OLG Düsseldorf: Wirksamer Vertragsschluss per E-Mail möglich
Grundsätzlich setzt ein Vertragsschluss online wie offline voraus, dass die Willenserklärungen beider Parteien über die wesentlichen Vertragsinhalte übereinstimmen. Dies kann ausdrücklich und konkludent geschehen – soweit die gesetzlichen Vorgaben. Im Internet werden Verträge in der Regel in Online-Shops geschlossen, in dem der Verbraucher seine Bestellung aufgibt und der Unternehmer die Ware versendet. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat nun entschieden (Beschluss v. 26.03.2009 – Az.: I-7 U 28/08), dass es auch bei Zusendung einer E-Mail unter Umständen zu einem stillschweigenden Vertragsschluss kommen kann.
Die Düsseldorfer Richter verhandelten dabei einen Fall, in dem der klagende Immobilienhändler den Beklagten auf Zahlung einer Maklerprovision in Anspruch nahm. Letzterer hatte zuvor zum Makler telefonisch Kontakt aufgenommen, und dabei auch seine E-Mail Adresse genannt. Der Kläger versandte daraufhin per Mail ein Exposé und zwei Terminbestätigungen. Der Beklagte reagierte zwar nicht auf die Mail, erwarb jedoch eines der vom Kläger vorgeschlagenen Häuser. Dieser machte daher vom Beklagten seine Maklerprovision geltend. Der Beklagte wendete ein, dass ein wirksamer Vertrag gar nicht erst zustande gekommen sei. Der E-Mail Account wurde von ihm nicht genutzt, weswegen er gar keine Kenntnis von den Mails hatte.
Das OLG Düsseldorf bejahte den Anspruch des Klägers und verurteilte die beklagte Partei auf Zahlung der Maklerprovision. Durch die E-Mail Zusendung sei stillschweigend ein wirksamer Maklervertrag in Kenntnis des Provisionsverlangens zustande gekommen. Wer sich nun wundert, dass durch einseitige E-Mail Zusendung ein Vertrag zustande kommt, liegt ganz richtig – dadurch kann normalerweise kein Vertrag geschlossen werden. Vorliegend war aber eine andere Wertung vorzunehmen: Wer im Rahmen eines geschäftlichen Kontakts als Hausinteressent einem Immobilienmakler seine E-Mail Adresse nennt, muss davon ausgehen, auf diesem Wege auch Exposés und andere Informationen zu erhalten.
Die Tatsache, dass die Beklagten von der E-Mail gar keine Kenntnis hatten, war für die Wertung des Gerichts, ob es zu einem Vertragsschluss kam, von keiner Relevanz. Wird die E-Mail Adresse Dritten angegeben, so ist die Übersendung von Mails an die Adresse zulässig – werden dann E-Mails nicht gelesen, weil der Interessent seinen E-Mail Account nicht öffnet, werde dies als Zugangsvereitelung gesehen. Den Zugang hat dabei allerdings der E-Mail Versender zu beweisen.
Fazit: Unter bestimmten Voraussetzungen wird der Zugang einer E-Mail fingiert, auch wenn der Empfänger von deren Inhalt tatsächlich keine Kenntnis hatte. Dies gilt insbesondere dann,…
» Vollständiger ArtikelVertragsschluss per E-Mail durch Schweigen?
IT-Blawg | 11. Juni 2010 — Das OLG Düsseldorf (Beschl. vom 26.03.2009 – I-7 U 28/08) hat eine auf den ersten Blick merkwürdige Rechtsansicht geäußert. D…
AG München: Unerwünschte E-Mail-Werbung durch Autoresponder verboten
Das Blog für IT-Recht | 9. Oktober 2009 — Das Amtsgericht München hatte sich Anfang Juli (Urteil vom 09.07.2009 – Az.: 161 C 6412/09) mit der Frage auseinanderzusetzen…
Mit E-Mails muss gerechnet werden
LawBlog | 4. Januar 2010 — Vorsicht mit E-Mails im Rechtsverkehr! Wer die elektronischen Nachrichten unterschätzt, muss mit den Folgen leben können. Und d…
OLG Düsseldorf: Stillschweigender Vertragsschluss nach Erhalt einer E-Mail mit Vertragsangebot
Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte | 3. Februar 2010 — OLG Düsseldorf, Urteil vom 26.03.2009, Az. I-7 U 28/08 §§ 130 Abs. 1; 652 BGB Das OLG Düsseldorf hat anhand entschieden, …
LG Memmingen – E-Mail Werbung ohne Einwilligung ist unzulässig
Das Blog für IT-Recht | 9. Juli 2010 — Im Rahmen des E-Mail Marketings durch Newsletter und andere Werbeformen gilt in Deutschland das sogenannte Opt-in Verfahren. …
Maklervertrag per Email
Dies und das ... | 2. Oktober 2010 — Unter welchen Voraussetzungen ein Maklervertrag zustande kommt, hatte ich in meinem Beitrag "Der Maklervertrag" beschrieben. Dazu …
LG Hamburg: Abmahnung per E-Mail zulässig
Das Blog für IT-Recht | 10. Februar 2010 — In der Regel erfolgt eine Abmahnung schriftlich und wird per Einschreiben mit oder per Fax an den Verletzer zugestellt, um de…
Wettbewerbsrechtliche Abmahnung auch per E-Mail rechtmäßig
IT-Rechtsinfo | 11. Januar 2010 — Hintergrund: Ein Anwalt mahnte die Betreiberin eines Branchenportals ab, die unzulässiger weise die Bezeichnung „Fachanwalt für Ma…
Zur Unzulässigkeit einer vorgegebenen Einverständniserklärung für E-Mail-Direktwerbung
Blog für Gewerblichen Rechtsschutz | 9. März 2011 — Im § 7 UWG ist die sogenannte unzumutbare Belästigung geregelt. Große Bedeutung kommt diesem derzeit im Rahmen der Zusendung …
Verkauf Von Adressdaten: OLG Düsseldorf: Kauf von Adressdaten lässt Sorgfaltspflichten entstehen
Das Blog für IT-Recht | 18. Januar 2010 — In den letzten Monaten kam es vermehrt zu Datenskandalen, bei denen oftmals tausende sensible Daten wie Bank- und Adressdaten …
Wir bieten spezialisierte Rechtsberatung im Medienrecht, IT-Recht, Internetrecht.

