Zeitung: Die meisten Deutschen sehen Krise noch nicht beendet
Reuters | 15. August 2009 — Berlin (Reuters) - Die Bundesbürger trauen den jüngsten positiven Wirtschaftsdaten offenbar noch nicht. Trotz des Wirtschafts…
Duisburg/Berlin (Reuters) - Kanzlerin Angela Merkel hat vor voreiligen Spekulationen über ein Ende der Wirtschaftskrise gewarnt.
Das Wachstum im zweiten Quartal gebe zwar Hoffnung, sagte Merkel am Sonntag auf einer Wahlkampfveranstaltung in Duisburg. Über das gesamte Jahr bleibe es aber dabei, dass die Wirtschaft um sechs Prozent schrumpfe. "Licht und Schatten liegen beieinander." Im Magazin "Focus" sagte Merkel, es sei "unseriös", eine Jahreszahl dafür festzulegen, wann die Krise zu Ende sei.
Bei der Veranstaltung der Frauen Union verwies Merkel auf die Exportabhängigkeit der Bundesrepublik. "Wenn unsere europäischen Nachbarn nicht auf die Beine kommen, hat das Auswirkungen auf uns". 70 Prozent der deutschen Ausfuhren gingen nach Europa. "Wir hängen nicht nur von uns ab", unterstrich die CDU-Vorsitzende. Sie wolle erreichen, dass Deutschland schnell und gestärkt aus dieser Krise komme. Die staatlichen Konjunkturprogramme würden angenommen.
Mit Blick auf die Auswirkungen auf die Beschäftigung zeigte sich Merkel im "Focus" zurückhaltend: "Wir haben die Talsohle erreicht, aber wir wissen noch nicht, wie sich wichtige Exportländer entwickeln werden, und wir kennen noch nicht alle Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt."
UMFRAGE: BÜRGER SEHEN DAS SCHLIMMSTE NOCH VOR SICH
Obwohl die schwerste Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik zu Ende ist und die Wirtschaft im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 0,3 Prozent gewachsen ist, bleiben die Bundesbürger einer Emnid-Umfrage zufolge vorsichtig: Zwei Drittel glauben, dass Deutschland das Schlimmste noch vor sich hat. Nur 28 Prozent der im Auftrag der "Bild am Sonntag" Befragten gehen davon aus, dass die Talsohle der Krise bereits durchschritten ist. 41 Prozent der Deutschen rechneten damit, dass die Wirtschaftskrise noch negative Auswirkungen für sie persönlich haben werde. 56 Prozent befürchteten dies nicht.
Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser sagte in der "Berliner Zeitung", er hoffe, dass der Auftrieb anhalte. "Von einem Ende der Krise kann allerdings leider noch keine Rede sein, hoffentlich jedoch vom Ende des fortgesetzten Absturzes." Seine Branche liege im zweiten Quartal bei Auftragseingängen und Produktion etwa 30 Prozent unter Vorjahresniveau. "Wir haben die schwächste Auslastung der Kapazitäten seit Jahrzehnten."
Erschienen 16. August 2009 bei http://www.reuters.com.
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