Musiktauschbörse: 130 Hausdurchsuchungen und 3.500 Verdächtige
am 24.05.2006 von http://www.strafblog.de
Die Staatsanwaltschaft Köln hat welt-online zufolge bundesweit 130 Hausdurchsuchungen veranlasst und 3.500 Tatverdächtige ermittelt, die illegal Musikdateien getauscht haben sollen. Überraschenderweise sollen nur relativ wenige Jugendliche dabei sein, dafür aber zahlreiche junge Erwachsene und auch ältere Menschen. Den Verdächtigen wird vorgeworfen, im Einzelfall bis zu 8000 Dateien über die Tauschbörse eDonkey angeboten haben. Gegen alle Beschuldigten wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Festnahmen gab es keine. „Es handelt sich um das größte Verfahren, das jemals in Deutschland gegen illegale Angebote in Internettauschbörsen durchgeführt wurde“, wird der mit den Ermittlungen betraute Staatsanwalt Jürgen Krautkremer zitiert.
Weiter heißt es bei welt.de:
Die Ermittler beobachteten zwei Monate lang einen Server im Rhein- Erft-Kreis, über den das Netzwerk verbunden war. Mit einer eigens entwickelten und weltweit einmaligen Software wurden in dieser Zeit 800 000 Datensätze und 14 Gigabyte Log-Dateien gesichert. 40 000 Internetadressen wurden auf diese Weise ermittelt. Viele davon waren nur zeitweise vergeben. Mit Hilfe der Internetprovider konnten nach schließlich 3500 Nutzer namentlich identifiziert werden.
Durchsuchungsanträge seien für diejenigen gestellt worden, die im Beobachtungszeitraum 500 und mehr Dateien angeboten hätten. 500 Dateien entsprechen Krautkremer zufolge rund 25 bis 30 Musik-CDs. Die Beschuldigten hätten sich strafbar gemacht, da sie gegen das Urheberrecht verstoßen hätten. Dafür seien Geldstrafen oder auch Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren vorgesehen. Zudem müssen die Beschuldigten mit Schadenersatzforderungen der Musikfirmen rechnen. Diese lagen in der Vergangenheit zwischen 4 000 und 15 000 Euro.
Der WELT-Artikel berichtet auch Informatives zum Umfang der Schäden, die der Musikindustrie angeblich jedes Jahr durch Produktpiraterie entsteht und ist durchaus lesenswert.
Autor: RA Rainer Pohlen
Kanzlei POHLEN + MEISTER
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