OLG Frankfurt zu rechtsmißbräuchlichen Abmahnungen
Anwaltskanzlei von Olnhausen | 23. August 2007 — Das OLG Frankfurt hat mit Beschluß vom 4.7.07 - 6 W 66/07 - einige Erwägungen angestellt, ob und wann eine wettbewerbsrechtlich…
1. Eine Verkaufstätigkeit über die elektronische Handelsplattformen eBay ist regelmäßig als gewerblich zu beurteilen, wenn der Anbieter als "PowerSeller" einzustufen und registriert ist (vgl. OLG Frankfurt a.M. Beschluss vom 27.07.2004 Az. 8 W 54/04, GRUR 2004, 1042 und OLG Frankfurt a.M. Beschluss vom 22.12.2004 Az. 6 W 153/04, GRUR-RR 2005, 318, 320). Die freiwillige Registrierung als "PowerSeller" ist jedoch umgekehrt keine notwendige Voraussetzung für die Bewertung einer Internet- Verkaufstätigkeit als unternehmerisch. Vielmehr kann sich die Einstufung der Tätigkeit als unternehmerisch auch aus anderen Umständen des Einzelfalls ergeben, wobei der Dauer und dem Umfang der Verkaufstätigkeit, und deren geschäftsbezogener Ausgestaltung (Betrieb eines eBay-Shops und dessen werblichen Aufmachung) wesentliche Bedeutung zukommt. <br><br> 2. Zwar kann auch derjenige Unternehmer sein, der die angebotenen Waren aus einem für ihn verfügbaren (Privat-) Bestand entnimmt, die Waren also nicht extra eingekauft oder hergestellt hat (OLG Frankfurt, Beschluss vom 21.03.2007 - AZ. 6 W 27/07 = MIR 2007, Dok. 135). Allerdings wird es etwa Verkäufen aus dem Privatvermögen häufig an dem Merkmal einer auf Dauer angelegten wirtschaftlichen Betätigung fehlen. Dies gilt jedenfalls solange, wie eine auf Dauer angelegte wirtschaftliche Betätigung nicht schon deswegen anzunehmen ist, weil sich die Verkaufstätigkeit wegen des Umfang bzw. wegen der geschäftsbezogenen Ausgestaltung von einer gängigen privaten Verkaufstätigkeit abhebt. <br><br> 3. Derjenige, der einen (eBay-) Online-Shop betreibt, auf dem einen beträchtliche Anzahl von Artikeln eingestellt ist und diesen Online-Shop auch bewirbt, über einen längeren Zeitraum kontinuierlich und mit nicht nur geringfügigem Verkaufserfolg am Marktgeschehen teilnimmt und mit einer Vielzahl von Angeboten für eine unüberschaubare Menge potentieller Interessenten ständig im Internet präsent ist, ist als Unternehmer gem. § 14 BGB zu qualifizieren. <br><br> 4. In Fällen, in denen es keinen Ansatzpunkt für die Annahme gibt, der Anspruchsteller wolle seinen Mitbewerbern schlicht Schaden oder Unannehmlichkeiten bereiten, setzt der Missbrauchsvorwurf (§ 8 Abs. 4 UWG) ein kollusives Zusammenwirken zwischen dem Unterlassungsgläubiger und dem von ihm beauftragten Rechtsanwalt voraus, wobei es genügt, dass der Rechtsanwalt den Mandanten von dessen Kostenrisiko vollständig oder zum großen Teil freistellt (vgl. OLG Frankfurt a.M., Urteil vom 14.12.2008 Az. 6 U 129/08, GRUR- RR 2007, 56, 57). <br><br> 5. Ein Vielzahl einschlägiger Abmahnungen genügt für sich genommen nicht, um ein kollusives Zusammenwirken zwischen dem Anspruchsteller und seinem Rechtsanwalt festzustellen. <br><br> 6. Wenn ein, auch wirtschaftlich unbedeutendes, Unternehmen, das die gesetzlichen Vorgaben beachtet, seine Mitbewerber ebenfalls zur Einhaltung dieser Bestimmungen zwingen möchte, ist dies an sich nicht …
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