Staatsanwältin: Ansbacher Amokläufer handelte aus Menschenhass
Reuters | 21. September 2009 — Ansbach (Reuters) - Der Amokläufer an einem Gymnasium in Ansbach hat nach Erkenntnissen der Ermittler aus Menschenhass Mitschül…
Ansbach (Reuters) - Einen Tag nach dem Amoklauf an einem Gymnasium im fränkischen Ansbach haben die Ermittler noch kein Motiv für die Tat des 18-Jährigen.
Offenbar sei das Verbrechen geplant gewesen, sagte Oberstaatsanwältin Gudrun Lehnberger am Freitag in Ansbach und verwies auf entsprechende Aufzeichnungen des Täters. Eine 25-köpfige Kommission der Kriminalpolizei sein eingerichtet, um die Tat aufzuklären. Gegen den Jugendlichen, der nach einer Notoperation noch nicht ansprechbar war, sei ein Haftbefehl wegen zehnfachen Mordversuchs beantragt worden. Eines der beiden schwer verletzten Mädchen schwebte weiter in Lebensgefahr.
Bei der Durchsuchung des Zimmers des 18-Jährigen hätten die Einsatzkräfte ein Testament mit dem Datum "9/11" und ein Kalenderblatt des 17. September mit der Aufschrift "Apocalypse today" gefunden, teilte die Staatsanwältin mit. Der 11. September ist das Datum der Anschläge auf das World Trade Center in New York. Die Eltern hätten bisher ihre Aussage verweigert, sagte Lehnberger. Die Auswertung der Computers des Täters sei noch nicht abgeschlossen. Schuldirektor Franz Stark beschrieb den Gymnasiasten, dessen 13. Jahrgangsstufe am (heutigen) Freitag eine Auslandsfahrt hätte antreten sollen, als introvertiert.
Die Staatsanwältin schilderte weitere Details zum Tathergang. Demnach drang der Schüler mit fünf Brandsätzen, vier Messern und einem Beil bewaffnet in das Gymnasium ein. Er habe je zwei Brandsätze in zwei Klassenzimmer geworfen. Durch die Brandsätze und mit dem Beil habe er insgesamt zehn Menschen verletzt, neun Schüler und einen Lehrer. Zwei 15-jährige Mädchen aus der 10. Klasse wurden schwer verletzt. Eines der beiden erlitt ein offenes Schädel-Hirn-Trauma und schwebe weiter in Lebensgefahr. Nur elf Minuten nach dem Eingang des Notrufs streckte die Polizei den Täter mit fünf Schüssen aus einer Maschinenpistole nieder und verhinderte damit vermutlich Schlimmeres.
Oberbürgermeisterin Carda Seidel kündigte an, der reguläre Schulbetrieb am Gymnasium Carolinum solle so bald wie möglich wieder aufgenommen werden. Am Montag werde es den Schülern genau wie heute freigestellt, ob sie in die Schule kommen oder nicht. In der Sporthalle der Schule wurden Schüler, Eltern und Lehrer am Freitag von Psychologen und Notfallseelsorgern betreut.
Erschienen 18. September 2009 bei http://www.reuters.com.
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