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Michel Houellebecq und der Kannibale von Rotenburg

am 01.02.2006 von http://www.strafblog.de

Ungewöhnliche oder monströse Verbrechen sind von der Literatur schon häufig aufgegriffen und zu bemerkenswerten Werken verarbeitet worden. Manchmal werden sie auch nur eben mal nebenbei erwähnt. So zum Beispiel, wie ich gestern abend in meiner Einschlaflektüre überrascht feststellte, der Fall des von der Presse als Kannibale von Rotenburg getauften Armin Meiwes in Michel Houllebecq´s Roman Die Möglichkeit einer Insel. Mag sein, dass hierüber schon an anderer Stelle berichtet worden ist, mir war das jedenfalls neu. Der von der Krititk ebenso gefeierte wie zerrissene Skandalautor Houellebecq beschreibt auf Seite 283 f. der bei Dumont erschienen deutschen Ausgabe seines Romans, wie er, um ein Gespräch mit einem wenig sympathischen Regisseur nicht einschlafen zu lassen, diesem die Geschichte von einem Deutschen erzählt, der einen Landsmann, den er im Internet kennengelernt hatte, aufgegessen hatte. Zitat: Als erstes trennte er ihm den Penis ab, briet diesen mit Zwiebeln an, und dann verzehrten sie ihn gemeinsam. Anschließend tötete er ihn, schnitt ihn in Stücke und bewahrte diese dann in seiner Tiefkühltruhe auf. Ab und zu nahm er ein Stück heraus, taute es auf und bereitete sich daraus eine Mahlzeit zu ... Das gemeinsame Verspeisen des Penis sei eine tiefgehende religiöse Erfahrung, ein Augenblick echter Kommuniion zwischen ihm und seinem Opfer gewesen, wie er den Untersuchungsbeamten mitteilte. Houellebecq erwähnt zwar weder den Namen des Täters noch den Ort der Tat, aber die Herkunft der Schilderung erscheint offensichtlich.

Die Möglichkeit einer Insel ist das erste Werk von Houellebecq, das ich lese, und unabhängig von dem eher banalen Einschub der Kannibalen-Story gefällt es mir. Die Sprache und die gezeichneten Bilder sind oft drastisch, das Frauenbild des Autors erscheint bisweilen verstört, was aber durchaus gewollt sein dürfte, und die Entwicklung des Jetzt-Menschen zum Neo-Menschen, der durch eine Rekonstruktion seiner DNA immer wieder neu erschaffen wird, mutet der Fantasie des Lesers nicht wenig zu. Aber das ist es ja, was Literatur oft reizvoll macht.

Autor: RA Rainer Pohlen



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