OLG Celle: Zum gerichtlichen Zwangsgeld bei sog. Negativauskunft

OLG Celle, Beschluss vom 31.10.2012, Az. 13 W 87/12§ 793 ZPO, § 888 ZPO

Das OLG Celle hat dazu ausgeführt, was an Auskunft bei rechtswidriger Nutzung fremder Bilder (”Fotoklau”) zu erbringen ist. Nachdem der Beklagte per Anerkenntnisurteil zur Auskunft verpflichtet wurde, erklärte dieser, keine Informationen zu den streitgegenständlichen Bildern mehr zu haben. Hierauf legte ihm das Landgericht ein Zwangsgeld in Höhe von 1.000 EUR auf, wogegen er sofortige Beschwerde einlegte. Was wir davon halten? Die Entscheidung des Senats verstößt hinsichtlich des Umfangs der oktroyierten Auskunftspflicht schlicht gegen das Verfassungsrecht (vgl. hier). Zum Volltext der Entscheidung:

Oberlandesgericht Celle

Beschluss Die gegen den Beschluss der 18. Zivilkammer des Landgerichts Hannover vom 10.09.2012 gerichtete sofortige Beschwerde wird auf Kosten des Beklagten zurückgewiesen.

Gründe

I. Der Beklagte betreibt einen Versand für Pflanzen und veröffentlichte Lichtbilder von verschiedenen Zier- und Nutzpflanzen auf seiner Internetseite zum Zwecke der Werbung. Die Klägerin war Urheberrechtsinhaberin der Lichtbildwerke und nahm den Beklagten auf Unterlassen der Vervielfältigung beziehungsweise Veröffentlichung der Lichtbilder in Anspruch. Durch Anerkenntnisteilurteil vom 5. Juli 2012 wurde der Beklagte u. a. verurteilt, der Klägerin

„Auskunft zu erteilen und Rechnung zu legen über den Umfang der in Nr. 1 des Urteilstenors beschriebenen Verletzungshandlung unter Angabe des Zeitpunkts der Benutzungsaufnahme, der Dauer und Häufigkeit der Benutzung sowie Angabe der jeweils verwendeten Auflösung und Motivgröße des jeweiligen Lichtbildes”

Die Klägerin hielt die ihr erteilte Auskunft für unvollständig und hat beantragt, gegen den Beklagten ein Zwangsgeld in Höhe von 10.000 EUR festzusetzen. Nach Anhörung des Beklagten hat das Landgericht gegen ihn ein Zwangsgeld in Höhe von 1.000 EUR, ersatzweise, für den Fall der Uneinbringlichkeit, Zwangshaft von einem Tag für je 100 EUR festgesetzt.

Hiergegen wendet sich der Beklagte mit der sofortigen Beschwerde, mit der er die Aufhebung der Zwangsgeldfestsetzung erreichen möchte. Er behauptet, er könne, nachdem er die Bilder der Klägerin von seinem Server und parallel von seinem Computer gelöscht habe, nicht mehr nachvollziehen, mit welcher Auflösung, Dateigröße oder in welchem Umfang er die einzelnen Bilder verwendet habe. Lediglich fünfzehn Lichtbilder seien in einem separaten Ordner gespeichert gewesen. Hierüber habe er Auskunft erteilt. Zudem würden sich die von der Klägerin verlangten Beschaffenheitsangaben aus den Screenshots ergeben, die der Klägerin vorlägen. Da ihm die Auskunft unmöglich sei, dürfe das Zwangsgeld nicht festgesetzt werden.

II.

1. Die sofortige Beschwerde ist nach §§ 567 Abs. 1 Nr.1, 793 statthaft und auch im Übrigen zulässig.

2. Die sofortige …

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches
  • Links

Themen: Beschluss , Bilderklau , Urteile & Beschlüsse , Auskunft , Hannover , Olg Celle , Zwangsgeld , Fotoklau , Zpo / Gvg , Oberlandesgericht Celle , Negativauskunft

Erschienen 5. Dezember 2012 auf http://damm-legal.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Urheberrecht: Zum Umfang des Auskunftsanspruchs und Unmöglichkeit

Anwaltskanzlei Ferner Alsdorf | 29. Dezember 2012 — Wer in gewerblichem Ausmaß das Urheberrecht verletzt, kann von dem Verletzten auf unverzügliche Auskunft in Anspruch genommen …

LAG RLP: Zwangsgeld zur Durchsetzung einer Zeugniserteilung

Andere Ansicht | 3. September 2011 — Die Festsetzung der Zwangshaft als Ersatzhaft im Falle der Nichtbeitreibbarkeit des Zwangsgeldes muss die Dauer der Ersatzhaft …

Auskunft genügt

Handelsvertreter Blog | 25. Juni 2012 — Am 13.06.2012 musste das Landgericht Chemnitz über eine Zwangsvollstreckung entscheiden. Vorausgegangen war ein Verurteilung, in…

Herausgabeanspruch von Urkunden kann im PfÜB aufgenommen werden

InsoBlog.de | 2. Januar 2007 — In der Praxis der Zwangsvollstreckung ist es entscheidend, schnell die richtigen Informationen zu bekommen. Ein Gläubiger hat…

Auskunft im Versorgungsausgleich bei Streit über Ablauf des Trennungsjahres

beck-blog | 19. Juli 2011 — Die Beteiligten streiten sich, ob das Trennungsjahr bereits abgelaufen ist und damit die Voraussetzungen für eine Scheiung vorl…

BVerfG: Zum Grundrechtsverstoß durch Erzwingung einer Auskunft bestimmten Inhalts

Dr. Graf | 20. September 2010 — Rechtsnormen: Art. 1, 2 Abs. 1 GG; §§ 888, 889 ZPO; §§ 3, 4, 8, 17 UWG; §§ 242, 259 BGB Das Bundesverfassungsgericht hat mit …

§ 296 InsO – Verstoß gegen Obliegenheiten

LLDK Insolvenzrecht | 6. November 2012 — § 296 InsO – Verstoß gegen Obliegenheiten (1) Das Insolvenzgericht versagt die Restschuldbefreiung auf Antrag eines Insolvenzglä…

Wohin mit dem Zwangsgeld?

Andere Ansicht | 13. März 2012 — Wir betreiben eine Zwangsvollstreckung zur Erteilung von Auskünften. Nachdem sich der Schuldner nach einem Teilversäumnisbeschl…

BGH zur Vollstreckungd er Verurteilung zur Betriebs- und Nebenkostenabrechnung

Anwalt bloggt | 11. Juni 2006 — Mit Beschluss vom 11. Mai 2006 hat der Bundesgerichtshof in dem Verfahren I ZB 94/05 festgestellt, dass die Verurteilung eines …

Gerichtlicher Vergleich, ein Zeugnis nach einem Formulierungsvorschlag zu erteilen, ist nicht vollstreckbar

arbeitsrechtsfix | 14. September 2011 — Sachverhalt Das LAG Düsseldorf hatte folgenden Fall zu entscheiden: Im Rahmen einer Kündigungsschutzklage schlossen die Bet…

BVerfG: Zur Auskunftserteilung / Wer weiß, dass er nichts weiß, muss nicht das Gegenteil erklären (”Negativauskunft”) | Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte

BVerfG, Beschluss vom 11.06.2010, Az. 2 BvR 535/10 §§ 3 Abs. 1; 4 Nr. 11; 17 UWG; Art. 1 Abs. 1; Art. 2 Abs. 1 GG; § 32 Abs. 1 BVerfGG Das BVerfG hat per