Microsoft vs. ACME

Die Microsoft Deutschland GmbH schreibt gerade Kunden der Compusoft GmbH an, da dieses Unternehmen “in großem Umfang mit unrechtmäßigen Microsoft Softwareprodukten gehandelt” hat. Mit den - nun ehemaligen - Kunden der Firma Compusoft, ihrerseits Händler, versucht Microsoft jetzt “bevor weitere rechtliche Schritte eingeleitet bzw. vorangetrieben werden” eine gütliche Einigung zu erzielen. Nur “höchst vorsorglich” habe man einen Mahnbescheid bezüglich der Forderung beantragt. Man bittet um Mitteilung, ob und wann ein klärendes Telefongespräch stattfinden könne.

Für den Fall, dass man auf dieses Schreiben nicht reagiert, wird aber schon mal in Aussicht gestellt, die Angelegenheit den Anwälten zu übergeben. Um die Sache abzurunden, wird ein Entwurf der zu erwartenden Abmahnung beigefügt.

Mit der Abmahnung würden den Händlern dann diverse Verstöße gegen das Urheberrechtsgesetz und das Markengesetz vorgeworfen und eine strafbewehrte Unterlassungserklärung verlangt. Microsoft möchte den durch die Raubkopien verursachten Schaden ersetzt haben und verlangt umfassende Auskünfte darüber, wem die unrechtmäßigen Softwareprodukte wann für wieviel verkauft wurden. Noch vorhandene Exemplare müssten selbstverständlich zwecks Vernichtung herausgegeben werden.

Über besagte Post von Microsoft durfte sich heute Erik Schmidt, Leser und Linklieferant dieses Blogs, freuen wundern (Da sein Anwalt noch kein Blog hat, wurden die Rechte an der Berichterstattung mir zugesprochen).

Erik hat eine Firma, die “ACME aachener micro electronic GmbH” heißt (nicht etwa nur “ACME” im Sinne von “A company that manufactures everything”). Seine Firma soll nun Rechenschaft ablegen über 14 bei Compusoft erworbene unrechtmäßige Microsoft Softwarelizenzen.

Über solche Post hätte er sich bestimmt ganz schön erschrocken, wenn seine Firma mal Kunde bei Compusoft gewesen wäre. Nur war sie zu keiner Zeit dort Kunde und hat entsprechend die vorgeworfenen Raubkopien nie gesehen.

Angeschrieben wurde aber auch nicht etwa die “ACME aachener micro electronic GmbH” sondern ganz einfach die “ACME GmbH”, von Microsoft nach eigenen Angaben der Ermittlungsakte gegen Compusoft bzw. der Kundenliste aus dem Warenwirtschaftssystem entnommen.

Als Beleg ist eine “Übersicht der Schadensfälle” beigefügt, aus der sich ergibt, dass an einem Tag im August 2000 ein einzelner Einkauf getätigt wurde. Welche Firma der Käufer war, steht da leider nicht, nur Datum, Produkt, Anzahl. Sehr übersichtlich.

Hatte ich erwähnt, dass die ACME aachener micro electronic GmbH im Jahr 2000 noch einen ganz anderen Namen ohne jegliches “ACME” oder “GmbH” hatte?

Eine Frage drängt sich in dem Zusammenhang noch auf: Wenn sich nach gut 6 Jahren mal die Adresse irgendeiner ACME GmbH geändert hat, recherchieren Microsoft-Leute dann bei Google?

Ach, noch eine: Ist Eric Schmidt noch CEO bei Google?

Bitte beachten Sie: Dieser Artikel ist nicht mehr im Original verfügbar.

  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches
  • Links

Themen: Microsoft

Erschienen 15. Januar 2007 auf http://www.ra-blog.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Microsoft vs. ACME (Teil 2)

RA-Blog | 25. Januar 2007 — Erik Schmidt von der ACME aachener micro electronic GmbH hat einen Mahnbescheid bekommen. Von der Microsoft Corporation aus R…

Microsoft und “Bing!” im Namensstreit um “Bing”

Bösel, Kohwagner & Kollegen | 22. Dezember 2009 — Laut eines Berichts des Heise-Verlags hat eine Design-Firma aus St. Louis im US-Bundesstaat Missouri eine Markenrechtsklage g…

Nach Streetview nun Streetside

hb-law.de | 8. April 2011 — Nachdem die Diskussionen über Google Streetview nahezu verebbt sind, rollt die nächste Kolonne Kameraautos auf Deutschland zu. …

Marktmissbrauch bei Office-Software

German American Law Journal :: US-Recht auf Deutsch | 9. Mai 2011 — CK - Washington.   In den neunziger Jahren übte Micro­soft in den USA wett­bewerbs­widrigen Druck auf Her­steller in Märkten aus, …

US-Richter untersagt Microsoft den Verkauf von Word

medien-gerecht | 12. August 2009 — Ein Richter des District Court für den Eastern District of Texas hat gestern Microsoft den Verkauf weiteren Verkauf von Word un…

MS: Raubkopierer online an den Pranger

Handakte WebLAWg | 2. Juni 2006Microsoft hat damit begonnen, auf seiner Website Unternehmen und Personen namentlich zu nennen, die Raubkopien von Microsoft-…

Unkenntnis oder böse Falle?

Red Tape | 27. Mai 2009 — Mandantin hat Anspruch auf Löschung einer Zwangshypothek. Erst konnte der Geschäftsführer der Gläubigerin, eine A-GmbH & Co…

Bing! - Streit um Microsoft Marke

MarkenBlog | 21. Dezember 2009 — Eine Design-Firma aus St. Louis im US-Bundesstaat Missouri hat eine Markenrechtsklage gegen Microsoft eingereicht. Der Name d…

Bundeskartellamt verhängt Bußgeld gegen Microsoft

JIPS News | 8. April 2009 — Ein Bußgeld in Höhe von 9 Millionen Euro hat das Bundeskartellamt gegen die Microsoft Deutschland GmbH verhängt. Begründet wurd…

Microsoft muss schon wieder zahlen

ElbeBlawg | 12. Juli 2006 — Die EU-Kommission hat gegen Microsoft ein Zwangsgeld in Höhe von 280 Millionen Euro verhängt, weil Auflagen, die dem Unternehme…

Eric Schmidt � Wikipedia
ACME aachener micro electronic GmbH - Home
heise online - Compusoft-Chef Elhady hinter schwedischen Gardinen