telefonbuch des Ortes B zulässig ist, wenn durch die Vorwahl deutlich wird, dass die Betriebsstätte in A liegt. Nach der Rechtslage dürften Mietwagen zwar nur von der Betriebsstätte aus starten. Da der angebotene Dienst der Beklagten durch die angegebene Vorwahl für den Verbraucher jedoch erkennbar im Ort A angesiedelt sei, liege jedenfalls keine Irreführung darüber vor, dass die Fahrten in B starten würden. Mangels Irreführung sei die Anzeige daher zulässig. Zum Volltext der Entscheidung:

Oberlandesgericht Hamm

Urteil

Die Berufung der Klägerin gegen das am 30. Juni 2011 verkündete Urteil der 1. Kammer für Handelssachen des Landgerichts Arnsberg wird zurückgewiesen.

Die Klägerin trägt die Kosten der Berufung.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.

Gründe

(abgekürzt gemäß §§ 540 Abs. 2, 313 a Abs. 1 S. 1 ZPO)

Die zulässige Berufung der Klägerin ist unbegründet.

I.

Die Klägerin hat gegen die Beklagte keinen Anspruch auf Erstattung der Abmahnkosten gemäß § 12 Abs. 1 S. 2 UWG.

Die Abmahnung der Klägerin vom 12.10.2010 war nicht berechtigt. Denn die Klägerin hatte gegen die Beklagte vor Abgabe der Unterlassungserklärung vom 09.11.2010 keinen Anspruch auf Unterlassung des monierten Eintrags in dem Telefonbuch “X” für B 2010 / 2011. Ein solcher Anspruch ergab sich auch nicht aus §§ 8 Abs. 1, Abs. 3 Nr. 2, 3, 5 Abs. 1, S. 2 Nr. 1 UWG.

Unlauter im Sinne des § 5 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 UWG handelt, wer eine irreführende geschäftliche Handlung vornimmt, die unwahre oder sonstige zur Täuschung geeignete Angaben über die wesentlichen Merkmale der Dienstleistung, wie Verfügbarkeit, Art, Ausführung oder Erbringung oder betriebliche Herkunft enthält. Es reicht insoweit schon die Gefahr der Irreführung.

Der beanstandete Telefonbucheintrag stellt sich jedoch nicht als irreführend dar.

1.

Eine solche Irreführung liegt vor, wenn die angesprochenen Verkehrskreise sich aufgrund des Telefonbucheintrages eine bestimmte Vorstellung machen, die nicht der Wirklichkeit entspricht und deshalb täuschen kann. Es ist also zu fragen, wer die angesprochenen Verkehrskreise sind, welche Vorstellung sie sich von dem Telefonbucheintrag machen und ob diese Vorstellung der Wirklichkeit entspricht.

2.

Angesprochener Verkehrskreis ist der allgemeine Verkehrskreis. Dessen Vorstellung kann der Senat aufgrund eigener Sachkunde oder jedenfalls der Lebenserfahrung selbst beurteilen…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Uwg , Oberlandesgericht , Urteile & Beschlüsse , Irreführung , Verbraucher , Olg Hamm , Oberlandesgericht Hamm , Telefonbuch , Mietwagen , Inserat , Werbung , Irreführend , Anzeige , Betriebsstätte , Krankentransport

Erschienen 17. Januar 2012 auf http://damm-legal.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

BGH: Hermes-Werbung unzulässig – zur Irreführung bei Paketpreisvergleichen

Dr. Graf | 30. Juni 2010 — Der Bundesgerichtshof hat mit Urteil vom 19.11.2009 (Az. I ZR 141/07) entschieden: 1. Die Unvollständigkeit oder Einseitigk…

OLG Hamm: Praxis für medizinische Fußpflege - Zur wettbewerbsrechtlichen Beurteilung der Verwendung der Bezeichnung "Praxis für me…

MEDIEN INTERNET und RECHT | 6. April 2011 — 1. Unlauter im Sinne von § 5 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 UWG handelt, wer eine irreführende geschäftliche Handlung vornimmt, die unwahre o…

OLG Koblenz: Wer eine bestimmte Telefonvorwahl angibt, muss an diesem Ort eine Niederlassung haben

Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte | 28. November 2008 — OLG Koblenz, Urteil vom 25.03.2008, Az. 4 U 959/07 §§ 8 Abs. 1, 3, 5 UWG Das OLG Koblenz hat die Angabe einer Telefonvorwah…

Zur Aktualität von Preisangaben in Preissuchmaschinen

Die herrschende Meinung | 27. März 2010 — (pm) Der unter anderem für das Wettbewerbsrecht zuständige I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat entschieden, dass ein H…

Sauerstoffbehandeltes Frischfleisch

Rechtslupe | 12. Dezember 2008 — Nicht verpacktes Frischfleisch, das nach dem sogenannten Master-Depot-System mit Sauerstoff behandelt wurde, muss von den Verk?…

OLG Koblenz: Irreführende Werbung durch Ortsvorwahl - Die Werbung eines Unternehmens, bei dessen Leistungen es dem Verbraucher auf…

MEDIEN INTERNET und RECHT | 11. September 2008 — 1. Wirbt ein Unternehmen, bei dessen (Dienst-) Leistungen es dem Kunden auf gerade auch auf die Ortsansässigkeit ankommt (hier: Um…

OLG Hamm: Hinweis "Lieferzeit auf Nachfrage" jedenfalls dann wettbewerbswidrig, wenn der Händler keine gesicherte Lieferbeziehung …

Beckmann und Norda Rechtsanwälte Bielefeld | 5. Mai 2010 — Das OLG Hamm hat mit Urteil vom 17.03.2010 - 4 U 167/08 entschieden, dass die Verwendung von Hinweisen "Lieferzeit auf Nachfrage" …

Das Versprechen von hohen Preisvorteilen anlässlich einer Geschäftsauflösung, die keine ist

Blog für Gewerblichen Rechtsschutz | 24. Januar 2011 — Das UWG regelt irreführende geschäftliche Handlungen insbesondere in § 5 UWG. Danach handelt irreführend, wer unwahre Angaben…

Die Oberpfälzer Bierkönigin bleibt weiter im Amt – kein Verstoß gegen das UWG

DOPATKA | 7. Juni 2011 — Das Oberlandesgericht (OLG) Nürnberg hat entschieden: eine Brauerei darf weiterhin eine “Oberpfälzer Bierkönigin” küren, auch w…

Telefonnummer in Widerrufsbelehrung unzulässig

BLOG | MEIN-RECHT-IM-NETZ.DE | 16. September 2009 — Wie schon das OLG Frankfurt am Main zuvor, hat nun auch das OLG Hamm entschieden, dass die Angabe einer Telefonnummer innerhalb de…