OLG Frankfurt a.M.: Abstracts - Die Wiedergabe einer Kurzfassung von Buchrezensionen Dritter (Abstracts) kann zulässig sein, wenn das Abstract einen eigenständigen schöpferischen Gehalt aufweist der dazu führt, dass ein ausreichender innerer Abs

1. Aus § 12 Abs. 2 UrhG ist im Wege des Umkehrschlusses zu entnehmen, dass nach Veröffentlichung des Originalwerkes Inhaltsmitteilungen erlaubt sein können, dass also allein der Umstand, dass der Inhalt eines veröffentlichten Werkes mitgeteilt wird, nach dem Willen des Gesetzgebers nicht für sich genommen den Tatbestand einer unfreien und damit nur mit Zustimmung des Urhebers statthaften unfreien Bearbeitung des Originalwerkes erfüllt. <br><br> 2. Danach hängt die urheberrechtliche Zulässigkeit der Wiedergabe von Kurzfassungen von Originalrezensionen (Abstracts) davon ab, ob in ihnen eine freie Nutzung der Originalrezensionen i.S.v. § 24 UrhG oder eine unfreie Bearbeitung i.S.v. § 23 UrhG zu sehen ist. <br><br> 3. Voraussetzung für eine freie Benutzung nach § 24 Abs.1 UrhG ist zunächst ein eigenes Werkschaffen des Abstract-Verfassers. Die eigene persönliche Schöpfung liegt hierbei in der Ermittlung des Kerngehalts der Original-Rezensionen und in der Komprimierung der gesamten Rezension auf diesen Kerngehalt. Die schöpferische Leistung der Abstract-Verfasser besteht danach darin, auf knappstem Raum den wesentlichen Inhalt der deutlich umfangreicheren Original-Rezensionen wiederzugeben. Dies entspricht vom Niveau her dem Schaffen des Autors eines Sammelwerks nach § 4 Abs.1 UrhG, freilich mit der Maßgabe, dass hier nicht zusammengetragen, sondern komprimiert wird. <br><br> 4. Entscheidend für die Abgrenzung zwischen freier Benutzung nach § 24 UrhG und unfreier Bearbeitung nach § 23 UrhG ist grundsätzlich, ob angesichts der Eigenart des neuen Werkes die entlehnten eigenpersönlichen Züge des geschützten Werkes verblassen (BGH GRUR 1994, 191, 193 – Asterix-Persiflagen, st. Rspr.). <br><br> 5. Im Fall von Abstracts ist anhand differenzierter Kriterien zu beurteilen, ob diese aufgrund eines eigenschöpferischen Schaffens einen so großen inneren Abstand zum benutzten Werk einhalten, dass sie als selbständig anzusehen sind. Ob eine solche, gegenüber dem Originalwerk selbständige Gestaltung vorliegt, hängt im wesentlichen von folgenden Kriterien ab: (1) Der eigenständige schöpferische Gehalt des Abstract ist umso größer, je stärker es dem Abstract-Verfasser gelingt, das besprochene Originalwerk zu komprimieren und dabei gleichwohl dessen wesentliche Gedanken mitzuteilen; denn gerade in dieser Komprimierung besteht seine spezifische schöpferische Leistung. Bei einem Abstract, das ohne wesentliche Verkürzung die Gedanken des Originalwerkes wiedergibt, wird sich demgegenüber der für eine freie Nutzung ausreichende innere Abstand kaum feststellen lassen (vgl. dazu auch OLG Frankfurt, ZUM-RD 1998, 561, 562). (2) Die Individualität des Abstract ist ferner umso größer, je weiter es sich vom Aufbau des Originalwerkes entfernt; ein Abstract, das in der Darstellung und Gliederung weitgehend dem Vorbild folgt, wird kaum als freie Nutzung i.S.v. § 24 UrhG anzusehen sein. (3) Weiter ist von Bedeutung, inwieweit der Abstract…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Olg Frankfurt
Rechtsgebiet: Wettbewerbsrecht

Erschienen 2. Februar 2008 auf http://www.medien-internet-und-recht.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

OLG Frankfurt: Keine Urheberrechtsverletzung durch Kurzzusammenfassungen von Buchrezensionen Dritter (Abstracts) - perlentaucher.d…

Beckmann und Norda Rechtsanwälte Bielefeld | 8. Januar 2008 — Das OLG Frankfurt am Main hat mit zwei Urteilen vom 11.12.2007- 11 U 75/06 und - 11 U 76/06 entschieden, dass die Veröffentlichung…

Oberlandesgericht Frankfurt a.M. : Perlentaucher.de: Inhaltsangaben von Buchkritiken Dritter in verkürzter Form (Abstracts) können…

MEDIEN INTERNET und RECHT | 11. Dezember 2007 — OLG Frankfurt a. M., Urteile vom 11.12.2007- Az: 11 U 75/06 und 11 U 76/07 Die komprimierte Wiedergabe von Buchrezensionen Dritter…

Abstracts und andere Inhaltsmitteilungen im Urheberrecht

Handakte WebLAWg | 26. Februar 2007 — Abstracts gewinnen als Mittel zur Bewältigung der Informationsflut zunehmend an Bedeutung. Die verkürzte Darstellung eines Orig…

Abstracts im Urheberrecht

Archivalia | 26. Februar 2007 — Abstracts und andere Inhaltsmitteilungen im Urheberrecht / Pohl, Bettina Osnabrück, Univ., Diss., 2006. Fachbereich: Rechtswissens…

Adventskalender: 21. Dezember – In the end…

Loseblattsammlung | 21. Dezember 2011 — Das war spannend im November 2011: Zulässigkeit von Abstracts Es war einmal im Jahre 2006 als zwei namhafte Zeitschriften…

Zur Zulässigkeit der Verwertung von „Abstracts“

BLOG | MEIN-RECHT-IM-NETZ.DE | 6. Januar 2011 — Der u. a. für das Urheberrecht zuständige I. Zivilsenat des BGH hat in der Entscheidung „Perlentaucher“ über die urheberrechtliche…

BGH: Sog. Abstracts zu Buchrezensionen Dritter können urheberrechtswidrig sein / Ein Urteil mit offenem Ende - perlentaucher.de

Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte | 6. Dezember 2010 — BGH, Urteil vom 01.12.2010, Az. I ZR 12/08 §§ 24 Abs. 1 UrhG Der BGH hat laut Pressemitteilung entschieden, dass die urhebe…

BGH: Verwertung von sog. Abstracts zu Buchrezensionen können urheberrechtswidrig sein / Ein Urteil mit offenem Ende - perlentauche…

Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte | 6. Dezember 2010 — BGH, Urteil vom 01.12.2010, Az. I ZR 12/08 §§ 24 Abs. 1 UrhG Der BGH hat laut Pressemitteilung entschieden, dass die urhebe…

Urheberrecht im Internet - Bearbeitungen

IT-Blawg | 8. März 2006 — Die Frage nach der Zulässigkeit und Schutzrechtsfähigkeit von Bearbeitungen eines Werkes richtet sich nach §§ 2, 23 UrhG. § 3…

BGH: "Landparty in Hüttenberg" - Zur urheberrechtlichen Zulässigkeit der Aufzeichnung und Wiedergabe von, einer TV-Produktion entl…

MEDIEN INTERNET und RECHT | 24. Juni 2008 — 1. Auch Teile von auf Filmträgern aufgenommenen Filmwerken und Laufbildern genießen Leistungsschutz nach §§ 94, 95 UrhG. 2. Die Be…