Nur noch einzelne Flugausfälle wegen Aschewolke

Frankfurt/Brüssel/Reykjavik (Reuters) - Nach den tagelangen Flugausfällen durch die Aschewolke ist der europäische Luftverkehr am Donnerstag wieder in geordneten Bahnen verlaufen.

Nur in Teilen Skandinaviens und Schottlands gab es nach Angaben der Luftfahrtbehörde Eurocontrol noch Einschränkungen, die zu vereinzelten Flugausfällen führen könnten. Der restliche Luftraum über dem Kontinent war wieder geöffnet.

Auf Island schrumpfte die Aschewolke über dem Vulkan Eyjafjallajökull deutlich. Sie erreichte nach Angaben von Meteorologen eine Höhe von bis zu drei Kilometern über dem Vulkan, nachdem sie in den Tagen zuvor bis zu etwa neun Kilometer hoch gewachsen war. Die Experten vermuteten, dass der Vulkan noch eine Weile Asche und Rauch spuken könnte. Starke Beben deuteten zudem daraufhin, dass sich womöglich mehr Lava bilde sowie Gestein schmelze, sagte die Geophysikerin Steinunn Jakobsdottir.

Europas große Fluggesellschaften kehrten unterdessen zu ihren regulären Flugplänen zurück - nur ganz vereinzelt gab es Streichungen. Die größte deutsche Airline Lufthansa sprach von einem normalen Flugtag. Der Interkontinentalverkehr an den großen Drehkreuzen Frankfurt und München werde ohne Behinderungen ablaufen. Lediglich in Skandinavien könnten noch nicht alle Flughäfen angeflogen werden.

Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt sollten über 90 Prozent der insgesamt 1400 Flüge abgewickelt werden. Die Situation in den Terminals sei entspannt, mittlerweile hätten alle Passagiere, die über das Wochenende in Frankfurt gestrandet waren, den Flughafen verlassen können, sagte ein Sprecher. Für Freitag erwartet der Betreiber Fraport, dass fast alle geplanten Flüge starten und landen könnten. Viele Airlines bieten schon seit Mittwoch wieder nahezu alle Flüge an. Davor waren nur Sichtflüge mit Sondergenehmigung erlaubt.

SCHADEN IN MILLIARDENHÖHE

Das komplette Flugverbot dauerte fast vier Tage. Für den gesamten Wirtschaftszweig hatte der weltweite Branchenverband IATA die Kosten bis Mittwoch auf mehr als 1,7 Milliarden Dollar beziffert.

An einem normalen Tag etwa bietet Lufthansa rund 1800 Flüge an. Nach Analystenschätzungen kostete die Aschewolke große Airlines wie Lufthansa und Air France-KLM täglich 20 bis 25 Millionen Euro. Die skandinavische Fluggesellschaft SAS etwa bezifferte die Kosten durch die Flugausfälle auf knapp 48 Millionen Euro. Schweden will seinen Fluggesellschaften helfen. Die Regierung biete betroffenen Airlines einen 90-tägigen Erlass von Sozialabgaben und Flughafengebühren an, sagte ein Sprecher. Zudem sei die Regierung in "intensiven Gesprächen" mit der EU-Kommission über gemeinsame Hilfen für die Luftfahrtbranche. Anfang kommender Woche wolle sie ihre Entscheidungen bekanntgeben.

Neben den Fluggesellschaften verzeichneten auch Flughäfen und Reiseveranstalter Einbußen. Fraport schätzt den negativen Ergebniseffekt auf bis zu 15 Millionen Euro. Den größten europäischen Reiseveranstalter TUI Travel kosteten die Flugausfälle umgerechnet mindestens 23 Millionen Euro (20 Millionen Pfund).

Nach Einschätzung der BayernLB wird die Aschewolke die Konjunkturerholung in Deutschland nicht abwürgen. Im zweiten Quartal 2010 werde das Wachstum maximal um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte durch die Verluste der Fluglinien und Lieferunterbrechungen gedrückt, sagte BayernLB-Chefvolkswirt Jürgen Pfister. Das gelte für Deutschland und Europa. Hierzulande werde das Wachstum im Zeitraum April bis Juni gegenüber dem ersten Quartal 2010 damit noch 0,8 bis 0,9 Prozent statt der eigentlich erwarteten 1,0 Prozent betragen.



Quelle: Reuters (22. April 2010)

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Themen: Germany , Lufthansa , Western Europe , Europe , German General News , Domestic Politics , German Equities , Automobiles And Components , Corporate Results , Corporate Results Forecasts , Rauch , Sprecher , Airlines , Macro-economics , Road And Rail , Air Transport , Economic Indicators

Erschienen 22. April 2010 bei http://www.reuters.com.

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