Neues zum Bologna-Prozeß
am 02.05.2006 von http://www.sartorienfelder.de
Heute erschien in der FAZ ein (leider online nur gegen Bares abrufbarer) Beitrag zu diesem Thema mit der Überschrift Musterknabe Europas. Anlaß ist eine Tagung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), einer als Forschungseinrichtung verkleideten Lobbygruppe in Sachen Hochschulpolitik und der Konrad-Adenauer-Stiftung in Cadenabbia. Die Autorin des Artikels zieht das Fazit:Skeptiker wenden sich aber gegen die deutsche Fehlinterpretation, dieselben Abschlüsse überall einzuführe. Davon findet sich nichts in der sogenannten Bologna-Erklärung aus dem Jahre 1998. Darin ist nur von einem System vergleichbarer Abschlüsse sowie zweistufen Studienabschlüssen die Rede, die vergleichbar und vereinbar zu sein hätten. Kein anderes Land außer Deutschland hat die Vorgaben von Bologna mit solchem Übererfüllungseifer in die Tat umgesetzt. Die Franzosen haben von Anfang an Licence, Master, Doctorat (LMD) beibehalten, andere Länder sind noch enger bei ihren Abschlüssen geblieben, weil sie die Bologna-Erklärung zu Recht als Empfehlung verstehen, nicht jedoch als völkerrechtlich bindend.
Ein Vertreter des Deutschen Hochschulverbandes (DHV) wies zudem auf einige Schwierigkeiten hin, die sich in der Praxis daraus ergeben und unter denen die Studenten zu leiden haben:In Cadenabbia wies der Geschäftsführer des Deutschen Hochschulverbandes, Hartmer, darauf hin, daß die Paßfähigkeit und Einheitlichkeit international anerkannter Abschlüsse eine Chimäre sei. Nach einer Umfrage unter Studienzulassungsfachleuten an 90 amerikanischen und kanadischen Hochschulen wird der dreijährige Bachelor-Abschluß als Zulassungsvoraussetzung für ein Masterstudium nicht anerkannt, nur ein vierjähriges Studium
Es zeigt sich, daß beispielsweise die große Reserve, die die Justizminister gegenüber dieser Entwicklung an den Tag legen (siehe z. B. hier), nicht starrköpfigen Beharrungsritualen entsprang, sondern nach wie vor sachlich gut fundiert ist. …
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