Newsletter: Was ist rechtlich zu beachten?

Zum Thema Newsletter gibt es inzwischen in etwa so viel Unsicherheit, wie es Urteile dazu gibt. Im Folgenden einige ausgewählte Entscheidungen und Hinweise zum Thema. Das Schreiben vom Rechtsanwalt an den Shop-Betreiber (und unseren späteren Mandanten) war kurz & bündig und lautete Sinngemäß: “Sie haben meiner Mandantin am … um … Uhr eine Email mit werbenden Inhalten unverlangt zugestellt. Hiermit frage ich Namens meiner Mandantin entsprechend §34 BDSG an, welche Daten Sie zu ihrer Person gespeichert haben und woher Sie diese Daten erhalten haben”. Nach erteilter Auskunft kam postwendent eine Abmahnung wegen eines unverlangt zugestellten Newsletters.

Wie so oft wurden die Daten von Kunden in diesem Fall automatisiert erfasst und für spätere Werbesendungen genutzt. Die Kunden wurden zu keinem Zeitpunkt (auch nicht innerhalb der versendeten Mails) über diese Verwendung informiert. Leider ist dies kein krasser Einzelfall, sondern vielmehr ein typisches Beispiel: Newsletter werden bis heute viel zu lax gehandhabt.

Werbung?

Die Frage, ob ein Newsletter Werbung darstellt, kann man mit dem BGH (I ZR 218/07) so beantworten: Im Regelfall ja. Wie der BGH dazu ausführt:

Werbung ist jede Äußerung bei der Ausübung eines Handels, Gewerbes, Handwerks oder freien Berufs mit dem Ziel, den Absatz von Waren oder die Erbringung von Dienstleistungen zu fördern (vgl. Art. 2 lit. a der Richtlinie 2006/ 114/ EG über irreführende und vergleichende Werbung). Dazu zählt auch die in Rede stehende E-Mail der Beklagten, mit der sie ihre Geschäftstätigkeit gegenüber der Klägerin darstellt.

Nur mit Einwilligung

Der Grundsatz ist einfach: Eine werbende Mail geht nur an diejenigen, die vorher auch eingewilligt haben. Im Fall eines Newsletters bedeutet dies, dass man diesen abonniert haben muss. Beim AG Heidelberg (27 C 488/08) habe ich es schön kurz gefunden:

Die Zusendung einer E-Mail zu Werbezwecken ist nur dann ausnahmsweise zulässig, wenn der Empfänger ausdrücklich oder konkludent sein Einverständnis erklärt hat, E-Mail-Werbung zu erhalten, oder wenn – gegenüber Gewerbetreibenden – aufgrund konkreter tatsächlicher Umstände ein sachliches Interesse des Empfängers vermutet werden kann.

Das klingt einfach, ist es aber leider nicht. Insbesondere ist immer wieder das Verlangen recht hoch, einem Kunden irgendwie den eigenen Newsletter “anzudrehen”, ja gar “unterzuschieben”. Das aber wird auf sicherem rechtlichen Boden nicht gelingen.

Ein simples “Opt-Out”-Verfahren ist für Newsletter mit dem BGH (VIII ZR 348/06) nicht mehr ausreichend. Es ist somit zu fordern, dass der Newsletter-Betreiber sicherstellt, dass nur derjenige auf dem Newsletter landet, der ihn auch wirklich abbonnieren möchte. Also auch ein einfaches “Opt in” wird nicht ausreichend sein. Das “Double-Opt-In”-Verfahren ist vielmehr zu verlangen (so das LG Ess…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Email , Urteile , It-recht , Uwg , Entscheidungen , Newsletter , Rede , Heidelberg
Rechtsgebiet: Verbraucherrecht

Erschienen 18. Januar 2011 auf http://www.ferner-alsdorf.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Newsletter: Was ist rechtlich zu beachten?

Anwaltskanzlei Ferner Alsdorf | 18. Januar 2011 — Zum Thema Newsletter gibt es inzwischen in etwa so viel Unsicherheit, wie es Urteile dazu gibt. Im Folgenden einige ausgewähl…

Hanseatisches OLG: Unerwünschte E-Mail-Werbung - Die Zusendung einer Werbe-E-Mail ohne Einwilligung des Adressaten, stellt regelmä…

MEDIEN INTERNET und RECHT | 15. Oktober 2007 — 1. Bei der Zusendung von E-Mails handelt es sich nach der Definition in Art. 2 Satz 2 lit. h der Datenschutzrichtlinie für elektro…

Spam E-mail Urteil Bgh: BGH: E-Mail-Werbung II - Bereits die einmalige Zusendung einer Werbe-E-Mail ohne vorherige ausdrückliche Einwilligung des Adressat…

MEDIEN INTERNET und RECHT | 28. August 2009 — 1. Bereits die einmalige unverlangte Zusendung einer E-Mail mit Werbung kann einen rechtswidrigen Eingriff in das Recht am eingeri…

Newsletterdienste, Spamvorwürfe und das Double-Opt-In-Verfahren

SCHINDLER BOLTZE Rechtsanwälte | 31. Oktober 2007 — Unverlangte zugesandte Werbe-E-Mails stellen als sogenannter Spam eine unzumutbare Belästigung dar, die rechtlich mit Hilfe d…

Streitwert: Unverlangte Zusendung von Email bzw. Newsletter

Anwaltskanzlei Ferner Alsdorf | 26. Oktober 2010 — Zu dem Thema “unverlangte Emails” habe ich in der Vergangenheit (auch als Betroffener) schon sehr viel geschrieben, am interess…

Wer spammt, zahlt…

kielanwalt.de | 15. Juli 2004 — [Veröffentlicht bei “anwalt4you” - Juli 2004 und “Rechtpraktisch” - August 2004] Jan A. Strunk Die Zusendung einer unverlan…

Zur Unzulässigkeit einer vorgegebenen Einverständniserklärung für E-Mail-Direktwerbung

Blog für Gewerblichen Rechtsschutz | 9. März 2011 — Im § 7 UWG ist die sogenannte unzumutbare Belästigung geregelt. Große Bedeutung kommt diesem derzeit im Rahmen der Zusendung …

BGH: Bereits die einmalige unverlangte Zusendung einer Email, die auf die Geschäftstätigkeit hinweist, ist unzuässig - E-Mail-Werb…

Beckmann und Norda Rechtsanwälte Bielefeld | 27. August 2009 — BGH Beschluss vom 20.05.2009 I ZR 218/07 E-Mail-Werbung II UWG § 8 Abs. 3 Nr. 1; BGB § 823 Abs. 1 Ai, § 1004 Abs. 1 Satz 2 Der BGH…

Werbe-Mails mittels Confirmed-Opt-In unzulässig!

BLOG | MEIN-RECHT-IM-NETZ.DE | 21. Dezember 2009 — Mit dem Amtsgericht Düsseldorf urteilte ein weiteres Gericht unlängst über die Frage, mit welchem Verfahren der Versand von Werbe-…

Newsletter: Zustimmung muss nachgewiesen werden

Rechtsteufel | 21. April 2010 — Der Versand von Newslettern, ohne Einwilligung der Empfänger, ist nicht zulässig. Das dürfte sich mittlerweile überall herumges…