Nur mal kurz eingesprungen: Berufungsverfahren weitet sich aus

Das hat man davon, wenn man "mal eben" für einen terminlich verhinderten Kollegen einspringt und für diesen die Verteidigung in einer Berufungssache übernimmt, die nur eine halbe Stunde dauern soll. Eigentlich sollte es heute morgen nur darum gehen, vielleicht eine Strafmaßreduzierung von einem oder zwei Monaten zu erreichen. Der Mandant sitzt in Haft und war erstinstanzlich zu einem Jahr ohne Bewährung verurteilt worden. Die Akte habe ich heute morgen kurz vor der Verhandlung gelesen. Normalerweise hatte die Berufung kaum Erfolgsaussichten. Dann aber die Überraschung: Der Mandant wartete mit einer ziemlich neuen Einlassung auf, die auch das Gericht überraschte und für Stirnrunzeln sorgte. Der 84-jährige Hauptbelastungszeuge, den ich mit dieser Einlassung konfrontierte, wankte und verwickelte sich in gewisse Widersprüche. Ich denke, dass er in einigen Punkten schlichtweg gelogen hat. Also stellte ich Beweisanträge. Die Verhandlung dauerte eineinhalb Stunden und wird nächste Woche fortgesetzt. Ich bin zum Pflichtverteider bestellt worden, was ich nur ganz ausnahmsweise mache, und muss jetzt zum Fortsetzungstermin wieder persönlich antreten. Wenn´s der Gerechtigkeit dient ... Autor: RA Rainer Pohlen Kanzlei POHLEN + MEISTER

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Themen: Berufungsverfahren

Erschienen 9. März 2006 auf http://www.strafblog.de.

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