Minister vs. Minister

Bzw Ministerin vs Ministerin, um ganz korrekt zu sein. Das ist Brutalität: Nachdem ein innenpolitisch sehr umstrittener Erlass von Sozialministerin Ursula Haubner (BZÖ ), mit dem ausländische Neugeborene in Österreich de facto oft monatelang von Familienleistungen ausgeschlossen wurden, in Österreich für einige Aufregung gesorgt hat, hat eine andere Ministerin, die Innenministerin Liese Prokop (ÖVP), das Problem auf recht kreative Weise entschärft. Zum Hintergrund:

Seit 1. 1. 2006 gilt das neue Fremdenpolizeigesetz. Demnach müssen Ausländer zum Nachweis des rechtmäßigen Aufenthalts Niederlassungsbewilligungen samt Sichtvermerk einholen. Daran anknüpfend verlangt das Sozialministerium für die Auszahlung des Kindergeldes (436 Euro) sowie der Familienbeihilfe (156 Euro) von ausländischen Eltern eine Niederlassungskarte für ein hier geborenes Kind.

Weil das Verfahren vom Staatsbürgerschaftsnachweis im Herkunftland bis zur Ausstellung der Karte bei den österreichischen Behörden bis zu einem halben Jahr dauern kann, wurden bisher die Sozialleistungen rückwirkend mit der Geburt ausgezahlt. Eine Regelung, die Sozialministerin Ursula Haubner (BZÖ ) im August per Verordnung gekippt hat. Seither gibt es erst Geld, wenn die nötigen Unterlagen für das Kind vorliegen. (Link)

Diese Vorgehensweise wurde quer durch alle politischen und gesellschaftlichen Gruppierungen verurteilt, nur vom rechten Rand des politischen Spektrums bekam man dafür Beifall. Es bestand bzw besteht im Parlament prinzipiell Einigkeit, das Gesetz entsprechend zu ändern. Nachdem Haubner ihren Erlass aber partout nicht zurücknehmen wollte, ist nun das Innenministerium der Parlamentssitzung zuvorgekommen:

Man werde die Durchführungsverordnung des Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetzes entsprechend zu ändern, kündigte ein Ministeriumssprecher an. Künftig wird es für das Kind nicht mehr nötig sein, über einen Pass zu verfügen, sondern es werden als Aufenthaltstitel (und damit: den zugan zu Sozialleistungen) die Geburtsurkunde plus Aufenthaltskarte der Mutter ausreichend sein.

Damit ersparen sich betroffene Eltern künftig den Weg in ihr Heimatland, um dort sofort das notwendige Dokument für das Neugeborene zu beschaffen. Durch die teils langen Wartezeiten waren die Mütter und Väter oft monatelang um die Familienleistungen für ihre Kinder umgefallen. Ein rückwirkender Anspruch ergibt sich durch diese Änderung freilich nicht, der könnte nur vom Gesetzgeber mit einer Novelle des Familienlastenausgleichsgesetz hergestellt werden. (orf.at)

Bitte beachten Sie: Dieser Artikel ist nicht mehr im Original verfügbar.

  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches
  • Links


Erschienen 11. Dezember 2006 auf http://www.aktenvermerk.at.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Noch einmal: Kindergeld für Ausländer

Rechtslupe | 30. Juni 2010 — Die am 1. Januar 2006 in Kraft getretene Neuregelung des Kindergeldes für Ausländer ist nach Auffassung des Bundesfinanz…

“Führerscheintourismus” nach dem 19.01.2009 – Vorsicht

Heymanns Strafrecht Online Blog | 30. Juni 2010 — Der Führerscheintourismus” lässt uns auch nach der 3. Führerscheinrichtlinie und den Gesetzesänderungen …

CSU-Ministerin schlägt doppelten Kinderbonus bei der Rente vor

Reuters | 8. März 2010 — Berlin, 08. Mär (Reuters) - Die CSU schlägt eine doppelte Besserstellung von Eltern bei der Rente vor. Wer Kinder habe, solle…

Von der Leyen: Reform der Hartz-IV-Sätze nicht vor 2011

Reuters | 15. Januar 2010Berlin (Reuters) - Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen zeigt in ihrem neuen Amt keine Eile mit einer Neuberechnung der…

Eltern haften für Ihre Kinder?

Anwaltskanzlei Ferner Alsdorf | 14. Juli 2010 — Der Sachverhalt beim Amtsgericht München (155 C 16937/09) ist schnell dargestellt: Eine Mutter mit Kind steigt in ein Taxi. Das…

Die 56-jährige Spätgebärende, die verheiratete Leihmutter und das Verwaltungsgericht

beck-blog | 29. April 2011 — Abstammungsfragen und ihre Folgen werden immer komplexer. Pressemitteilung des VG Berlin vom 27.04.2011: Das VG Berlin (E…

In Deutschland gilt deutsches Recht? Nicht immer, jedenfalls nicht beim Thema Kindergeld

Panorama | 30. September 2011 — Die Eltern haben sich getrennt. Die Kinder wurden zunächst abwechselnd wochenweise von den Eltern betreut, indem die Kinder in der…

Bund kalkuliert für Hartz-IV-Kinderbildung 20 Euro ein

Reuters | 5. Juli 2010Berlin (Reuters) - Die Bundesregierung veranschlagt die Bildungsausgaben für Kinder in Hartz-IV-Familien vorerst mit rund 20 Eu…

Wer darf mit dem Kind in den Urlaub?

Szary Blog | 19. Juli 2010 — Neben den normalen Wochenendbesuchen – in der Regel alle 14 Tage von freitags bis sonntags – ist es den getrennt lebenden Väter…

BGH vom 16.06.2010 XII ZB 35/10: Rechte des Vaters eines nichtehelichen Kindes

www.scheidung-professionell.de | 4. September 2010 — Der amtliche Leitsatz der Entscheidung lautet: “Wird der allein sorgeberechtigten Mutter eines nichtehelichen Kindes das Aufe…

nachrichten.at
Verordnung vor Gesetzesänderung