Microsoft goes Kreditkarte

Golem.de meldet, dass Microsoft in Zusammenarbeit mit VISA und der Landesbank Berlin eine vergleichsweise neuartige Form von Kreditkarte an. Die "Xbox Visa Card prepaid" hat eine klare Zielgruppe: Minderjährige, denen mit einer Kreditkarte die Teilnahme am Online-Angebot von Xbox Live ermöglicht wird. Xbox Live ist ein Online-Angebot von Microsoft für ihre gleichnamige Spielkonsole und zur Nutzung ist die Angabe einer Kreditkarte Pflicht. Golem.de zitiert einen Microsoft Mitarbeiter, demzufolge mit der Prepaid Kreditkarte den Jugendlichen die "Chance" einer Teilnahme an Xbox Live ermöglicht werden solle. Geht es nur mir so, oder stellen sich da auch anderen die Nackenhaare auf. Als gelernter Bankkaufmann habe ich während meiner Ausbildungszeit zig überschuldete Verbraucher kennengelernt. Und bei nicht wenigen war der maßlose Umgang mit Kreditkarten der Einstieg in die Schuldenwelt. Die Prepaid Kreditkarte ermöglicht kein hemmungsloses Shoppen aufgrund des Aufladeprozeders, das ist mir bewusst. Aber es zeigt den Jugendlichen die grenzenlose Konsumwelt auf und vor allem macht es klar, dass mit Kreditkarten alles "easy" ist. Und da mit 18 den Nutzern der Prepaid Kreditkarte der Weg zu einer vollwertigen Limit-Kreditkarte offensteht ... wer glaubt schon das Kreditinstitut würde diese Kunden nicht auf diese Möglichkeit ansprechen ... sind gewissen Wegen Tür und Tor geöffnet. Ein derartiges Angebot hat meiner Meinung nach nichts in den Händen Jugendlicher zu suchen, auch nicht als Prepaid-Angebot. Auch wenn ich den wirtschaftlichen Sinn dahinter sehe (Vergrößerung der Gruppe derer, die das Online-Angebot von Xbox Live nutzen können), stellt es sich mir nicht als moralisch richtig dar. Die Zusammenhänge zwischen "Ich sehe meine Ausgaben" und wachsender Verschuldung sind bekannt und eben diesen Zusammenhang durchtrennt eine Kreditkarte, da die Ausgaben mit ihr nicht direkt sichtbar sind (gleiches gilt für Maestro-Karten). Ich kann für mich behaupten, dass ich den sorgsamen Umgang mit Geld auch dadurch gelernt habe, indem ich bei einer Ausgabe die Geldbörse öffnen musste und das Geld physisch über den Tisch wanderte. Eine Prepaid Kreditkarte verführt meiner Meinung nach bereits die jungen Verbraucher zu unüberlegten Käufen (denn die Kreditkarte ist allgemeinnutzbar und nicht nur für Xbox Live), daher sollten Eltern meiner Meinung nach ihren Kindern die Zustimmung (§§ 107, 108 BGB) zur Ausstellung der Karte verweigern.

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Themen: Microsoft , Xbox

Erschienen 1. August 2005 auf http://www.feder-und-paragraph.de.

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