OLG Hamburg: Keine vorbeugende Prüfungspflicht für die Personensuchmaschine Yasni.de

Wer im Internet nach bestimmten Personennamen sucht, wird in der Regel bei der Personensuchmaschine Yasni.de fündig. Dort werden neben den verschiedenen Profilen bei sozialen Netzwerken vor allem namensentsprechende Bilder angezeigt. Problematisch ist allerdings, dass die Personen dort in der Regel ohne deren Einwilligung auftauchen. Das OLG Hamburg hat in einem Beschluss von Ende Oktober (Urteil vom 23.10.2009 – Az.: 7 W 119/09) entschiedenen, dass Yasni keine vorbeugende Prüfungspflicht trifft, Suchergebnisse auf rechtswidrige Verstöße hin zu überprüfen.

Im konkreten Fall befanden sich in der Suchmaschine Hyperlinks zu einer rechtswidrigen Seite eines Dritten, die den Mord am Schauspieler Walter Seldmayer zum Gegenstand hatte. Als Yasni eine Abmahnung für diese Links erhielt, entfernte es die Links umgehend. Allerdings fanden sich weiterhin einige weitere Suchergebnisse, die auf Walter Sedlmayer verlinkten. Aufgrund dieser erneuten Rechtsverletzung begehrten die Kläger Unterlassung.

Nach Ansicht der Hamburger Richter könne darin aber gerade keine wiederholte Rechtsverletzung gesehen werden. Dazu müsste die Personensuchmaschine ihre Prüfungspflichten verletzt haben, was hier jedoch gerade nicht angenommen werden könne. Vielmehr habe Yasni unmittelbar nach Kenntniserlangung die rechtsverletzenden Links entfernt und ist damit ihren Prüfungspflichten in ausreichender Weise nachgekommen. Eine Haftung für inhaltsgleiche Verstöße ist jedoch ausgeschlossen, wenn der Betreiber der Suchmaschine in der Zwischenzeit eine Namenssperrung eingerichtet habe und damit seinen Prüfungspflichten in ausreichender Weise nachkam.

Vielmehr entstünde eine entsprechende Verpflichtung nur bei einem entsprechenden Hinweis. Eine Pflicht, die Suchergebnis-Positionen nach möglichen Rechtsverletzungen zu durchsuchen, bestehe jedoch gerade nicht. Insbesondere sei keine vorbeugende Prüfungspflicht und damit keine Haftung als Störer anzunehmen, so das OLG Hamburg.

Eine andere Wertung des Sachverhalts ergebe sich nach Ansicht des Hamburger Oberlandesgerichts auch nicht wegen § 4 BDSG, da die von Yasni.de aufgezeigten Daten über Personen bereits an anderen Stellen des Internets vorzufinden seien und diese nicht selbst die Daten erhebt, gem. § 1 II Nr. 3 BDSG. Allerdings verkennt das Gericht in diesem Fall die Einschlägigkeit des § 29 BDSG, wonach bei geschäftsmäßiger Verwendung personenbezogener Daten aus allgemein zugänglichen Quellen eine Interessenabwägung mit dem in der Regel überwiegenden schutzwürdigen Interessen des Betroffenen am Ausschluss der Daten vorzunehmen ist.

Fazit: Die Hamburger Richter gehen von einer grundsätzlichen Zulässigkeit von Personen Suchmaschinen aus. Allerdings zieht das Gericht die offensich…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches
  • Links

Themen: Olg Hamburg , Mord , Bdsg , Online-recht , Schauspieler , Yasni
Rechtsgebiet: Datenschutzrecht

Erschienen 23. Dezember 2009 auf http://blog-it-recht.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

OLG Köln – Foto-Einstellung bei Facebook stellt konkludente Einwilligung für Personensuchmaschine dar

Das Blog für IT-Recht | 19. März 2010 — Sucht man bei Google nach bestimmten Personennamen, so erhält man in der Regel auch Ergebnisse von sogenannten Personensuchmasc…

LG Hamburg: Einstweiliger Rechtsschutz gegen Internet-Bildersuchmaschine nicht möglich

Das Blog für IT-Recht | 11. Dezember 2009 — Befindet sich eine selbst erstellte Graphik oder eine Photographie erst einmal auf einer Webseite, so dauert es in der Regel …

IT-Recht-Update: Aktuelles aus der Rechtsprechung – Dezember 2009

netzrecht.org | 31. Dezember 2009 — Im Einzelnen waren dies: Der Düsseldorfer Kreis erklärt die Speicherung von IP-Adressen für unzulässig Statistik-Dienst…

LG Hamburg: Haftung des Domaininhabers für Rechtsverletzungen Dritter

Das Blog für IT-Recht | 8. Juli 2010 — In einem aktuellen Beschluss des Landgerichts Hamburg (Beschluss vom 24.03.2010 – Az.: 310 O 100/10) bestätigten die norddeut…

Verkauf Von Adressdaten: OLG Düsseldorf: Kauf von Adressdaten lässt Sorgfaltspflichten entstehen

Das Blog für IT-Recht | 18. Januar 2010 — In den letzten Monaten kam es vermehrt zu Datenskandalen, bei denen oftmals tausende sensible Daten wie Bank- und Adressdaten …

LG Hamburg – Veröffentlichung von frei zugänglichen Bildern bei Personensuchmaschine zulässig

Das Blog für IT-Recht | 23. August 2010 — Neben den klassischen Suchmaschinen wie Google & Co. gibt es seit dem Aufkommen der sozialen Netzwerke auch sog. Personen…

OLG Hamburg: Veröffentlichung von ungeschwärzten Urteilen stellt keine Persönlichkeitsverletzung dar

Das Blog für IT-Recht | 5. März 2010 — In der Berufung gegen das Urteil des Landgerichts Hamburg von Ende Juli (Beschluss v. 31.07.2009, Az.: 325 O 85/09, wir be…

LG Köln: Veröffentlichung von Bildern in Personen-Suchmaschine unzulässig

Das Blog für IT-Recht | 30. September 2009 — Personen-Suchmaschinen rücken in letzter Zeit vermehrt in den Blickpunkt der deutschen Gerichte: Nachdem bereits vor kurzem d…

Landgericht Hamburg Entscheidungen 25.september 2009: LG Hamburg: Strenge Haftung für Webhoster bei Persönlichkeitsverletzungen

Das Blog für IT-Recht | 25. September 2009 — Wie das Landgericht Hamburg in einem Urteil (Beschluss v. 31.07.2009, Az. 325 O 85/09) Ende Juli entschied, haftet ein Webhos…

LG Frankfurt a.M.: Links auf Twitter zu rechtswidrigen Webseiten unzulässig

Das Blog für IT-Recht | 25. Juni 2010 — Der Micro-Blogging-Dienst Twitter hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einer der erfolgreichsten „Social Media“ Plattformen i…

res-media | Rechtsanwalt Medienrecht Mainz Berlin Mannheim

Wir bieten spezialisierte Rechtsberatung im Medienrecht, IT-Recht, Internetrecht.