Krisengespräche zu A400M gehen am Freitag weiter
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Berlin (Reuters) - Im Streit über die Kostenexplosion beim Militärtransporter A400M sind Industrie und Abnehmerstaaten am Donnerstag in Berlin zu neuen Verhandlungen zusammengekommen.
Neben Staatssekretären aus den beteiligten Staaten sollten an dem Treffen im Bundesverteidigungsministerium auch EADS-Chef Louis Gallois und Airbus-Chef Tom Enders teilnehmen. Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hatte EADS vor den Beratungen erneut vor überzogenen Forderungen gewarnt.
"Die Verantwortung und auch das damit verbundene unternehmerische Risiko für Entwicklung und Produktion des A400M liegt gemäß des 2003 geschlossenen Vertrags ausschließlich bei der Industrie", sagte Guttenberg dem "Bayernkurier". Die Abnehmerstaaten seien EADS beim Zeitplan des lange verzögerten Flugzeuges bereits weit entgegengekommen. "Unsere Kompromissbereitschaft in Bezug auf die Kostenentwicklung und die geforderten Leistungsparameter ist allerdings begrenzt".
Die "Financial Times Deutschland" berichtete, EADS könne den Militärtransporter selbst bei der verspäteten Lieferung ab 2013 zunächst nicht mit den vertraglich vereinbarten Fähigkeiten liefern. "Wir haben Leistungen versprochen, die wir nicht halten können", zitierte die Zeitung einen hochrangigen EADS-Manager. So werde der A400M den automatischen Tiefflug durch Täler nicht beherrschen, den sich die Deutschen gewünscht hatten. Sehr fraglich sei weiter, ob der künftige deutsche Schützenpanzer Puma wie gefordert transportiert werden könne.
Das EADS-Management war unmittelbar vor den Verhandlungen massiv unter Druck geraten. Ein vertraulicher Bericht der Wirtschaftsprüfer von PriceWaterhouse-Coopers bescheinigte dem Rüstungskonzern, über keine normale Finanzkontrolle für das Projekt zu verfügen. Die Mehrkosten in Milliardenhöhe ließen sich nur eindämmen, wenn sich die Leistung des Managements und die Abläufe entscheidend verbesserten, heißt es in dem Gutachten, das Reuters vorlag.
Ursprünglich hatten die Vertragspartner einen Festpreis von 20 Milliarden Euro für den A400M vereinbart. Inzwischen wird allerdings von Mehrkosten in Höhe von mindestens 7,6 Milliarden Euro ausgegangen. Davon will EADS 5,2 Milliarden Euro auf die Bestellnationen abwälzen, was diese bisher ablehnen. Für die übrigen 2,4 Milliarden Euro hat der Konzern Rückstellungen gebildet. Inzwischen drängt die Zeit für eine Einigung, da ein mehrfach verlängertes Stillhalteabkommen Ende Januar ausläuft. Danach haben die Staaten bis Ende März ein Kündigungsrecht. Deutschland ist mit 60 Flugzeugen größter Abnehmer des A400M.
Nach Einschätzung der Wirtschaftsprüfer kann EADS das Projekt bis zu einem Verlust von 7,6 Milliarden Euro schultern. "Auf längere Sicht bringt eine Verlustabschreibung von 7,6 Milliarden Euro zwar eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit mit sich", schrieben die Prüfer. Der Konzern werde aber weiter in der Lage sein, sich Geld zu beschaffen und Kredite zu bekommen. Sollte der Verlust höher liegen, könnte EADS ohne neue Finanzquellen nicht weitermachen. Ein Ausstieg aus dem Vertrag dürfte für EADS schwerwiegendere Konsequenzen haben als eine Fortsetzung.
Erschienen 21. Januar 2010 bei http://www.reuters.com.
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